Di., 16.04.2019

Kunde filmt Fahrer – DHL kritisiert rüden Umgang mit Sendungen – mit Video Wenn Pakete mit Füßen getreten werden

Eine Szene aus einem Handyvideo: Hier soll ein DHL-Mitarbeiter Pakete werfen und mit Füßen treten.

Eine Szene aus einem Handyvideo: Hier soll ein DHL-Mitarbeiter Pakete werfen und mit Füßen treten.

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Ein DHL-Bote wirft und tritt Pakete: Blöd für ihn, wenn jemand das mit dem Handy filmt und der Arbeitgeber davon erfährt.

Der Online-Handel boomt. Und damit auch die Paketbranche. Seit Jahren kritisiert die Gewerkschaft Verdi die Arbeitsbedingungen der Zusteller. Trotzdem erwarten Kunden, dass mit den Paketen verantwortungsvoll umgegangen wird. Dass das nicht alle Beschäftigten so handhaben, hat ein Leser aus Paderborn auf einem öffentlichen Parkplatz beobachtet und gefilmt.

Es ist Mittwochmorgen, 9.30 Uhr. Auf einem Großparkplatz abseits der Paderborner Innenstadt stehen drei gelbe Paket-Fahrzeuge von DHL. Die Mitarbeiter des zur Deutschen Post gehörenden Paketdienstleisters sind damit beschäftigt, Pakete auf die Transporter neu umzuverteilen. Deutlich ist zu sehen, wie ein Mann kleine und größere Pakete vom Lieferwagen nach und nach auf den Boden wirft. Ein anderer nimmt sie auf oder tritt sie mit dem Fuß in eine andere Richtung.

»Entspricht in keiner Weise unseren Qualitätsvorgaben«

»Als ich das gesehen habe, war mit einiges klar«, sagt der 57-jährige Paderborner, der selbst im Dienstleistungsbereich tätig ist und anonym bleiben möchte. Für das Verhalten der drei Zusteller hat er kein Verständnis. »Ich kaufe gerne gebrauchte Waren im Internet«, erklärt er. Jüngst sei eine Lieferung mit Karaffen als Glasbruch bei ihm angekommen. »Dabei hatte die Verkäuferin alles ordnungsgemäß und bruchsicher verpackt. Mir war da schon klar, dass das Paket gestürzt sein muss«, sagt der Augenzeuge.

Rainer Ernzer, Sprecher der Deutsche Post DHL Group, hat das Video von der ungewöhnlichen Verladeaktion inzwischen gesichtet. Bei den Mitarbeitern soll es sich demnach um so genannte Express-Fahrer handeln, die Waren innerhalb einer gewissen Zeitvorgabe ausliefern müssen. Der Sprecher kommt zu folgendem Ergebnis: »Das Video zeigt auf jeden Fall einen unsachgemäßen Umgang mit Paketen. Wir bedauern, dass mit uns anvertrauten Sendungen so umgegangen wird. Das entspricht in keiner Weise unseren Qualitätsvorgaben und Ansprüchen.«

Keine Statistik über Schäden

Die Empfänger sollten, wenn Pakete beschädigt sein sollten, unmittelbar den Schaden melden, empfiehlt Ernzer. »Wir regulieren den Schaden gemäß unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen.«

Laut Ernzer gibt es keine Statistik darüber, wieviele Schäden bei der DHL pro Jahr gemeldet werden: »Verglichen mit der Anzahl der Sendungen liegt die Zahl der Beschädigungen im nicht messbaren Promille-Bereich. Um die Dimensionen deutlich zu machen: Wir haben im vergangenen Jahr allein im normalen Paketbereich fast 1,4 Milliarden Pakete transportiert.« Ernzer weiter: »Das sind fünf Millionen Pakete pro Tag. Da kommen schon mal Beschädigungen vor. Trotzdem bleibe ich dabei: Jede Beschädigung ist eine zu viel. Generell ist der Paketversand aber sicher.«

Neben unsachgemäßem Umgang wie auf dem Video zu sehen seien vor allem auch ungeeignete Um- oder Innenverpackungen der Grund für Schäden an Waren. Viele Arbeitsschritte liefen heute maschinell. »Die Ware sollte so verpackt sein, dass sie schadlos einen Sturz aus einem Meter Höhe übersteht«, verweist Ernzer auf die AGB.

200 Sendungen pro Fahrer

Die Frage, ob Express-Fahrer unter einem besonderen Druck stehen, verneint der DHL-Sprecher: »Wie in anderen Jobs auch, muss man feststellen, dass die Zeit schnelllebiger geworden ist. Unsere Pläne sind im Paket- und Expressbereich aber so ausgelegt, dass die Leute das vernünftig machen können.« An einem Tag würden etwa 200 Sendungen pro Fahrer zugestellt. Wenn eine Sonderlieferung mit 300 Paketen dazukomme, »und das kann passieren«, und dann werde der Fahrer entsprechend entlastet. »Wir schicken die Leute nicht raus mit einer Tour, die die Leute nicht schaffen können«, so Ernzer.

Seinen Angaben zufolge sei das Verhalten, dass die Express-Fahrer bei der Verladeaktion zeigten, wohl eher im persönlichen Bereich zu suchen und habe nichts mit den Arbeitsbedingungen zu tun. Der Fall werde intern aufgearbeitet. »Das ist keine Bagatelle, das geht nicht.« Maßnahmen hingen vom Einzelfall ab.

Der 57-jährige Augenzeuge der Verladeaktion ist empört, macht aber das System verantwortlich. Heute bestellt, morgen geliefert: Da sei es kein Wunder, dass bei dem steigenden Druck die Arbeitsmoral der Beschäftigten leidet. Den Schaden und den Ärger haben aber die Kunden.

Kommentare

Spielstraßen Express

Bitte erklären sie den fahrern auch, dass kein Paket der Welt es wert ist mit 40 durch die Spielstraße zu heizen und wohlmöglich noch ein Kind in den Ferien zu überfahren...

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