Do., 13.06.2019

33-Jähriger sagt vor dem Paderborner Landgericht umfangreich aus Drogendealer erhält milde Strafe

Das Landgericht Paderborn.

Das Landgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB/upf). Wer vor Gericht lügt, hat schlechte Karten. Wer die Wahrheit sagt, dem kommt Justitia entgegen. Deshalb muss ein 33-jähriger Paderborner wegen Drogenhandels auch nur für zweieinhalb Jahre hinter Gitter.

Aufklärungshilfe nennt sich der typisch bürokratendeutsche Begriff – »singen« sagt man dazu unter Berufskriminellen. Zu letzteren gehört der 33-jährige Familienvater eher nicht, auch wenn er über einen gewissen Zeitraum seine Vorlieben durch den Handel mit illegalen Drogen finanziert hatte: Glückspiel und Kokain-Konsum.

Die beiden Anklagekomplexe gegen den 33-Jährigen summierten sich: Zwischen Februar 2017 und Februar 2018 sollte er neun Mal Marihuana im Kilogramm-Bereich sowie Amphetamin bezogen und an Abnehmer weitergegeben haben. Außerdem hatte er nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft bereits 2015 Kokain an einen anderen Paderborner verkauft, der seit 2016 wegen florierenden Drogenhandels in Haft sitzt.

Kunde liefert Dealer »ans Messer«

Dieser jetzt 28-Jährige war es auch, der den 33-Jährigen »ans Messer lieferte«: Wie ein Paderborner Drogenfahnder als Zeuge in dem Prozess aussagte, hatte der 28-Jährige im Zuge seines eigenen Strafverfahrens den Namen des 33-Jährigen als Lieferanten genannt – den die Polizei dann mittels Telefonüberwachung und Observierung einer Shisha-Bar in den Fokus nahm.

Erfolgreich, wie sich herausstellte: Er wurde schließlich festgenommen, auch konnten Drogen zum Teil bei Abnehmern sichergestellt werden. Was der Zeuge auch bestätigen konnte: Der 33-Jährige habe bei seiner Vernehmung – er verbrachte drei Monate in Untersuchungshaft – selbst ausgepackt und wertvolle Hinweise zu weiteren Ermittlungen geliefert. So hätten zwei größere Dealer in Lippstadt und Bad Lippspringe ausgemacht werden können.

Ob der Konsum des Angeklagten an Kokain eine behandlungsbedürftige Sucht darstellt, darauf wollte sich ein psychiatrischer Gutachter nicht festlegen. Zwar sei der 33-Jährige »immens kooperativ« gewesen bei der Untersuchung, habe aber letztendlich drei verschiedene Zeiträume genannt, in der er ohne fremde Hilfe seine »Kokserei« abgestellt haben wolle.

Zeuge widerspricht sich ständig

Ebenso unergiebig war die Vernehmung des 28-jährigen Dealers, der in der Justizvollzugsanstalt Werl seine langjährige Haftstrafe absitzt: Der widersprach sich trotz der sehr geduldigen Befragung von Richterin Dr. Tabea Rustemeyer ständig selbst so massiv, dass sowohl Staatsanwältin Verena Spieker als auch Verteidiger Rainer Pielsticker ihn später als »völlig unbrauchbar« bezeichneten – und den Vorwurf des bewaffneten Handels mit Drogen fallen ließen.

Letzteren hatte sich der 33-Jährige eingehandelt, weil der Zeuge bei der Polizei behauptet hatte, er habe im Keller des Angeklagte seinerzeit auch einen Teleskopschlagstock zusammen mit Kokain auf einem Tisch liegen sehen.

Dass der 33-Jährige bei den Marihuana-Geschäften lediglich eine Vermittlerrolle hatte, schlug sich im Strafmaß ebenso nieder wie sein Geständnis: Mit einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren für Drogenhandel folgte die 1. Große Strafkammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

 

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