Do., 06.06.2019

Forscher Tobias Hayer berichtet in Paderborner Berufskolleg über Risiken »Glücksspiel macht Spaß, aber...«

»Endlich gibt es zwei Vorrichtungen, mit denen wir unser Geld mit nur einem Handgriff versenken können«: Der Forscher Tobias Hayer berichtet von der Glücksspielsucht.

»Endlich gibt es zwei Vorrichtungen, mit denen wir unser Geld mit nur einem Handgriff versenken können«: Der Forscher Tobias Hayer berichtet von der Glücksspielsucht. Foto: Lukas Brekenkamp

Von Lukas Brekenkamp

Paderborn (WB). Egal ob Sportwetten, Spielothek oder gar das Casino – wohl jeder ist mit Glücksspiel schon in Kontakt gekommen. Doch was für ein Suchtrisiko dahinter stecken kann, ist manchen nicht klar. Glücksspielforscher Tobias Hayer erklärt die Hintergründe.

Natürlich, so der Bremer, mache Glücksspiel Spaß. Auch Hayer zocke gerne. »Beruflich«, wie er versichert. Denn der Psychologe ist an der Universität Bremen im Institut für Psychologie, Abteilung Glücksspielforschung, tätig. Schon seine Doktorarbeit habe er über eben dieses Thema geschrieben.

Besonders gefährdet, so sagt es der Bremer, seien Männer jungen Alters mit Migrationshintergrund. Auch aus diesem Grund fand sein Vortrag am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg statt. Nach der letzten repräsentativen Studie, die von der Landesregierung NRW (MGEPA) in Auftrag und 2014 veröffentlicht wurde, zeigen Jugendliche an Berufskollegs deutlich erhöhte Häufigkeiten für problematisches und gefährdetes Glücksspielen.

Hauptsächlich junge Männer gefährdet

Auch die Fachstelle Glücksspielsucht der Caritas Paderborn bemerke einen solchen Trend: Im vergangenen Jahr habe die Caritas 100 Menschen beraten und vermittelt. »Es ist spürbar, dass mehr junge Leute kommen, meist Männer zwischen 25 und 35 Jahren«, sagt Eva Engelkamp.

Ein Grund dafür sei laut Hayer auch das Internet, welches junge, technikaffine Menschen anspreche. In Deutschland seien etwa 500.000 Menschen von Glücksspielproblemen betroffen, die Dunkelziffer könnte jedoch weitaus höher sein.

Doch warum birgt Glücksspiel ein hohes Suchtrisiko? »Letztendlich geht es um Gefühle, um Emotionen«, erklärt der Forscher. Symptome einer Spielsucht unterscheiden sich zum Teil nicht von denen einer Alkohol- oder Drogensucht: Spieler wiesen demnach ein Verlangen (»Abstinenzunfähigkeit«) sowie Entzugserscheinungen auf, Verpflichtungen würden außerdem vernachlässigt.

Ergebnisse sind programmiert

Allerdings: »Diese Sucht lässt sich leicht verbergen«, sagt Hayer. Besondere Symptome seien zudem, dass Spieler den Verlusten hinterherjagen würden – sie zocken also immer weiter, um das Geld zurückzubekommen.

Zum Teil, so der Forscher, seien die Glückspiele für den Menschen trügerisch. »Am Automaten läuft ein Programm. Die Ergebnisse sind programmiert«, mahnt er an, dass man eben diese nicht beeinflussen kann – wie bei Sportwetten. Viele Menschen würden denken, Gewinn habe mit Wissen zu tun. Tobias Hayer dazu: »Wenn Sie immer gewinnen würden, wäre der Wettanbieter pleite!«

Der Vortrag des Bremer Forschers ist Teil des Präventionsprojekts »Glüxxit« von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW und den Schwerpunktberatungsstellen Glücksspielsucht im Auftrag des NRW-Gesundheitsministeriums. Allein an den 654 Geldspielgeräten in Paderborn wurden 2018 insgesamt 19,5 Millionen Euro verspielt.

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