Di., 28.05.2019

Fotoprojekt »Pader Born« wird bei der Paderkultour präsentiert Quelle einer neuen Heimat

Michel Ptasinski (links) und Tobias Vorwerk (rechts) bereiten im Studio das neue Fotoprojekt »Pader Born« der Gruppe Cheezze vor. Mit Edenilda Ferreira und Ogün Derendeli portraitieren sie zwei Menschen, die in Paderborn heimisch geworden sind.

Michel Ptasinski (links) und Tobias Vorwerk (rechts) bereiten im Studio das neue Fotoprojekt »Pader Born« der Gruppe Cheezze vor. Mit Edenilda Ferreira und Ogün Derendeli portraitieren sie zwei Menschen, die in Paderborn heimisch geworden sind. Foto: Maike Stahl

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Wo ist Heimat? Dieser Frage wollen Michel Ptasinski und Tobias Vorwerk sich mitten in der Pader mit lebensgroßen Porträts von Menschen nähern, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen und in Paderborn ein Zuhause gefunden haben. Präsentiert wird das Fotoprojekt »Pader Born« im Rahmen der Paderkultour am Pfingstsonntag.

»Das Wasser der Pader als Lebensader der Stadt steht dabei metaphorisch für die Gesellschaft als Quelle einer neuen Heimat«, beschreibt Michel Ptasinski den Gedanken hinter der ungewöhnlichen Präsentation. So wie das Paderwasser die 2 mal 1,40 Meter großen Drucke der Porträts trägt, die auf der Oberfläche schwimmen sollen, trage die Gesellschaft diejenigen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in Paderborn heimisch werden.

»Heimat sind vor allem die guten Freunde«

Edenilda »Deni« Ferreira-Brachtendorf aus dem Nordosten Brasiliens hat die Liebe in Paderborn gehalten. »Eigentlich wollte ich vor 22 Jahren nur für ein Jahr nach Deutschland kommen, um einen Sprachkursus zu machen und meine beruflichen Möglichkeiten in Brasilien zu verbessern«, erzählt die 49-Jährige. »Doch dann habe ich meinen Mann kennengelernt, geheiratet und meinen Doktortitel als Hausfrau und Mutter gemacht.« Paderborn sei zweite Heimat für sie. »Um mich richtig zuhause fühlen zu können, fehlt mir aber das gute Wetter und ein bisschen Spontanität bei den Menschen.« Andererseits vermisse sie in Brasilien vieles, was sie in Deutschland sehr schätze.

Heimat seien für sie daher vor allem die guten Freunde, die sie hier gefunden habe. Und indem sie ihr Hobby, den Tanz, zum Beruf gemacht hat, hat sie auch ein Stück Brasilien mit in ihr Paderborner Leben nehmen können. Denn Deni Ferreira hat den brasilianischen Verein Coisas do Brasil gegründet, bietet Salsa- und Zumbakurse an und hat eine Ausbildung zur Fitnesstrainerin absolviert. »Es ist Wahnsinn, wie viel Energie und Lebensfreude Deni hier rein gebracht hat«, sagt Michel Ptasinski, in dessen Niederntudorfer Studio die beiden Fotografen, die Mitglied von Cheezze sind, die Porträts aufnehmen. Je nach Motivauswahl wird sie vielleicht bei der Paderkultur auf dem Wasser tanzen.

»In der Jugend hätte ich gerne in eine Kategorie gepasst«

Leichtes Spiel haben Ptasinski und Vorwerk auch mit Ogün Derendeli (35), der seit zwei Jahren Schauspieler am Theater Paderborn ist. Nach fünf Minuten ist die Fotoserie fertig und das einzige Problem, aus den vielen guten Motiven das Eine auszuwählen. Auch Ogün erzählt, dass es für ihn unmöglich sei, den Begriff Heimat zu definieren. »Ich bin in Dortmund als Sohn türkischer Eltern geboren. In Deutschland war ich zu sehr Türke, um selbstverständlich dazugehören, in der Türkei zu sehr Deutscher«, beschreibt er das Dilemma, zwischen den Kulturen groß zu werden. »In der Jugend gab es eine Zeit, in der es mich wütend gemacht hat, nicht zu wissen, wer und was ich jetzt eigentlich bin. Ich hätte gerne in eine Kategorie gepasst.«

Heute sieht Ogün Derendeli das anders. Schließlich seien doch fast alle Menschen von Migration betroffen, wenn man nur weit genug zurückschaue. »Migration ist schon immer ein Thema der Menschheit. Unsere Wurzeln liegen alle woanders«, fühlt er sich nicht mehr als Außenstehender.

»Die unterschiedlichen Geschichten haben uns sehr bewegt«

Neben Deni Ferreira und Ogün Derendeli können die Besucher der Paderkultour am Pfingstsonntag noch acht weitere Menschen kennenlernen, die in Paderborn heimisch geworden sind. »Wir haben heute ganz unterschiedliche Geschichten gehört, die uns zum Teil sehr bewegt haben«, verraten Ptasinski und Vorwerk nach dem Shooting. Diese Lebensgeschichten werden auch die Besucher der Ausstellung auf Höhe der Stümpelschen Mühle erfahren.

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