Mo., 08.07.2019

Dreier: »Wichtiger Baustein der Stadtentwicklung würde wegbrechen« Bundeswehr prüft eine Nutzung der Barker-Kaserne

Das Areal der Barker-Kaserne wollen die Briten am 7. November freigeben. Entgegen bisheriger Verlautbarungen prüft nun die Bundeswehr doch, ob sie den Standort übernimmt. Damit wären bisherige Pläne der Stadt für ein Quartier der Zukunft zunichte gemacht.

Das Areal der Barker-Kaserne wollen die Briten am 7. November freigeben. Entgegen bisheriger Verlautbarungen prüft nun die Bundeswehr doch, ob sie den Standort übernimmt. Damit wären bisherige Pläne der Stadt für ein Quartier der Zukunft zunichte gemacht.

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Die Bundeswehr hat angekündigt, die Nutzung der Barker-Kaserne für ihre Zwecke zu prüfen. Die Stadt Paderborn hingegen möchte auf dem 54 Hektar großen Gelände, das die britischen Streitkräfte am 7. November freigeben wollen, ein Stadtviertel der Zukunft entwickeln.

Die Planungen dafür sind entsprechend weit fortgeschritten und wären laut Stadtverwaltung zunichte gemacht, falls die Prüfung aus Sicht der Bundeswehr positiv ausfiele. Für Paderborn sei das umso ärgerlicher, da die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) nach Rücksprache mit dem Bundesverteidigungsministerium noch Ende Mai dieses Jahres versichert habe, dass seitens der Bundeswehr kein Anspruch auf die Kaserne erhoben würde. Diese hätte noch vor der Stadt Zugriffsrecht auf die Fläche.

Anlass ist offenbar die »Trendwende Personal«

Am vergangenen Mittwoch erreichte die Verwaltung dann aber über die Bima die »folgenschwere Nachricht«, dass die Bundeswehr derzeit doch die Nutzung der Kaserne an der Driburger Straße prüfe. Anlass ist offenbar die angekündigte »Trendwende Personal«, in deren Zuge bis 2024 12.000 zusätzliche Soldaten eingestellt und untergebracht werden sollen.

Bürgermeister Michael Dreier habe umgehend in einem Schreiben an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen deutlich gemacht, welchen Stellenwert das Kasernengelände für die Stadtentwicklung habe. »Ein wichtiger Baustein der Paderborner Stadtentwicklung würde wegbrechen. Mit dieser Ankündigung steht ein Exzellenzprojekt mit einem Investitionsvolumen in bis zu zweistelliger Millionenhöhe vor dem Scheitern«, schreibt er an die Ministerin. Die zivile Wiederbelebung sei eine wichtige Chance und zentrale Zukunftsaufgabe.

Dreier hatte am Montag die Fraktionsvorsitzenden der im Rat vertretenen Parteien über dieses Thema informiert. Die Bundeswehr habe zudem mitgeteilt, dass bundesweit Liegenschaften des Bundes und der Gaststreitkräfte für eine Nutzung durch die Bundeswehr geprüft würden. »Über den Ausgang dieser Prüfung können wir nicht spekulieren. Es war uns aber wichtig, frühzeitig deutlich zu machen, welche schwerwiegenden Konsequenzen das an diesem Standort für die Stadt hätte«, erläuterte Stadtsprecher Jens Reinhardt auf Anfrage.

Millionenschwere Förderung gerät laut Bürgermeister in Gefahr

Schon am Donnerstag (17 Uhr, Rathaus) sollte der Stadtrat eigentlich ein Leuchturmprojekt für die zukünftige Entwicklung des Areals auf den Weg bringen, den so genannten »Akzelerator OWL«, der als Beschleuniger für innovative Gründungen fungieren soll. Für dieses Pionierprojekt der Hochschule steht unter anderem im Rahmen der Regionale 2022 eine millionenschwere Förderung in Aussicht. Das geplante hochmoderne Gebäude müsste allerdings noch 2022 bezogen werden, was ohnehin ein ehrgeiziger Zeitplan wäre. Universität, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und die Stadt arbeiten laut Bürgermeister Dreier deshalb seit Wochen mit vereinter Kraft daran, dieses Projekt möglich zu machen.

Im Vertrauen auf mehrere Schreiben des Verteidigungsministeriums mit der Bekräftigung, dass keine Absicht der Bundeswehr bestünde, britische Kasernen nachnutzen zu wollen, sei mit der konkreten Planung für den »Akzelerator« begonnen worden. Auch Erweiterungsflächen für den Technologiepark und Wohnungen sind an der Driburger Straße beispielsweise geplant.

Kommentar

Das ist ein herber Rückschlag für die Bemühungen um eine gelungene Nachnutzung von Kasernen. Im Vertrauen auf die Verlautbarungen der Bundeswehr, die noch vor der Stadt auf die Flächen zugreifen dürfte, kein Interesse an Kasernenflächen in Paderborn zu haben, sind die Planungen für das Stadtquartier der Zukunft weit vorangeschritten. Hier sollten die Themen Digitalisierung und integrierte Stadtentwicklung zusammengeführt, ein Vorzeigeprojekt für die Region geschaffen werden. Selbst wenn die Bundeswehr sich am Ende gegen Barker entscheidet, geht wertvolle Zeit und damit viel Geld für die Umsetzung des Leuchtturmprojektes verloren. Da kann Protest gar nicht deutlich genug sein. Maike Stahl

Kommentare

Bundeswehr und Gesellschaft - aber bitte nicht immer....

Am 08. April 2019 erhielt -stellvertretend für die Stadt Paderborn- der Bürgermeister Herr Dreier den Preis Bundeswehr und Gesellschaft für die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Stadt und Bundeswehr.
Nicht einmal 3 Monate später mag dieses schöne Bild Risse bekommen haben.
Durch die Bank sind die Parteien in Paderborn entsetzt, dass man eine britische Kaserne nicht einer anderen Nutzung zuführen kann, wofür diese Gebäude jedoch jahrzehntelang genutzt wurden.
Dass diese Ankündigung nun -ein Grundstück des Bundes für Bundeszwecke zu nutzen- für derartige Verwerfungen führt ist zumindest fragwürdig. Wo ist die Freundschaft und die gute Beziehung zur Bundeswehr hin, dass sich ein Bürgermeister an die Verteidigungsministerin wendet, dass dieses Grundstück nicht weiterhin als Kaserne genutzt werden soll?
Ehrlicherweise muss man auch fragen, ob es nicht genug andere Konversionsflächen gibt, wo die Stadt Paderborn bereits einen effizienten und reibungslosen Übergang von miltärischer Nutzung hin zur zivilen Nutzung exemplarisch dargestellt hat (Alanbrooke Kaserne) und ob durch den Wegfall dieser Option für die Barker Kaserne die Stadt Paderborn in ihrer Stadtentwicklung so sehr beeinträchtigt wird?
Das Aufzeigen der Verwaltung und der politischen Verantwortlichen, dass nun Fördergelder auf der Kippe stünden ist Augenwischerei und führt an der wahren Fragestellung vorbei, die eigentlich mit einem Preis Bundeswehr und Gesellschaft beantwortet sein sollte. Die Frage lautet nämlich, wie viel Nähe wir zu unseren Soldatinnen und Soldaten zulassen (wollen), die Teil unserer Gesellschaft sind und die bereit sind eines der höchsten Güter -das eigene Leben- für den Staat zu geben. Wie exemplarisch für den Rückhalt der Bundeswehr in der Gesellschaft muss es dann sein, wenn man solche Scheingefechte auch in der Lokalpolitik sieht.

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