Mo., 24.06.2019

Von der Fahrradstraße über die Aufstelltasche bis zum indirekten Linksabbiegen Neue Schilder und Wege für Radler

An der Driburger Straße dürfen Radfahrer nun auf der Fahrbahn im Verkehr mitrollen, obwohl es einen Radweg gibt.

An der Driburger Straße dürfen Radfahrer nun auf der Fahrbahn im Verkehr mitrollen, obwohl es einen Radweg gibt. Foto: Oliver Schwabe

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Für die Sicherheit der Radfahrer wird in Paderborn viel unternommen. Neue Fahrradstraßen, neue Beschilderungen und Markierungen, neue Abbiegeregelungen und neue Hauptrouten sollen das Radfahren in der City attraktiver machen. Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT stellt die Maßnahmen vor.

Durch die Aufnahme Paderborns in die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte (AGFS) im vergangenen Jahr habe die Stadt nun mehr Möglichkeiten, erläutert Pressesprecherin Lea Giesen.

Wo gibt es Fahrradstraßen und welche Regeln gelten?

Die Fahrradstraßen im Tegelweg sowie Römerstraße und Merschweg gibt es schon länger. Ganz neu sind nun die Fahrradstraßen im Dörener Weg sowie am Ostfriedhof, sagt Radverkehrsplaner Arne Schubert von der Stadt. Wichtigste Botschaft an die Autofahrer: Sie sind hier nur Gäste, Radler haben das Sagen. Arne Schubert: »Es gilt Tempo 30, wobei Radler das Tempo vorgeben. Sie dürfen nebeneinander im Pulk fahren. Voraussetzung für eine Fahrradstraße ist, dass das Verkehrsmittel Fahrrad zur Spitzenstunde das Hauptverkehrsmittel ist.« Allgemein gilt: Überholen des Radfahrers ist allerdings bei Einhaltung des Mindestabstandes von 1,50 Metern erlaubt. Weitere Fahrradstraßen werden laufend geprüft, sagt Schubert.

Benutzungspflicht aufgehoben

Benutzungspflicht hier aufgehoben« – was bedeutet das Schild?

Der Hinweis ist seit einigen Wochen zum Beispiel an der Driburger Straße/Ecke Busdorfwall angebracht. »Wir sind laut Straßenverkehrsordnung dazu angehalten, den Radfahrern das Fahren auf der Straße zu ermöglichen«, erläutert Schubert. Hier gibt es zwar in beide Richtungen einen Radweg, aber den dürfen die Radfahrer nun ignorieren. Die Benutzungspflicht ist zwischen 2011 und 2018 auf 32 Streckenabschnitten im Stadtgebiet aufgehoben worden. Trotzdem dürfen die Radwege weiterhin benutzt werden.

Warum werden die Radfahrer auf die Straße geholt?

Nach Angaben von Planer Schubert beweise die Unfallstatistik, dass dies sicherer als auf Bordsteinradwegen ist. Hintergrund seien die vielen Unfälle auf Radwegen an Einmündungen und Kreuzungen. Das ist nach Angaben der Stadt auch der Grund, warum Radfahrer nicht auf dem Gehweg an der Neuhäuser Straße fahren dürfen. Sie sollen auf der Fahrbahn im Verkehr mitrollen, weil sie dort eher gesehen werden. Wichtig sei aber, dass die Autofahrer den Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten. »Dazu haben wir eine Kampagne mit der AGFS geplant. Sie trägt den Namen: Liebe braucht Abstand.«

Hier die Aufstelltasche an der Giersstraße. Foto: Oliver Schwabe

Was verbirgt sich hinter dem Fachbegriff »Aufstelltaschen« und wozu dienen sie?

Nach Angaben der Stadt werden diese Flächen für Linksabbieger markiert. Beispiele sind zum Beispiel an der Giersstraße und Wollmarkt-/Ecke Borchener Straße zu finden. »Radfahrer, die nach links abbiegen wollen, werden auf eine für sie markierte Fläche gelotst. Dadurch befinden sie sich im direkten Sichtfeld der Autofahrer und können sicherer abbiegen.«

Hier wird indirekt links abgebogen. Foto: Oliver Schwabe

Und was ist mit dem indirekten Linksabbiegen gemeint?

Zu finden ist das aktuell an der Borchener Straße in die Josef-Schröder-Straße (stadtauswärts) beziehungsweise in die Sighard­straße (stadteinwärts). Ebenfalls eingerichtet ist es an der Dubelohstraße/Hatzfelder Straße in alle Richtungen. Das indirekte Linksabbiegen soll die Sicherheit deutlich erhöhen. Es funktioniert in zwei Zügen: Der Radfahrer, der links abbiegen möchte, fährt zunächst über eine Furt, stellt sich in der Aufstelltasche auf und wartet dort auf die Grünphase der Querrichtung. Er wird dort per Kamera erfasst und erhält umgehend Grün. Dann kann er gefahrlos abbiegen. Arne Schubert stellt klar: »Das direkte Abbiegen bleibt weiterhin möglich. Das indirekte Abbiegen wird aber zunehmend akzeptiert und soll auch an anderen Stellen eingerichtet werden.«

Zwei Hauptrouten nach Marienloh

Und was wird sonst noch unternommen?

Die Stadt hat in den zurückliegenden Monaten an zahlreichen Einmündungen und Furten so genannte Rotmarkierungen vorgenommen. Dadurch sollen die Autofahrer für Radfahrer sensibilisiert werden, die die Bereiche queren. Einen Augenmerk hat die Stadt auch auf die wichtigsten Routen, die von der Innenstadt in die Ortsteile führen. Zwei pro Jahr werden neu beschildert. »Es gibt immer eine schnelle und eine ruhige Verbindung«, berichtet Schubert. Beispiel Marienloh: Eine Strecke führt vom Innenstadtring über die Detmolder Straße nach Marienloh. Die andere führt über die Fahrradstraße im Tegelweg weiter zum Dr.-Röhrig-Damm und über den Rotheweg zum Hederaweg. Danach geht es über den Bahnradweg nach Marienloh. Besonderheit: Am Klusheideweg sind Radfahrer nun bevorrechtigt.

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