Verbände befürchten Verluste für Handwerker und Dienstleister beimk Wohnungsbau
Privat vor Staat gefordert

Paderborn (WB). Die wichtigsten Institutionen in Paderborn aus Wirtschaft und Handwerk haben sich mit dem Ziel zusammen geschlossen, möglichst schnell geförderten Wohnungsbau zu realisieren. Dabei stehe die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WBG) womöglich im Weg. Sie fordern daher, dass der Bau geförderter Wohnungen in der Hand Privater bleiben soll.

Samstag, 08.06.2019, 05:33 Uhr aktualisiert: 08.06.2019, 06:01 Uhr
In Paderborn wird weiterhin viel gebaut, wie hier am Brukterer Weg. Bislang haben das Private erledigt. Nun gibt es Forderungen, dass sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft aus diesem Bereich her­aushalten sollte. Es schade der heimischen Wirtschaft. Foto: Schwabe
In Paderborn wird weiterhin viel gebaut, wie hier am Brukterer Weg. Bislang haben das Private erledigt. Nun gibt es Forderungen, dass sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft aus diesem Bereich her­aushalten sollte. Es schade der heimischen Wirtschaft. Foto: Schwabe

Dem Bündnis gehören der Arbeitgeberverband Paderborn-Höxter, der Haus- und Grundeigentümer-Verein, die Industrie- und Handelskammer in Paderborn, die Initiative »Paderborn überzeugt«, die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe und der Spar- und Bauverein Paderborn an. Man wolle sich für eine positive Entwicklung des allgemeinen und des sozialen Wohnungsbaus einsetzen, heißt es. Dabei verfolge man das Ziel, regionale Arbeitsplätze im Handwerk und bei Dienstleistern zu erhalten. Diese seien unter Umständen gefährdet, wenn eine städtische Wohnungsbaugesellschaft auf den Markt dränge.

Die Verbände und Institutionen befürchten, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft Nachteile für Handwerk und Mittelstand und deren Mitarbeiter mit sich bringen könnte. Hintergrund sei, dass bei einem Wohnungsbau durch die städtische Gesellschaft öffentliche Ausschreibungen – möglicherweise sogar europaweit – erfolgen müssten, heißt es bei den Initiatoren. Dies hätte unter Umständen zur Folge, dass heimische Firmen vermutlich nicht mehr zum Zuge kämen. Dies stehe weiterhin dem Ziel entgegen, die Planung und den Bau der Wohnungen zügig voran zu bringen.

Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

»Es geht den Institutionen darum, schnell Chancen zu nutzen und dabei auf bewährte Strukturen zurückzugreifen. Bauverteuernde Generalunternehmerausschreibungen gilt es zu vermeiden, um das regionale Handwerk entsprechend zu berücksichtigen, und die verlässliche sowie regionale private Wohnungsbauwirtschaft einzubeziehen«, erklärt Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Vor diesem Hintergrund äußern die Wirtschaftsvertreter Bedenken, dass die Wohnungsbaugesellschaft, deren Gründung der Rat der Stadt Paderborn im vergangenen Jahr einstimmig beschlossen hat, dem eigentlichen Ziel und Bedarf der Stadt Paderborn entgegen stehen könnte. Die etablierten Partner vor Ort seien hingegen ein Garant für eine »schnelle und solide Umsetzung und Planung im Sinne der Bürger«, heißt es.

Im Gegenzug müsse die Stadt beim Weiterverkauf der Grundstücke den vom Bund gewährten Nachlass von 25.000 Euro je öffentlich geförderter Wohnung an die Käufer weitergeben. »Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat den Kommunen die Möglichkeit ausdrücklich dazu eingeräumt. Damit kann eine Mietobergrenze von 6,20 Euro pro Quadratmeter für einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren garantiert werden«, heißt es weiter.

In der Konsequenz bedeute das, dass die gewünschte Anzahl öffentlich geförderter Wohnungen ohne Eingriff der Kommune mit regionalem Handwerk und regionaler, privater Immobilienwirtschaft realisiert würde. Das habe für die Stadt auch den weiteren Vorteil, dass sie keinen großen Verwaltungsapparat für die WBG aufbauen müsse und sich »erhebliche Risiken bei der Projektentwicklung spare«.

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