Fr., 12.07.2019

Vorfall auf Libori 2018: Versicherung will kein Schmerzensgeld zahlen Almhütte: Boden gibt nach – Partygäste stürzen

Libori-Gäste feiern 2018 in der Almhütte. Viele von ihnen stehen auf den Bierzeltbänken.

Libori-Gäste feiern 2018 in der Almhütte. Viele von ihnen stehen auf den Bierzeltbänken. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Band

Paderborn (WB). Sie wollten einen fröhlichen Abend auf Libori erleben. Doch beim Feiern in der Almhütte brach 2018 plötzlich eine Bodendiele ein. Drei Feiernde stürzten von der Bierzeltbank, auf der sie standen, und zogen sich schwere Verletzungen zu. Nun verlangen sie Schmerzensgeld von Almhütten-Inhaberin Nina Renoldi. Doch Renoldis Versicherung will nicht zahlen.

Rechtsanwalt Thomas Adloff aus Schloß Neuhaus vertritt drei Mandanten, die 2018 in der Almhütte auf dem Liboriberg verletzt wurden. Das Kuriose: Roze Özmen aus Delbrück (48) und Timo Sebastian Adloff (23) aus Paderborn, Sohn des Anwalts, die gemeinsam auf einer Bank standen, stürzten nach eigenen Angaben am Dienstagabend, 31. Juli, rechts vor der Bühne. Martin Lindner (27) aus Paderborn stürzte am Samstag, 4. August, von einer Bank im mittleren Bereich vor der Bühne. In beiden Fällen war zuvor offenbar eine Diele des Holz­bodens eingebrochen. Die Bänke fielen um, die Partygäste stürzten. Nach Angaben des Anwalts soll es einen Zeugen geben, der angegeben hat, dass bereits 2017 der Boden in dem Festzelt unter der Last einer Bank eingebrochen war.

»Es gab plötzlich einen Ruck, ich bin nach hinten gefallen«

Roze Özmen zog sich nach Angaben ihres Anwalts einen offenen Handgelenksbruch zu. Timo Sebastian Adloff erlitt eine schwere Rippenprellung. Und Martin Lindner, der auf die Metallfüße der Bank knallte, zog sich eine 3,5 Zentimeter tiefe und 10 Zentimeter lange Schnittwunde nah am Anus zu. »Es gab plötzlich einen Ruck, ich bin nach hinten und mit meinem Po auf das Metallgehäuse gefallen«, schildert der 27-jährige Informatiker den Sturz. Lindner, der mit Freunden im Zelt war, räumt ein, Alkohol getrunken zu haben, er sei aber nicht »sturzbetrunken« gewesen. Infolge des Unfalls musste er operiert werden und lag eine Woche im Krankenhaus. Anschließend war er drei Wochen krank geschrieben. »Ich habe immer noch ab und zu schmerzen«, sagt er.

Dieses Foto zeigt eine der eingebrochenen Boden­dielen, sagt Anwalt Adloff.

Anwalt Adloff verweist darauf, dass der Entertainer die Gäste in beiden Fällen aufgefordert habe, sich auf die Bänke zu stellen. Und das, obwohl Hinweisschilder genau das untersagen. »Der Boden besitzt offenkundig nicht die notwendige Traglast, selbst bei nur vier auf den Bänken stehenden Personen, die nicht tanzen oder ähnliches, hält dieser nicht stand«, sagt er. Martin Lindner fragt sich, warum die Bänke in der Almhütte, wie das bei anderen Festen üblich sei, nicht mit breiteren Stützen ausgestattet seien.

Versicherung verweist auf ordnungsgemäß errichtete Einbauten

Anwalt Adloff sieht eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht gegeben. In den beiden ersten Fällen hat die Basler-Versicherung bislang jegliche Forderungen zurückgewiesen. Im dritten Fall läuft noch eine Prüfung. »Die Einbauten und Gebäudebestandteile waren ordnungsgemäß errichtet und von den zuständigen Stellen abgenommen«, schreibt die Versicherung. »Deswegen haben wir eine Verantwortlichkeit abgelehnt«, sagt eine Sprecherin der Versicherung.

Die Stadt Paderborn, die 2018 auch die Almhütte gemeinsam mit Marktmeister, Feuerwehr und Polizei kontrollierte, verweist auf eine ordnungsgemäße Abnahme. »Über die Dauer des Festes ist die Besitzerin für die Sicherheit verantwortlich. Das steht auch so in der Zulassung«, sagt Stadtsprecher Jens Reinhardt.

Anwalt pocht auf Schmerzensgeld und Erstattung der Kosten

Anwalt Adloff, der enttäuscht ist, dass sich die Almhütten-Inhaberin bislang nicht bei ihm gemeldet habe, droht nun mit juristischen Schritten. »Wenn sich nichts tut, werden wir klagen. Wir pochen auf Schmerzensgeld und die Erstattung der Kosten, die meine Mandaten hatten.«

Die Firma Renoldi wollte sich nicht zu den Vorwürfen und der Prüfung durch die Versicherung äußern, solange noch keine endgültigen Entscheidungen vorlägen. Eine Sprecherin: »Wenn ein Verschulden unsererseits vorliegt, dann wird die Versicherung auch dafür aufkommen.«

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