Di., 28.05.2019

Bis zu vier Minuten: Wartezeiten treffen auch Rettungsdienst Alle Räder stehen still, wenn die Bahn es will

Am Bahnübergang auf der Detmolder Straße sind die Wartezeiten auf die Züge besonders lang. Das führt zur Rückstaus und zu Umwegen für den Rettungsdienst. Zwischen drei und vier Minuten sind die Schranken geschlossen.

Am Bahnübergang auf der Detmolder Straße sind die Wartezeiten auf die Züge besonders lang. Das führt zur Rückstaus und zu Umwegen für den Rettungsdienst. Zwischen drei und vier Minuten sind die Schranken geschlossen. Foto: Jörn Hannemann

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Die Bahnübergänge in Paderborn stellen nicht nur Autofahrer auf die Geduldsprobe. Wenn die Schranken geschlossen sind, weil ein Zug kommt, hat das auch Auswirkungen auf den Rettungsdienst. Und damit auf die Patienten.

Schlaganfall, Herzinfarkt: Im Notfall zählt jede Minute, weiß Sascha Pöppe. Auf Anfrage des FDP-Ratsherrn hat Stadtbrand­inspektor Ralf Schmitz nun die Zahlen zu den Einsatzzeiten vorgelegt. Nach Auskunft der Bahn passieren den Bahnübergang an der Detmolder Straße täglich rund 200 Züge. Die meisten davon sind Reisezüge. Die durchschnittliche Schließzeit der Schranke betrage an dieser Stelle bei Personenzügen drei Minuten, heißt es bei der Bahn. Bei Güterzügen können das – je nach Länge – aber sogar vier Minuten sein. Etwas besser sind die Wartezeiten am Bahnübergang Eggestraße in Benhausen. Hier bleiben die Schranken zwischen zwei und drei Minuten geschlossen.

Wesentlich müssen die Autofahrer an den Schranken am Hildesheimer Hellweg in Benhausen warten, sagt Schmitz. Hier beträgt die Wartezeit zwischen 45 und 60 Sekunden. Erklärung: Laut Feuerwehrchef Schmitz gibt es hier eine andere Signaltechnik.

Bahn und Rettungsdienst nicht vernetzt

Trotz aller technischen Möglichkeiten existiert noch keine Vernetzung zwischen Rettungsdienst und Bahn. »Die Fahrzeugbesatzung im Rettungswagen entscheidet daher selbst, ob die Schranke umfahren wird.« Das bedeutet Umwege. Beispiel Detmolder Straße: Müssen die Autofahrer auf einen Zug warten, weicht der Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn über Nordstraße und Dr.-Rörig-Damm aus.

Ob es nun tatsächlich wegen der Bahn zur Überschreitung der Hilfsfrist kommt, dazu gibt es keine konkreten Zahlen, sagt Schmitz. Im innerstädtischen Bereich beträgt die Frist zwischen Alarmierung und Ankunft am Einsatzort acht Minuten. Bei fast 10.000 Einsätzen des Rettungswagens kam die Hilfe im Jahr 2017 in 400 Fällen nicht pünktlich an. In Benhausen gab es 250 Einsätze. Hier wurde in fünf Fällen die Hilfsfrist von zwölf Minuten nicht eingehalten. Für Neuenbeken waren es 109 Einsätze. In acht Fällen brauchte die Besatzung mehr als zwölf Minuten, um am Einsatzort anzukommen. Dafür könne es aber mehrere Gründe geben, hieß es.

Sascha Pöppe sprach sich dafür aus, sich an die Bahn zu wenden. Die Stadt müsse erreichen, dass die schnellere Signaltechnik an allen Bahnübergängen zum Einsatz kommt.

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