Do., 27.06.2019

Archäologen stoßen auf Reste des Walls und auf Kanonenkugeln Als Paderborn sich einmauerte

Sveva Gai, Till Lodemann und Ralf Mahytka (von links) inmitten der freigelegten Reste der Paderborner Stadtmauer. Sie stießen dabei auch auf zwei Kanonenkugeln und Reste eines Turmes (rechts). Gai: »Es ist viel mehr erhalten, als wir dachten.«

Sveva Gai, Till Lodemann und Ralf Mahytka (von links) inmitten der freigelegten Reste der Paderborner Stadtmauer. Sie stießen dabei auch auf zwei Kanonenkugeln und Reste eines Turmes (rechts). Gai: »Es ist viel mehr erhalten, als wir dachten.« Foto: Dietmar Kemper

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Zwei Kanonenkugeln erinnern an kriegerische Zeiten. Sie kamen bei Grabungen an der Paderborner Stadtmauer an der Ecke Westernmauer-Marienstraße zum Vorschein. Es gab aber noch mehr Entdeckungen.

Früher hatte jede Stadt die Absicht, eine Mauer zu errichten. Auch Paderborn. Sie diente in erster Linie dem Schutz der Bürger gegen Angreifer, aber auch als Statussymbol, als Rechtsgrenze (»Stadtluft macht frei«) und als Zollschranke.

»Die Paderborner Stadtmauer wurde Ende des 12. Jahrhunderts gebaut«, sagte die Archäologin Sveva Gai am Mittwoch. 1184 sei sie erstmals urkundlich erwähnt worden. In den Jahrhunderten danach passten die Verantwortlichen die Mauer immer wieder der Entwicklung der Waffentechnik an. Sie wurde verstärkt, um zum Beispiel Kanonen standzuhalten.

Stadtmauer 1875 abgerissen

»Die Stadtmauer blieb bis 1875, dann wurde sie abgerissen, ohne dass dies dokumentiert worden wäre«, weiß Gai und erläuterte: »Sie wurde abgerissen, um Straßen anzulegen, weil sie keine Funktion mehr hatte und weil das Bewusstsein für die stadtgeschichtliche Bedeutung und den Erhalt einer solchen Mauer fehlte.«

Von alten Stadtansichten ist bekannt, dass der Mauerring fünf Tore enthielt. Die zwischen Western- und Neuhäusertor freigelegten Reste sind knapp 20 Meter lang und zwischen 2,30 und 2,50 Meter breit. Neben den Mauerfundamenten fanden die Archäologen auch die Überbleibsel eines runden Turms und eine Quermauer. Sie könnte auf ein Tor oder eine vorgelagerte Befestigung hinweisen, meint Till Lodemann, wissenschaftlicher Volontär bei der Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Der »tolle Christian« erobert Paderborn 1622

»Auf dem Fußboden des Turms lagen die Kanonenkugeln«, ergänzte Ralf Mahytka von der Firma Eggenstein Exca. Vermutlich seien sie dort gelagert worden, um sie mit einer Kanone auf Angreifer abzufeuern.

Gelegenheiten dazu gab es durchaus, zum Beispiel im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648); 1622 eroberte Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel, der »tolle Christian« genannt, im Kampf gegen seine katholischen Gegner die Stadt Paderborn und Umgebung.

Übrigens entdeckten die Archäologen auch eine Murmel, die die Besatzung der Mauer mit anderen Murmeln dazu nutzte, um sich die Zeit zu vertreiben. Die Mauer, die sie entlangliefen, besteht aus mit Mörtel verfülltem Plänerkalkstein.

Eine Woche lang haben die Archäologen ihre Funde dokumentiert, unter anderem 3D-Aufnahmen gemacht. Dass hier gegraben wurde, hängt damit zusammen, dass an der Westernmauer eine neue Kanalisation verlegt werden soll. Für den idealen Verlauf prüft die Stadt an verschiedenen Stellen den Boden. Für Gai steht fest: »Sicher ist aber, dass an dieser Stelle die Mauerreste erhalten bleiben müssen.«

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