Do., 23.05.2019

Streitthema Rettungsdienst: Paderborn kritisiert neuen Bedarfsplan Stadt legt sich mit dem Kreis an

In welcher Zeit müssen die Helfer beim Patienten sein? Wenn es nach dem Kreis Paderborn geht, reichen für Schloß Neuhaus/Sennelager zwölf Minuten aus. Die Stadt hält acht Minuten für richtig und will den Rettungsdienst aufstocken.

In welcher Zeit müssen die Helfer beim Patienten sein? Wenn es nach dem Kreis Paderborn geht, reichen für Schloß Neuhaus/Sennelager zwölf Minuten aus. Die Stadt hält acht Minuten für richtig und will den Rettungsdienst aufstocken. Foto: Jörn Hannemann

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Es bahnt sich neuer Ärger zwischen Stadt und Kreis Paderborn an. Im Fokus: der Rettungsdienstbedarfsplan. Der Rat hat den Plan des Kreises Paderborn gestern Abend einstimmig abgelehnt. Zu den möglichen Folgen wollte sich der Kreis Paderborn noch nicht äußern.

Der Rettungsdienstbedarfsplan legt – vereinfacht ausgedrückt – die Zahl von Fahrzeugen an den jeweiligen Standorten, die Personalstärke und die Ausrückzeiten (Hilfsfrist) für Notärzte und die Besatzungen von Rettungswagen fest. Bereits im Jahr 2013/14 hatte es zwischen Stadt und Kreis ge­kriselt. Schon damals gingen die Meinungen in bestimmten Punkten des Bedarfsplans auseinander. Letztlich wurde die Bezirksregierung eingeschaltet. Dieses Szenario könnte sich nun bei der aktuellen Fortschreibung des Plans ­wiederholen.

Zahl der Rettungswageneinsätze deutlich gestiegen

Im Ausschuss für Märkte und Feuerwehr erläuterte Paderborns Leitender Branddirektor Ralf Schmitz die drastische Zunahme der Einsätze – diese hätten sich in 30 Jahren verdreifacht. Die Zahl der Rettungswageneinsätze habe sich im Jahr 2018 erneut um 20 Prozent auf 3500 erhöht.

Auch im stetig wachsenden Stadtteil Schloß Neuhaus seien Verbesserungen notwendig, die derzeit im Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises nicht berücksichtigt seien. Nach Meinung des Feuerwehrchefs müsse der Bereich Schloß Neuhaus/Sennelager als eine zusammenhängende Siedlung mit mehr als 26.000 Einwohnern betrachtet werden, was einer städtischen Struktur gleich komme. Denn: Hier gibt es auch Autobahn, Bundesstraße und ­etliche Gewerbebetriebe.

Nach seiner Interpretation müsste unter diesen Bedingungen die sogenannte Hilfsfrist (Zeit zwischen Notruf und Eintreffen an der Einsatzstelle) auf ein städtisches Niveau angepasst werden. Aus seiner Sicht müssten die Einsatzkräfte demnach bereits nach acht Minuten beim Patienten sein. Der Rettungsdienstbedarfsplan hält aber für Schloß Neuhaus/Sennelager eine Hilfsfrist von zwölf Minuten für ausreichend. Das ist die Hilfsfrist, die üblicherweise für ländliche Strukturen vor­geschrieben ist.

Wie geht es mit der Rettungswache Süd weiter?

Dritter Streitpunkt im Bedarfsplan ist erneut das Thema Notarzt. Im Gutachten war 2014 festgehalten worden, dass die aktuellen Ausrückzeiten zu lang sind. Nach Angaben von Ralf Schmitz liege das daran, dass die Notärzte, die ihren Standort an den Krankenhäusern haben. Das führe zu längeren Wegen. Daher hatte er einen Modellversuch vorgeschlagen, bei dem die Notärzte nachts und an den Wochenenden mit an den Rettungswachen Nord und Süd stationiert werden, um Vergleichszahlen zu bekommen. Doch auch diesen Vorschlag habe der Kreis nicht berücksichtigt.

Ebenfalls stört die Paderborner, dass der Plan keine konkrete Aussage zum Neubau der Rettungswache Süd trifft. Dieser ist aber aus Sicht von Ralf Schmitz unabdingbar – vor allem aus Platzgründen.

Vor diesem Hintergrund hatte die Verwaltung dem Rat empfohlen, den Bedarfsplan abzulehnen. Diese Meinung vertrat vor allem auch Bernhard Schaefer (CDU), der eine Ungleichbehandlung der Einwohner von Schloß Neuhaus gegenüber der Kernstadt reklamierte. Sascha Pöppe (FDP) stellte zudem fest: »Ein guter Rettungsdienst in der Stadt hilft dem gesamten Kreis.« Das abschließende Votum fiel einstimmig aus.

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