So., 23.06.2019

Verwandte haben keine Erklärung: Warum musste der Familienvater in Paderborn-Schloß Neuhaus sterben? Entsetzen über rätselhafte Bluttat

Die Spurensicherung hat den Tatort am Samstagmorgen untersucht. Zu dem Zeitpunkt war das Opfer bereits im Krankenhaus verstorben.

Die Spurensicherung hat den Tatort am Samstagmorgen untersucht. Zu dem Zeitpunkt war das Opfer bereits im Krankenhaus verstorben. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Angehörige sind entsetzt, Nachbarn fassungslos. Was sich am frühen Samstagmorgen in der Wohnsiedlung im Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus ereignet haben soll, übersteigt ihre Vorstellungskraft: Waldemar E. (60) soll seinen Cousin (50) im Schlafzimmer erstochen haben, während dessen Frau daneben im Bett lag. Das Motiv ist völlig unklar.

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, eine junge Frau geht mit einem Kinderwagen spazieren. Nichts deutet darauf hin, was sich in dem Mehrfamilienhaus in der Krakostraße in Schloß Neuhaus wenige Stunden zuvor ereignet hat. Es ist eine schreckliche Bluttat – vermutlich ein Familiendrama, denn Opfer und Täter sollen Cousins sein. Die zehnköpfige Mordkommission »Krako« hat die Ermittlungen aufgenommen.

Zugestochen, während die Frau des Opfers daneben lag

Wie die Polizei inzwischen bestätigte, hat sich die Bluttat am Samstagmorgen ereignet. Waldemar E., der nur wenige Meter vom Tatort in der Krakostraße entfernt wohnt, soll über die Terrasse in die Wohnung seiner Verwandten eingedrungen und dann ins Schlafzimmer gegangen sein. Danach soll er auf das Opfer ohne Vorwarnung mit einem Messer eingestochen haben. Die Ehefrau, die neben ihrem Mann im Bett lag, muss die Tat unmittelbar miterlebt haben. »Eine Frau hat fürchterlich geschrien. Dann hat man Weinen gehört«, berichtete eine Nachbarin dieser Zeitung. Kurz darauf sei ein Großaufgebot an Einsatzkräften angerollt.

Familienvater stirbt im Krankenhaus

Der jüngste Sohn des Paares soll Polizei und Rettungsdienst alarmiert haben, hieß es. Die Beamten nahmen den mutmaßlichen Täter noch an Ort und stelle fest, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Das Opfer wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Dort erlag der 50-Jährige wenig später seinen Verletzungen. Der Gabelstaplerfahrer eines großen Paderborner Lebensmittelherstellers hinterlässt zwei Kinder und eine Frau.

Verwandte rätseln über Motiv

»Zur Motivlage ist derzeit nichts bekannt«, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Angehörige rätselten am Wochenende über den möglichen Grund für die Bluttat. Sie hatten keine Erklärung. Ihren Worten nach habe es zwischen den beiden Männern keinen Streit gegeben.

Mutmaßlicher Täter lebte unauffällig

Der Fall sorgt in der Wohnsiedlung in Schloß Neuhaus für großes Entsetzen. Der mutmaßliche Täter habe mit seiner Frau in der Nähe des Tatorts völlig unauffällig gelebt. Der 60-Jährige sei allerdings seit einigen Jahren ohne Arbeit gewesen. »Er war krank«, hieß es. Noch am Sonntag soll er dem Haftrichter vorgeführt werden.

+++ Update 15.46 Uhr ++++

Inzwischen haben Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigt, dass das Opfer an den Folgen eines Messerstiches nach innen verblutete. Das habe die Obduktion ergeben.

Nach ersten Ermittlungen der Mordkommission »Krako« gelangte der Tatverdächtige demnach gegen 7.55 Uhr durch eine geöffnete Terrassentür in die Wohnung und begab sich in das Schlafzimmer der Familie, wie es in einer Mitteilung heißt. »Dort stach er auf das im Bett liegende und gerade erst erwachte Opfer ein.«

Die ebenfalls im Bett liegende Ehefrau rief der Mitteilung zufolge laut um Hilfe. »Dem dazukommenden Sohn, der Ehefrau und einem zur Hilfe eilenden Zeugen gelang es, den stark alkoholisierten Angreifer zu überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizisten festzuhalten.« Bei der Tatwaffe handele es sich um ein Jagdmesser, das am Tatort sichergestellt worden sei.

Der Festgenommene (60) äußere sich derzeit nicht zu den Vorwürfen. Das Motiv sei weiter unklar. Ein Haftrichter habe einen Untersuchungshaftbefehl wegen Mordes erlassen.

 

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