Mi., 29.05.2019

Airport-Debatte: IHK stellt Forderungen – »Nein« kommt vom BUND »Das Land ist in der Pflicht«

Die IHK-Vertreter haben die Bedeutung des Flughafens untersuchen lassen: (von links) Landrat Manfred Müller, Stephan Britten (IHK Arnsberg), Andreas Henkel (Lippe), Harald Grefe (Bielefeld), Flughafenchef Dr. Marc Cezanne und Dr. Olaf Zeike.

Die IHK-Vertreter haben die Bedeutung des Flughafens untersuchen lassen: (von links) Landrat Manfred Müller, Stephan Britten (IHK Arnsberg), Andreas Henkel (Lippe), Harald Grefe (Bielefeld), Flughafenchef Dr. Marc Cezanne und Dr. Olaf Zeike. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Die Wirtschaft steht zum Flughafen Paderborn/Lippstadt. Doch die Kosten soll die öffentliche Hand tragen. Das geht unmissverständlich aus der jüngsten Stellungnahme der Industrie- und Handelskammern hervor.

Wie am Samstag berichtet , haben die IHKs Arnsberg, Hellweg-Sauerland, Lippe und Bielefeld ein Gutachten zur Bedeutung des Airports erstellen lassen. Das wenig überraschende Ergebnis: Der Airport hat eine hohe regionale Bedeutung. Hintergrund des Gutachtens sind die gestiegenen Defizite, die nun von den Gesellschaftern aufgefangen werden sollen. Die Diskussionen in den politischen Gremien haben begonnen. Der Paderborner Kreistag hat die Entscheidung darüber auf kommenden Montag verschoben (lesen Sie dazu auch die Meldung am rechten Seitenrand).

Mehr touristische Angebot am Heimathafen

Verbunden mit dem Gutachten haben die Vertreter der Wirtschaft die Forderung aufgestellt, dass neben den sechs Landkreisen und der Stadt Bielefeld auch das Land NRW bei der Stärkung der Flughafeninfrastruktur Verantwortung übernehmen müsse. »Im Rahmen der neuen Luftverkehrskonzeption muss auf eine stärkere Arbeitsteilung der sechs Flughäfen hingewirkt werden«, teilt Harald Grefe, stellvertretender Geschäftsführer der IHK Ostwestfalen, mit. Ein Vorschlag lautet zum Beispiel, den Flughafen Düsseldorf vermehrt für interkontinentale Flüge zu nutzen und dafür das touristische Angebot am Heimathafen in Büren-Ahden auszubauen. Grefe wünscht sich, dass das Land an dieser Stelle regulierend eingreift. »Momentan hält es sich aber dezent zurück«, bedauert er.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Kosten für die Flugsicherung, die sich am Paderborn-Airport nach Angaben der IHK auf 1,5 Millionen Euro belaufen. Bei anderen Flughäfen trage der Bund diese Kosten, der Flughafen Paderborn/Lippstadt müsse diese hingegen selbst bezahlen, was das jährliche Defizit noch vergrößere. »Wir fordern in diesem Punkt eine Gleichbehandlung«, sagte der IHK-Sprecher.

Drittes Drehkreuz für Geschäftsreisende

Ein weiterer Wunsch ist, dass am Heimathafen das Angebot für den Geschäftsreiseverkehr noch weiter ausgebaut wird. Konkret heißt das: zusätzliche Verbindungen nach Frankfurt und der Einsatz größerer Maschinen, zusätzliche Reiseziele sowie neben München und Frankfurt ein drittes Drehkreuz.

Die IHK macht zudem darauf aufmerksam, dass die Verluste am Heimathafen nicht hausgemacht seien. Vielmehr handele es sich um äußere Faktoren wie der ruinöse Wettbewerb und Preiskampf, die Pleiten der Airlines sowie deutlich gestiegene Sicherheitsauflagen. »Das führt zu sinkenden Erlösen und steigenden Kosten. Gleichzeitig waren die Möglichkeiten für einen Ausgleich über die Parkraumbewirtschaftung und Vermietung sehr begrenzt«, lautet die Begründung für die notwendige Finanzspritze durch die Kommunen.

Kritik kommt vom BUND

Die Forderung zur Übernahme des Verlustausgleichs wird jedoch vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in OWL als »unverschämt und in Zeiten des Klimawandels völlig weltfremd« bezeichnet. Vorsitzender Jens Jürgen Korf betont: »Die IHKs fordern mehr kommunale Knete für die klimaschädlichste Verkehrsform der Region: den Flugverkehr. Damit muss Schluss sein! Die Kasse bleibt zu!«

Ursache der Finanznot seien Überkapazitäten der Flughäfen und die Dumpingpreise. Die Flughäfen wie Dortmund, Kassel-Calden und Co. jagten sich gegenseitig die Fluggäste ab. »Dass die Steuerzahler dafür auf allen Ebenen zur Kasse gebeten werden, ist absurd«, heißt es beim BUND.

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