Fr., 14.06.2019

Ausstellung in Paderborn-Schloß Neuhaus knüpft an Tradition der Blumenstillleben an Galerie wird zum Garten

»Red Greenhouse« heißt dieses Werk von Seet van Hout (rechts). Deren Arbeiten nutzt Andrea Brockmann zum Brückenschlag vom Barockgarten zur modernen Kunst.

»Red Greenhouse« heißt dieses Werk von Seet van Hout (rechts). Deren Arbeiten nutzt Andrea Brockmann zum Brückenschlag vom Barockgarten zur modernen Kunst. Foto: Oliver Schwabe

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). »In der Galerie in der Reithalle wächst jetzt auch ein Garten«, sagt Andrea Brockmann. Für ihre erste Ausstellung als Leiterin der städtischen Museen und Galerien in Paderborn ließ sie sich vom Barockgarten in Schloß Neuhaus und von zeitgenössischer Kunst inspirieren.

»Building the Garden« heißt die Schau, die am Freitag, 21. Juni, in Schloß Neuhaus eröffnet wird und etwa 50 Arbeiten der niederländischen Künstlerin Seet van Hout zeigt. »Das Entstehen, Wachsen und den Zerfall von Blumen finde ich faszinierend«, sagte die 61-Jährige am Freitag.

Blumenstillleben haben eine lange Tradition

Sie lebt und arbeitet in Nimwegen und stellt zum ersten Mal in Ostwestfalen-Lippe aus. Ihre künstlerische Laufbahn begann mit dem Malen von Blumen. Stillleben mit Tulpen und anderen Blumenarten haben in den Niederlanden eine lange Geschichte und erlebten im 17. Jahrhundert im »Goldenen Zeitalter« ihre Blüte. Aquarelle aus dieser Phase, aber vor allem Kupferstiche der Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian sowie aus alten Kräuter- und Apothekerbüchern dienen Seet van Hout als Vorlagen. Dabei empfindet sie durchaus so etwas wie Ehrfurcht: »Was jemand vor 300, 400 Jahren gemacht hat, darf ich wieder aufgreifen. Das schafft eine besondere Verbindung, ein Gefühl von Solidarität.«

Die lange Tradition der künstlerischen Auseinandersetzung mit Blumen, Pflanzen und der Natur generell wird in der Ausstellung auch ein Gemälde widerspiegeln, das Tulpen zeigt und Ende des 17. Jahrhunderts von dem flämischen Maler Bartholomé van Winghe geschaffen wurde. Es stammt aus der Fürstenberg-Stiftung Eggeringhausen.

»Zusammenspiel von innen und außen«

Mit Blick auf den Barockgarten in Paderborn-Schloß Neuhaus und die Pflanzenmotive der Seet van Hout will Andrea Brockmann Gegenwarts- und Gartenkunst verbinden. Bei ihrem Dienstantritt fand sie den Barockgarten als Baustelle vor. »Die Sanierung war der Auslöser für diese Ausstellung, jetzt haben wir ein Zusammenspiel von innen und außen«, sagte sie am Freitag. »Building the Garden« fordere die Besucher selbst dazu auf, »sich in der Imagination einen Garten zu bilden«.

Seet van Hout, die unter anderem zwei Jahre lang die Koninklijke Academie voor Kunst en Vormgewing in Den Bosch besuchte, verbindet in ihren Werken freie, fließende Malerei mit gezeichneter Stickerei und freiem Fadenspiel. Sie verzichtet auf Pinsel, tropft und gießt stattdessen Farbe auf die Leinwände und lässt sie auf ihnen fließen. Anschließend stickt sie in Handarbeit mit Garn oder Metalldrähten konkrete Formen in die Farbwogen. Die Struktur der Pflanzenmotive erinnert oft an die von menschlichen Gehirnen. Der Mensch als Motiv interessiert Seet van Hout, die von der abstrakten Malerei her kommt, generell aber kaum.

Eröffnung am 21. Juni

»Building the Garden« wird nach der Eröffnung am 21. Juni bis zum 15. September zu sehen sein. Die Galerie in der Reithalle in Schloß Neuhaus hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Katalog wird rechtzeitig fertig sein. Anders als ihre Vorgängerin Andrea Wandschneider wird Andrea Brockmann verstärkt auf zeitgenössische Kunst setzen. Für den Herbst ist eine Schau über die Kunst nach 1945 vorgesehen.

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