Fr., 14.06.2019

Kommunaler Energiekonzern WWE spürt fehlenden Netzausbau Ökostrom-Boom birgt Probleme

Die Führungsriege des kommunalen Energiekonzerns Westfalen Weser Energie (WWE) – Andreas Speith (von rechts), Dr. Stephan Nahrath und Jürgen Noch – schaut Christian Blase, Azubi zum Elektroniker für Betriebstechnik, über die Schulter.

Die Führungsriege des kommunalen Energiekonzerns Westfalen Weser Energie (WWE) – Andreas Speith (von rechts), Dr. Stephan Nahrath und Jürgen Noch – schaut Christian Blase, Azubi zum Elektroniker für Betriebstechnik, über die Schulter. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Paderborn (WB). Mehr als die Hälfte des Stroms im Netz des kommunalen Konzerns Westfalen Weser Energie (WWE) stammt inzwischen aus Windrädern, Solar- und Biogasanlagen. Das sorgt aber auch für Herausforderungen – und Entschädigungen in Millionenhöhe.

30.675 Photovoltaikanlagen, 613 Windräder und 180 Biogasanlagen speisten 2018 Ökostrom ein in die Leitungen des in weiten Teilen von OWL – außer in Bielefeld und größtenteils dem Kreis Gütersloh – zuständigen Ortsnetzbetreibers. »Der Anteil der regenerativen Energien belief sich auf 51 Prozent des Endverbrauchs. Damit liegen wir deutlich über dem Bundesschnitt«, sagt Andreas Speith, technischer Geschäftsführer der WWE-Tochter Westfalen Weser Netz (WWN). »Die 1900 Megawatt installierte Gesamtleistung erneuerbarer Energien entspricht dem Wert von zwei Kernkraftwerken.«

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Doch wenn viel Wind und Sonne herrscht, kann der erzeugte Ökostrom immer häufiger nicht mehr abtransportiert werden. »In unseren Netze haben wir keine Engpässe, das Problem ist der fehlende Ausbau der vorgelagerten Hoch- und Höchstspannungsleitungen«, sagt WWE-Chef Dr. Stephan Nahrath. Um die Netze zu stabilisieren und einen Ausfall zu verhindern, müssen immer öfter Ökostromanlagen abgeregelt werden. »Im gesamten Jahr 2016 waren es noch rund 200 dieser Regeleingriffe, 2018 schon 7400 und in diesem Jahr werden es noch mehr«, sagt Speith. 2018 seien so insgesamt 230 Millionen Kilowattstunden Strom verloren gegangen. Die Anlagenbetreiber erhielten dafür 14 Millionen Euro Entschädigung. Nahrath: »Im laufenden Jahr werden es mehr als 20 Millionen sein.« Geld, das auf die Netzentgelte umgelegt wird und am Ende die Verbraucher bezahlen.

Ausbau vorgelagerter Netze soll Abhilfe schaffen

Abhilfe soll der Ausbau der vorgelagerten Netze vor allem vom Betreiber Avacon im windkraftstarken Kreis Paderborn schaffen. »Der Genehmigungsprozess dauert aber«, erklärt Speith. »Wir erwarten eine Beseitigung der Engpässe 2021/22.«. Die zum Jahreswechsel um 20 Prozent gestiegenen Netzentgelte sollen sich künftig nur noch moderat erhöhen.

Die Netzgesellschaft WWN sorgte auch 2018 für den Löwenanteil des Konzernumsatzes von 888 Millionen Euro und des Gewinns. Die Beteiligungstochter WWB hat 1,2 Millionen Euro vor allem aus Windkraftanlagen beigesteuert. Bei der Energieservice-Tochter ESW (Nahwärme und Mieterstrom) verwandelten indes Pensionslasten ein operatives Plus in ein Defizit von 1,5 Millionen.

DIe mit 230 Millionen Euro gefüllte Rücklage angezapft

Die 54 kommunalen WWE-Eigner haben wieder 5,5 Prozent Rendite auf ihre Einlagen erhalten. Um neben den obligatorischen 40 Millionen weitere sieben Millionen Sonderdividende auszahlen zu können, wurde die mit 230 Millionen Euro gefüllte Rücklage angezapft, sagt WWN-Geschäftsführer Jürgen Noch. »Die 40 Millionen Euro können wir auch dank Effizienz- und Optimierungsprozessen langfristig erwirtschaften«, erklärt Nahrath. Die Zahl der 890 Mitarbeiter werde sich auf lange Sicht weiter reduzieren. Binnen 15 Jahren gingen 320 Mitarbeiter in Ruhestand.

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