Do., 13.06.2019

Bei Gudrun Lumpp landen Tiere, die niemand mehr halten will oder kann Das Altenheim der Hunde

Der Jack-Russel-Rüde Ricky ist inkontinent und trägt eine Windel.

Der Jack-Russel-Rüde Ricky ist inkontinent und trägt eine Windel. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Kora hat Arthrose, Ricky ist inkontinent und Schätzchen blind. Die Dogge, der Jack Russel und der Fox-Terrier sind drei von 36 betagten Hunden, die in Paderborn in Gudrun Lumpps privatem »Tierhort Albert Schweitzer« betreut werden.

Kontakt

Anmerkung der Redaktion: Gudrun Lummp bat darum, ihre Kontaktdaten nicht in der Zeitung zu veröffentlichen, weil sie nicht als Bittstellerin erscheinen möchte. Wir dürfen hier aber ihre Telefonnummer angeben, falls jemand Kontakt aufnehmen und helfen möchte: 05252 932032

»Sie sind so hilfsbedürftig, dass wohl keiner von ihnen jemals eine neue Familie finden wird. Die Hunde verbringen ihre letzten Monate und Jahre bei mir«, sagt die Tierschützerin (79). Im Altenheim der Hunde geht es ähnlich zu wie bei den Menschen. Tierpfleger Dieter Kairies (61) gibt den vierbeinigen Senioren Herzmedikamente, Schmerzmittel und Arznei gegen Asthma. »Fast 1000 Euro kostet das im Monat«, sagt Gudrun Lumpp.

Senioren mit unterschiedlichen Lebensgeschichten

Auch das Futter ist auf die Befindlichkeiten und Allergien der Bewohner abgestimmt: »Der eine verträgt nur Rinderhack, der andere mag am liebsten Trockenkost.« Einsam ist keiner der Hunde: Sie werden nicht in Zwingern gehalten, sondern können jederzeit das Haus verlassen und durch den großen Garten stromern. Nicht endendes Kläffen und Bellen, wie man es aus anderen Tierheimen kennt, ist hier nicht zu hören. Fast jeden Tag kommen ältere Menschen zu Besuch, um einen der Hunde auszuführen. »Das ist für die Tiere das Größte. Man sieht, wie sie sich darüber freuen«, sagt Gudrun Lumpp.

Tierschützerin Gudrun Lumpp. Foto: Christian Althoff.

Die vierbeinigen Senioren haben ganz unterschiedliche Lebensgeschichten. Um den Mischling Rudi (12) etwa konnte sich sein 92 Jahre altes Herrchen nicht mehr kümmern. Die Dogge Kora (8) blieb alleine zurück, als ihr Herrchen starb. Und Jack-Russel-Rüde Ricky (14) hat einen Lebertumor, der auf die Blase drückt. »Der Besitzer ist selber krank und konnte nicht ständig hinter dem inkontinenten Hund herputzen«, sagt Gudrun Lumpp. Im Tierhort trägt der Rüde eine Windel, die von einem Handtuch gehalten wird. »Die wechsel ich viermal am Tag«, sagt Dieter Kairies. Andere Hunde wurden hier abgegeben, weil ihre Besitzer von Sozialhilfe leben und die Medikamente nicht bezahlen können.

Leberwurstbutterbrote vor dem Schlafengehen

Gudrun Lumpp gehen die alten Tiere über alles: »Sie brauchen Wärme und Geborgenheit. Deshalb gibt es in jedem Raum eine Heizung, und jeder hat sein Körbchen mit Decken und Kissen. Manche Hunde decken sich abends sogar selber zu.« Vor dem Schlafengehen gibt’s aber für jeden noch ein Leberwurstbutterbrot. »Drei Packungen aus dem Lidl gehen täglich drauf.«

Schätzchen ist blind, taub und wahrscheinlich dement. Foto: Christian Althoff

1960 war der erste Ehemann von Gudrun Lumpp mit einem Welpen nach Hause gekommen, den er vor dem Ertränken gerettet hatte. Die Krankenschwester nahm weitere Hunde auf und machte schließlich im Brüder-Krankenhaus Paderborn nur noch Nachtschichten, um tagsüber die Tiere versorgen zu können. »Das ging irgendwann nicht mehr, und ich kündigte.«

Bundesverdienstkreuz für die Tierschützerin

Nach dem Tod ihres Mannes verkaufte Gudrun Lumpp mehrere Immobilien und steckte das Geld in den Bau des Tierhorts. Sie heiratete ein zweites Mal und pflegte ihren Mann bis zu seinem Tod. »Mit meiner eigenen Rente und der Witwenrente bringe ich den Tierhort über die Runden«, sagt sie. »Ich verstehe allerdings nicht, dass selbst wohlhabende Menschen, die mir ihren Hund bringen, nicht auf die Idee kommen, für seinen Unterhalt zu zahlen. Ich hatte gerade wieder so einen Fall, und ich weiß, wie reich die Familie ist.«

Für ihre Arbeit wurde die Tierschützerin schon mehrfach ausgezeichnet. Im September kommt eine weitere Ehrung dazu: Dann wird der dann 80-Jährigen das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Anmerkung:

Gudrun Lummp bat darum, ihre Kontaktdaten nicht in der Zeitung zu veröffentlichen, weil sie nicht als Bittstellerin erscheinen möchte. Wir dürfen hier aber ihre Telefonnummer angeben, falls jemand Kontakt aufnehmen und helfen möchte:

05252 932032

Kommentare

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Hallo, ich habe selbst einen 14 jahre alten Hund mit Diabetes und blind. Ich weiss wie das ist und deshalb möchte ich helfen. LG

Ich finde es ganz super toll von dieser Dame, das Sie so ein Altersheim für Hunde betreibt, ich bin noch lange nicht so alt wie diese Dame und ich frage mich, wo Sie die Kraft herholt um das alles zu bewältigen, ich wünsche mir, das diese Frau noch ganz, ganz lange gesund und munter bleibt, für sich und die Tiere. Und eines wissen wir doch alle ganz genau, die Reichen sind immer zu geizig um was zu geben, aber die Ärmsten der Ärmsten, finden immer noch ein paar Euro für andere Hilfsbedürftige. Ich wünsche Ihnen liebe Frau weiterhin alles, alles Gute für die Zukunft.

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Herzenssache. So toll.
Pn bitte wegen Spende.

Altersheim für Hunde

Tiefe Verbeugung vor Menschen die sich für alte Hunde aufopfern❤️❤️❤️

Das Altersheim für Hunde

Eine tolle Sache bzw. Einrichtung, das Altersheim für Hunde. Möchte hier gerne Spenden, daher bitte email mit Daten. DANKE

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