Do., 13.06.2019

Kreis Paderborn bietet zehn öffentliche Stellflächen an – Interesse liegt bei Null Ladesäulen-Angebot läuft ins Leere

Öffentliche E-Ladesäulen waren jetzt Thema im Paderborner Kreistag.

Öffentliche E-Ladesäulen waren jetzt Thema im Paderborner Kreistag. Foto: Pierel

Von Bernhard Liedmann

Kreis Paderborn (WB). Bundesweit wird der Mangel an Ladesäulen für die Infrastruktur für E-Autos beklagt. Umweltfreundlich denkend machte sich auch der Kreis Paderborn auf die Suche nach der Umsetzbarkeit von 20 Ladesäulen und bot Interessenten Standorte an. Vergebens. Mangels Interesse und wegen Unrentabilität wurde das Vorhaben jetzt durch den Kreistag auf Eis gelegt.

Bereits vor einem Jahr unternahm die FDP den umweltfreundlichen Vorstoß für die Initiative, wonach der Kreis Paderborn auf kreiseigenen Flächen öffentliche Ladestationen aufstellen und mit interessierten Betreibern Kontakt aufnehmen sollte.

Der Kreis stieg in die Untersuchung ein und das Gebäudemanagement ermittelte die Standorte. Darunter neben der zentralen Verwaltung selbst an der Aldegreverstraße Standorte in zentralen Stadtbereichen wie Kreissporthalle, Gregor-Mendel-Berufskolleg sowie den Kollegs am Maspernplatz und in Schloß Neuhaus und auch Außenstellen wie das Kreishaus Büren, das Kreismuseum Wewelsburg und die Kreisfeuerwehrzentrale am Flughafen.

Angebot mit Laufzeit von zehn Jahren

An jedem Standort wurden seitens der Verwaltung je zwei Ladeplätze vorgeschlagen, da Parkplätze grundsätzlich knapp seien. Nach der Vorstellung der Standorte machte sich die Verwaltung auf die Suche nach interessierten Betreibern. Angeboten wurde ein Konzessionsvertrag über eine Laufzeit von zehn Jahren. Die Installation, Betrieb sowie Verwaltung und Wartung sollte der Betreiber leisten.

Per E-Mail schrieb anschließend die Kreisverwaltung elf mögliche Interessenten an. Mit magerem Erfolg: Nur Westfalen Weser Netz (WWN) signalisierte Interesse, allerdings zu ganz anderen Konditionen: Danach hätte der Kreis nicht nur für die Infrastruktur sorgen sollen, sondern auch für Betrieb und Wartung. WWN hätte nur das Laden selbst, Störungen und Abrechnungen übernommen.

Die derzeitigen Umsatzerlöse reichten auch in näherer Zukunft nicht zur Deckung der jährlichen Wartungs- und Servicekosten aus, war die Begründung. Allenfalls auf einem der zehn Standorte hätte WWN eine Ladesäule als Teil des eigenen 100-Stromtankstellen-Projektes errichtet.

Die Kreiskämmerei mit Finanzdezernent Ingo Tiemann an der Sitze rechnete anschließend alles durch und rechnete auch die Fördergelder des Landes über 5000 Euro pro Ladestation ein. Bei den Kosten blieben pro Station bei einer Gesamtinvestition über 12.000 Euro pro Station mit zwei Steckdosen dennoch 7000 Euro am Kreis hängen, hinzu kamen als Service- und Wartungskosten mehr als 1000 Euro pro Jahr für jede Säule.

Einnahmen unkalkulierbar

Unterm Strich für neun Ladesäulen einmalig 63.000 Euro und Wartungskosten über 16.200 Euro pro Jahr. »Nicht wirtschaftlich« war dann auch das Fazit für die jüngste Kreistagssitzung, die Lücke wäre allenfalls über eine erhöhte Kreisumlage zu schließen, bilanzierte die Verwaltung. Unkalkulierbar sei zudem die Höhe der Einnahmen. Im Sinne des Wirtschaftlichkeitsgebotes beschloss der Kreistag abschließend, das Vorhaben zumindest für ein Jahr auf Eis zu legen.

Weitaus euphorischer geht derzeit die Stadt Paderborn das Thema an. Bei der Vorstellung einer Studie im April sah man bei derzeit 26 öffentlichen Ladesäulen allein im Stadtgebiet den Bedarf von 73 Säulen bereits 2022. Pro Ladesäule (Wallbox-Variante) wurde hier mit Kosten von 2500 Euro gerechnet (wir berichteten am 5. April).

Geklärt wird derzeit, ob sich die Stadt selbst, Westfalen Weser Netz oder die Stadtwerke mit dem Ausbau des Landesäulen-Netzes weiter befassen sollen. Auf Anfrage erklärte Westfalenwind, dass man bei dem Kreis-Projekt nicht gefragt worden sei. Allerdings hätte man auch abgelehnt, weil man Ladesäulen nur in direkter Verbindung mit regenerativer Stromerzeugung anbiete.

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