Mi., 26.06.2019

Nach Unfall in Bad Lippspringe: Autofahrer ermittelt – 65-Jähriger außer Lebensgefahr Verhaltenes Interesse an E-Rollern

Ganz schön schnell: E-Tretroller erreichen gerne 20 Stundenkilometer. Doch für viele scheint eine solch neue Möglichkeit der Fortbewegung nicht sonderlich interessant. Kosten, Auswahl und lange Unklarheit können Gründe dafür sein.

Ganz schön schnell: E-Tretroller erreichen gerne 20 Stundenkilometer. Doch für viele scheint eine solch neue Möglichkeit der Fortbewegung nicht sonderlich interessant. Kosten, Auswahl und lange Unklarheit können Gründe dafür sein. Foto: Oliver Schwabe

Von Lukas Brekenkamp

Paderborn/Bad Lippspringe (WB). Erfolgreiche Ermittlungen: Ein E-Rollerfahrer ist am Wochenende so schwer gestürzt, dass er lebensgefährliche Verletzungen davontrug – weil ihm die Vorfahrt von einem Autofahrer genommen wurde. Dieser konnte nun ausfindig gemacht werden.

Der Fahrer (19) habe sich laut Polizei in der Wache Bad Lippspringe gemeldet. Der 65-jährige E-Rollerfahrer sei zuvor am Sonntag bei einem Bremsmanöver gestürzt und wurde dabei trotz Schutzhelm lebensgefährlich am Kopf verletzt. Gebremst habe er nach Polizeiangabe wegen eines abbiegenden Autos. Der Autofahrer habe sich vom Unfallort entfernt.

Der Unfall zählt zu den ersten folgenschweren Vorfällen mit einem E-Tretroller nach dem Inkrafttreten einer Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr vor etwas mehr als einer Woche. Wächst nun mit den neuen Verkehrsteilnehmer die Unfallgefahr?

Kein »Hype« um E-Roller

»Wir haben festgestellt, dass das Interesse an E-Roller hier sehr verhalten ist«, sagt Michael Biermann, Sprecher der Paderborner Polizei. »Nach Inkrafttreten der Verordnung hatten wir keinen Hype. Da sind nicht alle direkt losgelaufen und haben sich einen E-Roller gekauft.«

Anders war dies etwa bei beispielsweise Hoverboards (Bretter, auf denen die Fahrer stehen und mit der Körperverlagerung das motorisierte Gefährt zum Lenken, Bremsen und Beschleunigen bringt) oder »Pocketbikes«, die laut Biermann einen solchen Hype erlebten.

Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) sagte in den vergangenen Tagen: »Dass es massive Probleme geben wird zwischen E-Scooter-Fahrern und anderen Verkehrsteilnehmern, liegt auf der Hand. Die Frage ist nur: Wie schwerwiegend sind diese Probleme?«

Der Polizeisprecher rechne aktuell jedoch nicht, dass es zu einem Anstieg der Unfallzahlen kommen könne. »Dafür sind einfach zu wenige mit den E-Rollern unterwegs«, meint er.

Noch nicht viele Modelle für die Straße zugelassen

Dass ein solcher Hype bisher nicht entstand, kann laut Sabrina Spliethove von Zweirad Löckenhoff auch daran liegen, dass durch die erst kürzlich in Kraft getretene Verordnung noch wenige Modelle auf dem Markt sind. »Ich denke, das wird sich spätestens in der nächsten Saison ändern«, vermutet sie. Immerhin sind zum jetzigen Stand auch noch nicht viele Modelle für die deutschen Straßen zugelassen.

Viele Kunden kämen in den Zweiradladen um sich zu informieren, so Sabrina Spliethove. Nur gekauft werde ein solcher E-Tretroller selten. Der Grund könnte etwa der Preis sein. Löckenhoff verkauft einen schon seit einem Jahr zugelassenen Tretroller von BMW. Der Preis: Rund 2400 Euro.

Günstig-Roller fast ausschließlich ohne Zulassung

Was möglicherweise nicht bekannt ist: Kaum eines der günstigen E-Roller-Modelle, die im Internet für einen niedrigen dreistelligen Preis zu haben sind, habe eine Straßenzulassung. Das betont auch Polizeisprecher Michael Biermann. Er deutete an, dass es zu höheren Probleme kommen könne, wenn die zugelassenen E-Tretroller deutlich günstiger würden – denn dann steige dementsprechend die Zahl der Roller.

Udo Olschweski, Leiter des Paderborner Ordnungsamtes, sagt: »Auch Autofahrer müssen sich womöglich an einen neuen Verkehrsteilnehmer gewöhnen. Immerhin müssen die E-Tretroller die Fahrradstreifen auf der Straße nutzen.«

Weitere Vorgaben nach der Verordnung sind zum Beispiel: Der Fahrer muss mindestens 14 Jahre alt sein. Es müssen Beleuchtungen vorhanden sein. Der Roller darf bis 20 Stundenkilometer fahren.

Roller des 65-Jährigen fuhr bis zu 45 Stundenkilometer

Der Roller des verunglückten Fahrers in Bad Lippspringe konnte derweil bis zu 45 Stundenkilometer fahren. Der 65-Jährige fuhr nach Angaben der Polizei einen dreirädrigen E-Scooter, für den ein Führerschein der Klasse AM nötig sei. Eine Betriebserlaubnis sei gültig.

Die Ermittlungen dauern an. »Gegen den Fahrer besteht der Verdacht der Unfallfahrerflucht und fahrlässiger Körperverletzung«, sagt Biermann. Der E-Rollerfahrer sei derweil außer Lebensgefahr.

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