Fr., 17.05.2019

Paderborner Schaustellerfamilie feiert auf dem Lunapark Taufe im Autoscooter

Lunapark statt Kirche: Gino Petter (von links), Gino Petter Junior, Angelique Spindler, Pfarrer Volker Drewes, Dean Petter, Linda Petter, Louis Petter, Marc Petter Junior und Marc Petter feiern Taufe im Autoscooter.

Lunapark statt Kirche: Gino Petter (von links), Gino Petter Junior, Angelique Spindler, Pfarrer Volker Drewes, Dean Petter, Linda Petter, Louis Petter, Marc Petter Junior und Marc Petter feiern Taufe im Autoscooter. Foto: Lukas Brekenkamp

Von Lukas Brekenkamp

Paderborn (WB). Statt donnernder Pop-Musik schallen die Klänge einer Drehorgel durch den Autoscooter der Familie Petter – ein Glockenersatz. Denn in dem Fahrgeschäft feiert die Schaustellerfamilie aus Paderborn Doppeltaufe.

Pfarrer Volker Drewes erkennt noch immer so manches Gesicht. Einige der Schausteller auf dem Lunapark habe er selbst getauft, wie er berichtet. Gestern ging es jedoch um Gino Petter Junior (elf Monate) und Louis Petter (sieben Monate) – die siebte Generation der traditionsreichen Paderborner Schaustellerfamilie.

Dass Schausteller auf ihre Vornamen weitergeben, sei eine Tradition. »Warum weiß ich auch nicht«, sagt der stolze Vater Marc Petter. Einer seiner Söhne heißt bereits Marc. Und auch sein Bruder Gino gibt seinen Namen nun weiter.

In Oldenburg und Paderborn geboren

Marc Petter führt das »Kentucky Derby« . Dort steht er täglich am Mikrofon seiner kleinen Pferderennbahn und moderiert die spannenden Rennen, die sich die Kirmesgäste liefern. Ziel des Spiels ist es, im Wettstreit gegen andere Kugeln in ­Löcher zu versenken. Jeder Erfolg befördert den Jockey samt Pferd nach vorne und damit dem Ziel ein wenig näher.

Sein Bruder Gino führt den Autoscooter. Er konnte sich in Paderborn über Nachwuchs freuen. Anders Marc Petter: Sein Sohn Louis kam in Oldenburg auf die Welt. »Mitten in der Nacht«, berichtet er. Für das Fahrgeschäft der Familie Petter war das übrigens nicht die erste Taufe. Nicht nur Petters wurde hier getauft: »Wenn ein Autoscooter auf einer Kirmes steht, dann werden solche Feiern eigentlich immer dort gefeiert«, sagt Gino Petter.

Ein Pfarrer für die Schausteller

Auch für Pfarrer Volker Drewes war das nicht die erste Tauffeier an einem so außergewöhnlichen Schauplatz. Bereits seit 1982 begleitet der Pfarrer aus Bad Hersfeld Schausteller und Zirkusleute. Er ist ehrenamtlich für die Circus- und Schausteller-Seelsorge unterwegs.

»Schausteller sind lebendiger und auf ihre Art und Weise frommer«, sagt der Pfarrer, der bereits seit Kindheit einen Draht zu Schaustellerfamilien hat und später bei seiner Tätigkeit in Gudensberg intensivierte: »Hinter dem dortigen Pfarrheim war ein Rummelplatz. So kam der Kontakt immer mehr zu Stande«, sagt er.

Etwa zehn Festplatzgottesdienste halte er im Jahr. »Auf manchen finden eben auch Taufen statt«, erklärt er. Auch Gottesdienste bei Puppenspielern und Zirkusunternehmen halte er regelmäßig. Ob Gottesdienste auf Festplätzen schöner sind, als in der Kirche? »Das würde ich so nicht sagen. Es ist einfach anders«, sagt er. »Bei Reisenden ist der Kontakt aber sehr persönlich.«

Er selbst bezeichnet sich im Grunde sogar selbst als eine Art Schausteller. »Zumindest in Anführungszeichen«, sagt er lächelnd. Denn er hat seine Utensilien auch dabei, wenn es auf Reisen geht.

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Man sitzt immer auf heißen Kohlen und ist mit dem Kopf schon in der nächsten Stadt

Gino Petter

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Gino und Marc Petter hoffen derweil darauf, dass irgendwann der eigene Nachwuchs die Fahrgeschäfte übernimmt. In der Regel ist die Familie Petter zwischen März und Oktober unterwegs. »In etwa 30 Städten«, schätzt Gino Petter. Er selbst musste als Kind fast wöchentlich die Schule wechseln.

Dass das passiert, sei bei seinem Nachwuchs nicht geplant. Das Leben als Schausteller ist eben anders. »Man sitzt immer auf heißen Kohlen und ist mit dem Kopf schon in der nächsten Stadt«, beschreibt der Autoscooter-Betreiber. Zur Taufe gab es für seinen Junior übrigens eine Art Auto-Kinderwagen. Wie passend.

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