Do., 16.05.2019

Petra Gerster spricht bei der Volksbank vor 1400 Zuhörern Plädoyer für die klassischen Medien

Die ZDF-Moderatorin und Journalistin Petra Gerster hat mit ihrem Vortrag bei der Volksbank Paderborn eine Lanze für die regionalen Tageszeitungen, Zeitschriften und das öffentlich-rechtliche Fernsehen gebrochen.

Die ZDF-Moderatorin und Journalistin Petra Gerster hat mit ihrem Vortrag bei der Volksbank Paderborn eine Lanze für die regionalen Tageszeitungen, Zeitschriften und das öffentlich-rechtliche Fernsehen gebrochen. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Wahr und gut recherchiert: Dafür steht nach Ansicht von Petra Gerster der Qualitätsjournalismus in Deutschland. Doch der sei in Gefahr und damit auch die Demokratie, betonte die ZDF-Moderatorin bei der Volksbank-Versammlung im Schützenhof vor 1400 Gästen. Mit ihrem Vortrag brach sie eine Lanze für die Tageszeitungen und das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Doch zunächst gehörte dem Gastgeber die Bühne: Ansgar ­Käter, neuer Vorstandsvorsitzender der Verbundvolksbank OWL und Nachfolger von Dr. Ulrich Bittihn, feierte mit seinem Auftritt vor den Mitgliedern nicht nur eine Premiere, sondern auch ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Wachstum in allen Bereichen, lautete seine Botschaft, die sich für die Mitglieder in einer Dividende von 5,5 Prozent ausdrückt. Aber auch der Ausblick sei mehr als positiv, verriet Käter: Bis April gab es bereits 287,4 Millionen Euro an offenen Darlehenszusagen – 52 Prozent mehr als zum Jahresende 2018 und 58 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Beifall für die Rednerin: Vorstandsvorsitzender Ansgar Käter (rechts) sowie Vorstandsmitglied Karl-Heinz Rawert (links). Foto: Ingo Schmitz

Stellvertretender Bürgermeister Dietrich Honervogt lobte das große Engagement des Geldinstituts für Kultur, Sport und Soziales und Vorstandsmitglied Karl-Heinz ­Rawert ging mit seinem Regionalteam Paderborn auf die Besonderheiten der Region ein. Immobilienexperte Sebastian Schrader verriet, dass der Immobilienmarkt mangels Angebot stagniere. Aber auch die Preise blieben weiter stabil: »Es gibt keine Schnäppchen mehr«, warnte er vor vermeintlich günstigen Angeboten.

Kampf um den Werbekuchen

Eine ganz andere Warnung sprach im Anschluss Petra Gerster aus. Die Journalistin und Buchautorin führte mit dem Siegeszug des Smartphones vor Augen, dass dieses scheinbar harmlose Gerät in der Lage sei, ganze Einkaufstempel, Fernseher, Bibliotheken, Hotels, Verlage, Reisebüros und noch viel mehr zu schlucken. »Der Wechsel von analog zu digital hat die Welt umgepflügt. Es gibt neue Jobs, andere verschwinden. Es ist ein tief greifender Epochenwechsel«, sagte sie. Und das habe auch für die Medien schwer wiegende Folgen – auch finanziell. Nicht nur, dass die Zahl der Leser rückläufig sei, auch die Werbeeinnahmen seien drastisch zurückgegangen. »Facebook und Google haben sich fast des ganzen Werbe­kuchens bemächtigt, der früher die Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunksender finanzierte. Die Folge ist doppelt negativ: Es steht weniger Geld für Personal zur Verfügung«, erläuterte sie.

Internet als tödliche Konkurrenz

Das Internet sei eine tödliche Konkurrenz für die Medien und ein gewaltiges Machtumverteilungsinstrument, denn: Heute könne jeder selbst seine Botschaft »senden«, ohne dass diese überprüft worden sei. Diese Möglichkeit bezeichnete Gerster als »fünfte Gewalt«, die schwer zu fassen sei. Dadurch nehme die Desinformation zu, was im schlimmsten Fall zu einem virtuellen Mob führe. Mit Hilfe des Internets würden die Nutzer ausspioniert und manipuliert, kritisierte Gerster und forderte die Zuhörer daher auf, sich an die alten, klassischen Medien zu halten.

»Bei Zeitung, Fernsehen und Co. arbeiten gut ausgebildete Menschen nach professionellen Regeln, die transparent sind. Hier werden Quellen überprüft, ob sie zuverlässig sind«, stellte sie fest. Ihr Ratschlag ans Publikum: »Bemühen Sie unterschiedliche Quellen und nutzen Sie unterschiedliche Medien – Buch, Zeitung, Zeitschrift, Theater, Kino und Ausstellung. Gleichen Sie die Informationen ab und ziehen Sie daraus möglichst intelligente Schlüsse.«

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