Mi., 10.07.2019

Bad Lippspringe will Opfern des NS-Terrors ihre Würde zurückgeben – mit Video Stolpern erwünscht!

Trotz des Termins am Nachmittag waren viele Bad Lippspringer dabei, als Gunter Demnig die Stolpersteine verlegte.

Trotz des Termins am Nachmittag waren viele Bad Lippspringer dabei, als Gunter Demnig die Stolpersteine verlegte. Foto: Oliver Schwabe

Von Maike Stahl

Bad Lippspringe  (WB). »Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist«, heißt es im Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. Dafür, dass diejenigen, die in der Zeit der Nationalsozialismus in Bad Lippspringe aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Gesinnung verfolgt wurden, in Erinnerung bleiben, sorgen jetzt 20 Stolpersteine.

Diese hat der Berliner Künstler Gunter Demnig am Mittwoch verlegt. 18 weitere Steine sollen im kommenden Jahr folgen. Begleitet wird die dezentrale Kunstaktion, in deren Rahmen Demnig bereits 73.000 Stolpersteine in 26 Ländern verlegt hat, von einem Arbeitskreis vor Ort . Dieser hatte zunächst zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen, in der die Mitglieder den Opfern des Terrors nicht nur einen Namen, sondern auch ein Gesicht und eine Geschichte gaben.

»Sie wurden unter dem Nazi-Regime drangsaliert, verfolgt und ermordet. Sie wurden zu einer Nummer degradiert. Ihnen wurde ihre Würde genommen. Die wollen wir ihnen heute mit ihren Namen zurückgeben«, sagte Gerda Werth im Namen des Arbeitskreises. Gleichzeitig solle ein Zeichen für die Zukunft gegen Ausgrenzung und Hetze gesetzt werden.

Ludwig Mikus hatte 1988 das Schicksal der Verfolgten aufgearbeitet

»Mögen viele über diese Steine stolpern, nicht fallen, aber sich umschauen, wahrnehmen, und denken: Das soll mir nie wieder passieren«, sagte Bürgermeister Andreas Bee und ermunterte die Mitglieder des Arbeitskreises und den Künstler, weiterhin unbequem zu sein. Damit hätten sie Respekt, Anerkennung und Dank ebenso verdient wie Ludwig Mikus, der schon 1988 begonnen hatte, das Schicksal der in Bad Lippspringe Verfolgten zu erforschen.

Was dabei herauskam, erschütterte die Gäste auch am Mittwoch erneut, als sie unter anderem erfuhren, wie die Brüder Helmut und Werner Lorch in der Pogromnacht in die eiskalte Lippequelle getrieben wurden. Beide flüchteten daraufhin nach Shanghai, die Schwester Lotte nach Bombay. Ihre Mutter Clara wurde ebenso wie deren Schwester Meta Meier im Juli 1942 nach Auschwitz deportiert, wo beide Frauen in den Gaskammern ermordet wurden.

Die fünf Stolpersteine, die an Familie Lorch erinnern, die in der Lange Straße 6 lebte, waren die ersten, die Gunter Demnig am Mittwoch verlegte. »Das können natürlich keine Grabsteine sein«, sagte er. Aber für manche Angehörigen seien die Messingplatten auf den eigens gefertigten Steinen ein wichtiger Schlussstein.

Alle Namen der Opfer und ihre Biografien hat der Arbeitskreis im Internet zusammengestellt .

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