Do., 13.06.2019

Zentrale Notaufnahme im Brüderkrankenhaus St. Josef ist gestartet Triage ist das neue Zauberwort

Lukas Wahnschaffe ist Triage-Fachkraft in der Zentralen Notaufnahme des Brüderkrankenhauses. Er stuft die Patienten ein. Rot wird umgehend behandelt, bei Kategorie Blau kann die Wartezeit auf einen Arzt zwei Stunden und mehr betragen.

Lukas Wahnschaffe ist Triage-Fachkraft in der Zentralen Notaufnahme des Brüderkrankenhauses. Er stuft die Patienten ein. Rot wird umgehend behandelt, bei Kategorie Blau kann die Wartezeit auf einen Arzt zwei Stunden und mehr betragen. Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Triage ist der Schlüssel zur neuen Zentralen Notaufnahme im Brüderkrankenhaus. Mittels dieses Verfahrens werden die Notfälle klassifiziert. Das soll Vorteile für alle Beteiligten bringen.

Die Patienten profitieren vor allem davon, dass sie jetzt schnell wissen, auf welche Wartezeit sie sich einstellen müssen und nur noch eine Anlaufstelle haben, die sich direkt im Eingangsbereich befindet. Und dort bekommen sie es dann auch gleich mit Triage zu tun. »Speziell fortgebildetes Pflegepersonal nimmt eine erste Einschätzung des Gesundheitszustandes vor und stuft die Patienten entsprechend in fünf Kategorien ein«, erläutert Maik Toremans, pflegerischer Leiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA). Dabei hilft ihnen sowohl bei den Patienten, die selbst in die Notaufnahme kommen, als auch bei denen, die vom Rettungsdienst eingeliefert werden, eine spezielle Software mit einem standardisierten Fragebogen.

»Patienten der Kategorie Rot, bei denen akute Lebensgefahr besteht, werden unverzüglich behandelt«, erläutert der ärztliche Leiter der ZNA, Kai Klössing. In der Kategorie orange darf die Wartezeit bis zum ersten Kontakt mit einem Facharzt maximal zehn Minuten betragen. »Das waren seit dem Start der ZNA vor vier Wochen 15 Prozent aller Fälle«, sagt er. Der größte Anteil, der seitdem 1982 Patienten in der ZNA fiel mit 45 Prozent in die Kategorie gelb – Wartezeit eine halbe Stunde.

Fünf Farbkategorien bestimmen Behandlungsdringlichkeit

Patienten der Kategorie grün – bisher gut ein Drittel der Fälle – sollten maximal 90 Minuten auf ihren Arzt warten müssen und wer in die Kategorie blau eingestuft wird, muss zwei oder mehr Stunden einplanen. »Allerdings teilen wir den Patienten, um sie nicht zu beunruhigen, diese Einstufung nicht direkt mit. Denjenigen, die am längsten warten müssten, bieten wir aber alternativ an, ihren Hausarzt oder die Notfallpraxis im Medico aufzusuchen«, sagt Klössing. Die Rückmeldungen seien bisher sehr gut.

Damit das System auch intern funktioniert gibt es in der ZNA ein Leitsystem, über das die Mitarbeiter sehen, welcher Patient mit welchem Status bereits wie lange wartet. Damit die vorgegebenen Wartezeiten eingehalten werden können, hat das Brüderkrankenhaus auch das Personal aufgestockt. »Auch die Fachärzte müssen natürlich entsprechend greifbar sein«, erläutert der kaufmännische Direktor Siegfried Rörig. Die Einführung der Zentralen Notaufnahme und des Triage-Systems, mit dem auch das Paderborner St. Vincenz-Krankenhaus seit einem Jahr arbeitet , beziffert er mit 175.000 Euro für IT, Schulungen und Umbau sowie laufenden Mehrkosten von jährlich gut 250.000 Euro für das Personal. Allerdings setzt er auch auf eine künftig etwas bessere Refinanzierung der Notaufnahme als bisher.

Kommentar

Mit der Einführung der Zentralen Notaufnahme und des Triage-Systems ist das Brüderkrankenhaus den Vorgaben des gemeinsamen Bundesausschusses zu einem gestuften Notfallkonzept, das eine Einführung bis 2021 vorsieht, voraus. Das ist gut für die rund 24.000 Patienten, die jährlich allein dort die Notaufnahme aufsuchen. Wartezeiten werden sich nie vermeiden lassen, doch sie warten nun mit Sicherheit beruhigter, weil sie wissen, dass eine Fachkraft sich bereits intensiv mit ihren Beschwerden auseinandergesetzt hat. Maike Stahl

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