Mi., 08.05.2019

Michael und Christoph Winkelmann legen Buch über ihre Werke vor Besondere Figuren und Männer

Die Nachbildungen der Patroklus-Figuren sind ein Beispiel für die Meisterschaft von Michael (links) und Christoph Winkelmann.

Die Nachbildungen der Patroklus-Figuren sind ein Beispiel für die Meisterschaft von Michael (links) und Christoph Winkelmann. Foto: Jörn Hannemann

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Reinhard Marx trägt ihren Bischofsstab, Karl Heinz Wiesemann auch. Der heutige Kardinal und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und der Bischof von Speyer waren aber weitem nicht die einzigen Kunden von Christoph und Michael Winkelmann. In vollendeter Handwerkskunst schufen die beiden neben den Krümmen auch Altäre, Kreuze, Portale, Kreuzwege, Taufbrunnen und Kelche.

Die »Winkelmänner« gestalteten Chorräume und erstellten wunderbare Kopien der berühmten Silberfiguren des Patroklus-Schreins in Soest. Im Paderborner Diözesanmuseum stellten die »Winkelmänner« jetzt ihr Buch mit dem Werkverzeichnis vor. Dabei wurden sie gefeiert – mit lobenden Worten und Jazz, der in die Beine geht.

»So geswingt hat es schon lange nicht mehr in den heiligen Hallen des Diözesanmuseums«, schwärmte dessen Leiter Dr. Christoph Stiegemann. Kein Wunder, musizieren Christoph und Michael Winkelmann doch seit Jahrzehnten in der Hinterhaus Jazzband in Soest.

Figuren des Patroklus-Schreins gingen im Krieg verloren

In der handwerklich geprägten sakralen Kunst spielten sie immer schon ganz vorne mit. Stiegemann würdigte die beiden als »brillante Verfertiger von dreidimensionalen Silbersilhouetten« und meisterhafte Gestalter von Kirchenräumen. Besonders angetan haben es ihm die Nachbildungen der Silberfiguren des Patroklus-Schreins im Soester Dom. Der stammt aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts an die Preußische Münze verkauft, um Geld für Reparaturen zu haben, und ging bei einem Brand 1945 in Berlin verloren. 16 silberne Figuren schmückten den Schrein, mindestens acht sind vermutlich für immer verschollen. Die »Winkelmänner« sorgten für Ersatz, der den Vergleich mit den Originalen nicht scheuen muss.

»Wir haben ein gutes Verhältnis zur Kirche«, sagte Christoph Winkelmann, inzwischen 78 Jahre alt. Das ist im doppelten Sinne gemeint: Die Kirche, vor allem das Erzbistum Paderborn, war ihr wichtigster Auftraggeber und die Brüder selbst bekennen sich zum Christentum. Der Dom in Trier, wo ihre Großeltern lebten, hatte die Jugendlichen, die in einem Vorort von Hattingen aufwuchsen, tief beeindruckt.

Das Atelier gibt es seit 1927

Ihr Atelier betreiben die beiden in Brüningsen am Möhnesee. Dessen Ursprünge reichen bis 1927 zu Vater Wilhelm Winkelmann zurück. Der war vom Weimarer Bauhaus und dessen Gedanken, dass Kunst immer eine handwerkliche Grundlage haben müsse, geprägt. In der gottlosen Nazizeit galten das Bauhaus und Winkelmanns Werke als »undeutsch«.

Die Söhne Michael und Christoph traten in die Fußstapfen des Vaters. Michael beschloss, Kunstschmied zu werden, studierte Metallgestaltung, Kirchengoldschmiedekunst sowie Bildhauerei und übte sich im Treiben von Metallen. Christoph wiederum begann eine Ausbildung zum Stahlgraveur und besuchte die Metallfachschule mit künstlerischer Ausrichtung in Solingen.

Ehrfurcht vor den Bildhauern der Vergangenheit

Die beiden empfinden Ehrfurcht vor dem, was Bildhauer in vergangenen Jahrhunderten er- und geschaffen haben. »Wir können ja mal gucken, ob wir so arbeiten können wie ein Künstler im 14. Jahrhundert«, gab Michael Winkelmann (81) einst das Motto vor. Die Brüder sind Traditionalisten, keine Neuerer, die alles anders machen wollen. »Wenn Sie zum Beispiel einen Kreuzweg oder eine Krippe gestalten, kann man keine abstrakten Figuren machen«, sagte Christoph Winkelmann dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT.

Halten sie sich bei ihrem Kunsthandwerk an Vorgaben, tun sie das beim Jazz nicht. Hier reizt die beiden das Improvisieren. Dass sie auch das können, bewiesen sie im Diözesanmuseum, wo es sonst so ruhig ist, dass man eine Ein-Euro-Münze fallen hören kann. Gero Troike, Weggefährte der Brüder, gefällt, dass die »Winkelmänner« wie in die Arbeit vertiefte Kinder seien: »Es sind Genussmenschen: Sie haben Genuss an guter handwerklicher Arbeit.« Und Thomas Jessen, ein Freund der beiden, schätzt es, dass Christoph und Michael Winkelmann ihre Fähigkeiten »so bescheiden« weitergeben.

Deren Können spiegelt sich im Chorgestühl in Magdeburg genauso wider wie im Chorraum der Pfarrkirche in Attendorn und von Sankt Michael in Siegen. Wer sich intensiv mit dem Werk befassen möchte, kann zu dem im MichaelImhof-Verlag veröffentlichten Buch »Gestaltendes Handwerk und freie Kunst als Lebensaufgabe (1927-2017)« greifen.

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