Mi., 17.04.2019

In Paderborn gibt es mehrere technische Vorkehrungen gegen ein Feuer Wie sicher ist der Dom?

Blick in den Glockenstuhl: Zu erkennen ist die Stahlkonstruktion, im Turmhelm wurde jedoch überwiegend Holz verbaut.

Blick in den Glockenstuhl: Zu erkennen ist die Stahlkonstruktion, im Turmhelm wurde jedoch überwiegend Holz verbaut. Foto: Jörn Hannemann

Von Matthias Band

Paderborn (WB). Große Teile von Notre-Dame sind durch das verheerende Feuer zerstört worden. Kann so ein Inferno auch im Paderborner Dom passieren? Und welche Vorkehrungen gibt es?

Die Nachricht von der Zerstörung der Pariser Kathedrale Notre-Dame hat beim Paderborner Dombaumeister Björn Kastrup (48) Entsetzen und Fassungslosigkeit ausgelöst. »Das ist das schlimmste Horrorszenario, dass man sich als Dombaumeister vorstellen kann. Der Verlust der Bausubstanz ist unwiederbringlich. Mein Mitgefühl gilt meinen Kollegen in Frankreich, die für die Sanierung zuständig sind«, sagt Kastrup. Er sei dankbar, dass bis jetzt in Paderborn nichts passiert sei. »Denn Jede Baumaßnahme bringt ein Risiko mit sich.«

Arbeiten bis Libori abgeschlossen

Vor sechs Jahren begann die umfangreiche Restaurierung des Paderborner Doms. Das Gerüst steht noch, bis Libori sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Um sich möglichst während der Sanierungsarbeiten vor einem Feuer zu schützen, seien den Firmen hohe Auflagen erteilt worden, erklärt Kastrup. So müssten sie bei gefährlichen Arbeiten mit Funkenflug immer zwei Feuer­löscher vor Ort haben. Kastrup: »Die Bauarbeiten enden um 14 Uhr, damit eine Brandwache noch die Lage beobachten kann. Es kann immer versteckte Glutnester geben.«

Stahlkonstruktion mit einem Tragegerüst aus Holz

Generell sieht Kastrup die Vorkehrungen in Paderborn gegen einen Brand als ausreichend an. »Wir sind gut aufgestellt«, sagt der 48-Jährige. Anders als in Notre-Dame sei der Dachstuhl über dem Kirchenschiff im Paderborner Dom auch nicht ausschließlich aus Holz gefertigt. »Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde eine Stahlkonstruktion mit einem Tragegerüst aus Holz eingebaut.« Im Glockenstuhl gebe es ebenfalls eine Stahlkonstruktion, im Turmhelm sei allerdings überwiegend Holz verbaut worden.

Schnüffelanlage erkennt Rauch

Um ein Feuer frühzeitig zu entdecken, verfügt der Dom über eine Schnüffelanlage, die Rauch erkennt. Zudem wurden sogenannte Brandschotts eingebaut, die längere Kabelleitungen schützen sollen, um einen Zündschnureffekt zu verhindern. Regelmäßige Übungen der Feuerwehr wie sie am Kölner Dom stattfinden, gibt es in Paderborn allerdings nicht. Für den Fall eines Feuers gebe es aber klar definierte Flächen für die Feuerwehr-Fahrzeuge und sogenannte Anleiterpunkte. »Von dort aus sollen die Feuerwehr­leute ins Gebäude vordringen«, erläutert Kastrup.

Trockensteigleitungen angebracht

Den Einsatzort zu erreichen – das wäre in Paderborn vermutlich weniger ein Problem. »Vorausgesetzt, die Zufahrten über Domplatz und Am Ikenberg sind freigehalten worden«, sagt Sebastian Winter, Abteilungsleiter vorbeugende Ge­fahrenabwehr bei der Feuerwehr Paderborn. Für den Brandfall hat die Feuerwehr einen festgelegten Einsatzplan. »Darin steht zum Beispiel, wo besondere Kultur­güter zu finden sind und wie wir unser Löschwasser vorbringen können«, erklärt Winter. Am Domturm seien sogenannte Trockensteigleitungen angebracht. Dort kann das Löschwasser eingespeist werden, das über Leitungen zum Dach geführt wird. Dort wiederum können die Feuerwehrleute dann ihre Schläuche anschließen und löschen.

Löschkran könnte aus Dortmund kommen

Die Paderborner Feuerwehr verfügt über vier Drehleiterfahrzeuge, die bis zu einer Höhe von 30 Metern ausgefahren werden können. »Bei einem ausgedehnten Dachstuhlbrand wie in Notre-Dame müssten wir aber weitere Wachen alarmieren. Zur Not könnten wir noch die Feuerwehr in Dortmund anfordern, die über einen Löschkran verfügt«, erläutert Winter.

So viel Bausubstanz wie möglich erhalten

Ein Löscheinsatz aus der Luft beim Kampf gegen das Feuer in der Pariser Kathedrale, wie es US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen hatte, wäre aus Winters Sicht nicht sinnvoll gewesen. »Wenn man mehrere Tonnen Wasser auf einmal auf das Gewölbe schmeißt, dann bricht das ein. Und das Gewölbe ist entscheidend für die Gesamtstatik der Kirche.« Ziel eines Einsatzes wie in Notre-Dame sei es schließlich, so viel Bausubstanz zu erhalten wie möglich.

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Augenzeugenbericht: WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Maike Stahl erlebt Feuerkatastrophe in Frankreich.

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