Mi., 15.05.2019

Knapp 400 Gäste beim WDR-Kabarettfest – Tino Bomelino glänzt mit bösen Texten zu lieblichen Melodien Besucher müssen ganz nach vorn

Tino Bomelino guckt in der Paderhalle verschmitzt ins spärlich vertretene Publikum. Der Spaßmacher setzt neben seiner Stimme auf eine Sound-Sample-Trickkiste.

Tino Bomelino guckt in der Paderhalle verschmitzt ins spärlich vertretene Publikum. Der Spaßmacher setzt neben seiner Stimme auf eine Sound-Sample-Trickkiste. Foto: Michael Welling

Von Michael Welling

Paderborn (WB). Das WDR-Kabarettfest in der Paderhalle ist ja eigentlich ein Selbstläufer, zumindest was die Zuschauerzahlen angeht. Schade, dass bei der jüngsten Auflage am Montagabend im Halbrund der Halle rund die Hälfte der Bestuhlung freibleibt.

So bittet Moderator Matthias Brodowy zu Beginn des Abends die knapp 400 verstreut sitzenden Zuschauer erst mal alle in die vorderen Reihen, um zumindest akustisch für den Radiomitschnitt eine gut gefüllte Halle zu bekommen. Das Programm ist wie gewohnt eine bunte Mischung aus bekannten Namen und noch nicht so prominenten Vertretern der breitgefächerten Kleinkunstszene. Neben den bewährt souveränen Moderatoren Mathias Brodowy und Ingo Börchers stehen Tino Bomelino, Uta Köbernick und Philipp Weber auf der WDR5-Radiobühne.

Thema des Abends ist Abschied, zumindest Brodowy und Börchers machen sich darüber mit manch bissiger Pointe ihre Gedanken. So macht es Börchers traurig, dass er zwar weiß, dass er sterben wird, aber es nicht erleben wird, tot zu sein.

Erste und einzige Künstlerin des Abends ist Uta Köbernick. Sie gibt sich mal komisch, mal nachdenklich und manchmal leider auch nur platt. Sie jongliert mit Wörtern und Sätzen und deren Bedeutungen: »Wir müssen doch im Leben nicht vorgeben, irgendwas zu sein. Reicht nicht der Schein?«

Nicht jede Pointe zündet

Nicht jede verpackte Pointe der Berlin-Schweizerin, die 2016 in der Paderhalle mit dem »Salzburger Stier« ausgezeichnet wurde, kam an. Manches erschloss sich nur zögerlich oder nicht so wirklich. Ihr Beitrag über das Zögern, in dem Sie mit großer Gestik und eindringlicher Betonung das Zögern bittet, sich doch einmal ein anderes Opfer zu suchen und beispielsweise einen Präsidenten beim Twittern zu stören, sorgt dann doch für Lacher im Saal.

Ein richtiger Wirbelwind mit technischer Unterstützung dagegen ist Tino Bomelino. Er hat eine Sound-Sample-Trickkiste mit auf die Bühne gebracht und verblüfft allerdings mehr durch perfekte Beherrschung der Technik als durch wirklich Tiefgehendes. Skurrile Bahnansagen, böse Texte zu einschmeichelnden Melodien und live erstellten Arrangements sowie die Einbeziehung des Publikums sorgen für reichlich Beifall.

Seitenhiebe auf die Welt der Werbung

Dritter im Bunde ist schließlich Philip Weber, wohl der Bekannteste des Kabarettfest-Trios. Der Mann aus Unterfranken führt einen permanenten Angriff auf die Lachmuskulatur des Publikums mit Seitenhieben in die geheime Welt der Werbung, hier hat es ihm besonders das Klopapier angetan. Die Welt der Vermarktung und des Verkaufens bietet Stoff für seine kabarettistischen Exkurse, nebenbei gibt es noch viel Humor und ein bisschen Gesellschaftskritik.

Weber bemängelt, dass die Vergangenheit immer durch die rosarote Brille gesehen werde. Das würde ja bedeuten: »In 20 Jahren werden Sie diesen Abend hier genossen haben.« Genossen haben die Besucher wie gewohnt schöne Musik und Arrangements von Wolfgang Stute und Carsten Hormes, ständige musikalische Begleitung von Mathias Brodowy nicht nur beim Kabarettfest. Im Radio gibt es die Aufzeichnung am 1. Juni um 15.04 Uhr auf WDR5.

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