Mi., 26.06.2019

Bombenentschärfung in Paderborn: Auch die Frühchenstation wird evakuiert Oskars erste Reise ist unfreiwillig

Auch Marina und Peter Glos’ Söhnchen Oskar steht am Sonntag im Rahmen der Evakuierung ein kurzfristiger Umzug ins Haupthaus des St. Vincenz-Krankenhauses bevor. »Hoffentlich machen alle gut mit, damit es schnell geht«, wünschen sie sich.

Auch Marina und Peter Glos’ Söhnchen Oskar steht am Sonntag im Rahmen der Evakuierung ein kurzfristiger Umzug ins Haupthaus des St. Vincenz-Krankenhauses bevor. »Hoffentlich machen alle gut mit, damit es schnell geht«, wünschen sie sich. Foto: Oliver Schwabe

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Seit Mittwoch wird der kleine Oskar nicht mehr beatmet. Seine Eltern sind erleichtert. Denn der junge Mann kam am 10. Mai mit nur 820 Gramm in der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt und muss am Sonntag seine gewohnte Umgebung in der Kinderklinik St. Louise vorübergehend verlassen. Die gesamte Klinik wird für eine Bombenentschärfung evakuiert.

Wohin während der Evakuierung?

Kinderärztliche Notfälle: Die Notaufnahme an der Kinderklinik St. Louise schließt am Sonntag um 8 Uhr. Eltern, deren Kinder notfallmäßig versorgt werden müssen, wenden sich dann an den Kinderärztlichen Notdienst im Medico (Husener Straße 48). Sollte eine stationäre Aufnahme nötig sein, wird diese von den dortigen Kinderärzten koordiniert.

Geburtshilfe/Entbindungen: Der Kreißsaal in der Geburtshilfe St. Louise schließt am Sonntag um 8 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt sind werdende Eltern bei Problemen in der Schwangerschaft oder zur Entbindung im St.-Josefs-Krankenhaus in Salzkotten (Dr.-Krismann-Str. 12) willkommen. Das Team der St. Louise wird das dortige Team personell verstärken. Auch das evangelische Krankenhaus St.-Johannisstift in Paderborn, das ebenfalls eine Entbindungsstation hat, wird sein Team in der Geburtshilfe Sonntag personell verstärken.

Gynäkologische Notfälle: Die gynäkologische Notfallambulanz an der Frauenklinik St. Louise schließt am Sonntag um 8 Uhr. Patientinnen, die am Sonntag einen gynäkologischen Notfall erleiden, können sich ebenfalls an das St.-Josefs-Krankenhaus in Salzkotten wenden, bis die Versorgung in St. Louise wieder aufgenommen wurde.

»Dadurch, dass er sich hier so gut entwickelt hat, wird er das hoffentlich gut überstehen«, ist Marina Glos optimistisch, was die erste erzwungene Reise ihres Sohnes angeht. Dr. Peter Richter, leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin, teilt ihren Optimismus. »Ich gehe davon aus, dass wir Oskar sogar schon im Maxicosi verlegen können.« Immerhin hat der Kleine seit seiner Geburt fast ein Kilo zugelegt und sich auch aus Sicht der Ärzte sehr erfreulich entwickelt.

»Außerdem haben wir es dieses Mal zum Glück nicht weit und können die Kinder der Frühchenabteilung ins Haupthaus St. Vincenz verlegen«, ist Richter erleichtert, dass die Evakuierung nicht so aufwendig wird, wie am 8. April 2018, als insgesamt 26.000 Menschen betroffen waren. »Außerdem sind die meisten unserer kleinen Patienten so stabil, dass wir nur sechs oder sieben im Inkubator verlegen müssen.« Sie verbringen die Zeit bis zur Entschärfung der Bombe im Aufwachraum des Haupthauses, wo alle nötigen Anschlüsse für eine intensivmedizinische Betreuung vorhanden sind. »Dort werden sie von unseren eigenen Mitarbeitern betreut«, kündigt Richter an.

Marina und Peter Glos sehen diesem ersten großen Abenteuer ihres kleinen Oskar gefasst entgegen. »Wir haben viel Vertrauen in das Team hier und machen uns nicht so große Sorgen«, sagt die 33-Jährige, die seit Oskars Geburt jeden Vormittag bei ihm in der Klinik und den Nachmittag mit dem vierjährigen Mattis zu Hause verbracht hat. »Wir hoffen nur, dass am Sonntag alle mitspielen und den Sperrbereich auch wirklich so schnell wie möglich verlassen, damit die Belastung für die Kinder nicht so groß wird«, appelliert Oskars Vater Peter Glos an die Paderborner.

Das kann Peter Richter aus medizinischer Sicht nur unterstreichen. »Gerade für die Frühgeborenen ist Stress in den ersten Wochen schädlich.« Deshalb werden schon jetzt Frauen, bei denen in einer sehr frühen Schwangerschaftswoche die Wehen oder Komplikationen einsetzen, wenn möglich in andere geeignete Krankenhäuser verlegt. Geschlossen wird die Geburtshilfe der Klinik St. Louise ab Sonntagmorgen 8 Uhr (siehe Infokasten).

Für das Wochenende rechnet der ärztliche Direktor Dr. Lutz Mahlke, der die Evakuierung koordiniert, mit etwa 20 Verlegungen, weil viele Patienten beurlaubt werden könnten. Begonnen wird am Samstag in der Frauenklinik, die Frühgeborenen und die Patienten der Kinderklinik folgen Sonntagmorgen. Frisch gebackene Mütter werden mit ihren Babys in das St. Josefs-Krankenhauses Salzkotten verlegt.

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