Fr., 12.07.2019

Ob Oberst oder Hauptmann: PBSV-Damen stehen hinter ihren Männern Schmückendes Beiwerk? Starke Frauen!

Frau Oberst stößt mit den Frauen der Hauptmänner an: (von links) Manuela Disselnmeyer, Tatjana Lutter, Juliane Spieker und Nicole Kneer. Untereinander verstehen sich die Damen der wichtigen PBSV-Chefs bestens.

Frau Oberst stößt mit den Frauen der Hauptmänner an: (von links) Manuela Disselnmeyer, Tatjana Lutter, Juliane Spieker und Nicole Kneer. Untereinander verstehen sich die Damen der wichtigen PBSV-Chefs bestens. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau: Wer diese Aussage überprüfen will, kommt am Paderborner-Bürger-Schützenverein (PBSV) nicht vorbei. Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT hat hinter die Kulissen geschaut und sich mit vier Damen getroffen, deren Männer an diesem Schützenfest-Wochenende das Kommando haben.

Etliche Männer in schicken Uniformen, reich behangen mit Orden: Sie sind beim PBSV in vielen exponierten Positionen zu finden. Sie tragen Titel wie Oberst, Oberstleutnant oder Hauptmann und stecken seit Wochen in den Vorbereitungen zum Fest. Frauen sucht man hingegen im PBSV – abgesehen von der jährlich wechselnden Königin, der Hohen Frau Zeremonienmeisterin und den Hofstaatsdamen – vergeblich.

Eine Konstante im Hintergrund sind aber die Damen des mit Männern besetzten Vorstands. Juliane Spieker, Tatjana Lutter, Manuela Disselnmeyer und Nicole Kneer sind sich einig: »Ohne uns würden viele Dinge beim Schützenfest nicht funktionieren.« Das fängt bei den gebügelten Oberhemden an, geht mit Fahrdiensten weiter und mündet darin, dass die Frauen mindestens vier Tage am Stück auf ihre Männer fast gänzlich verzichten.

Immer ist irgendetwas

Doch nicht nur das. »Es ist ja das ganze Jahr über etwas«, berichtet Juliane Spieker. Die Frau von Oberst Thomas Spieker ist im vierten Jahr »Frau Oberst« und war vorher »Frau Hauptmann«. Mit dem Ehrenamt ihres Mannes habe sie ihren bürgerlichen Namen völlig unfreiwillig abgegeben, berichtet sie. An die Anrede, die wohl eine Form der Wertschätzung sein soll, könne sie sich nur schwer gewöhnen. Vor allem dann, wenn sie privat in Paderborn unterwegs sei.

Der arbeitsreiche Job des Oberst ist aus ihrer Sicht nicht mehr oder weniger aufwendig, als der des Hauptmanns. »Trotzdem ist es anders. Das Gute ist aber, dass es immer eine Teamaufgabe ist. Der Oberst ist nie allein unterwegs«, berichtet die 55-Jährige. Wieviel Arbeit damit verbunden sei, sei in den zurückliegenden Wochen deutlich geworden, als Thomas Spieker gesundheitsbedingt ausfiel. »Der Posten ist eben kein Selbstläufer«, sagt sie.

Freundlich sein und immer lächeln

Für Tatjana Lutter, Ehefrau von Kämper-Hauptmann Jürgen Lutter, war die größte Überraschung, dass sie mit dem Amt ihres Mannes offenbar auch eine andere Stellung in der Stadtgesellschaft bekommen habe. »Eine ehemalige Zeremonienmeisterin hat mich damals aufgeklärt, dass ich immer nett und freundlich zu sein habe. Das bin ich aber schon von Berufswegen«, erinnert sich die 51-jährige Flugbegleiterin, die wegen ihres Jobs oftmals nicht vor Ort sein kann. Beim Seniorentreffen ist sie aber immer mit dabei. »Da sind rund 60 Senioren, für die man ein offenes Ohr hat«, erzählt sie.

Das Ehrenamt im PBSV habe erhebliche Auswirkungen auf das Familienleben, berichtet Manuela Disselnmeyer, deren Mann Peter Disselnmeyer Hauptmann der Heide-Kompanie ist. »Als Frau muss man dahinter stehen, wenn der Mann einen solchen Posten übernehmen möchte. Peter hatte schon länger damit geliebäugelt. Unsere Kinder waren schon groß, als er das Amt übernommen hat. Mit kleinen Kindern hätte ich das nicht gemacht«, sagt die 51-Jährige.

Zahl der Einladungen nimmt zu

Wobei der Einfluss des PBSV auf das Familienleben schon bei der Geburt der Tochter deutlich wurde. »Am 13. Juli vor 21 Jahren wurde unsere Tochter auf Schützenfestmontag geboren. Da hatte mein Mann zunächst noch gar nichts mit den Schützen zu tun. Für unsere Tochter liegt aber der Geburtstag sehr unglücklich, denn sie stand in all den Jahren hinten an. Ich kann mich an zahlreiche Kindergeburtstage erinnern, an denen mein Mann nur zur Stippvisite kam und ich mit den Gästen alleine an der Kaffeetafel saß.«

Die Zahl der Termine und Einladungen habe in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, berichtet sie. »Ich begleite meinen Mann nicht immer, aber grundsätzlich tue ich das gerne«, sagt Manuela Disselnmeyer.

Arbeit bis in die Nacht

Für Andreas Kneer, Hauptmann der König­strässer-Kompanie, sei das Amt ohne eigene Sekretärin manchmal zeitlich etwas schwieriger zu managen. »Nach einem normalen Arbeitstag sitzt er zum Teil auch nachts da, um den Schriftverkehr zu erledigen«, berichtet »Frau Hauptmann« Nicole Kneer, die seit vier Jahren mit im Amt ist. »Als ich ihn kennenlernte, war er 1. Leutnant. Ich wusste: Diesen Mann bekomme ich nur mit Schützenverein. Da brauche ich nicht zu diskutieren«, sagt die 47-Jährige.

Erstaunt sind die Damen dennoch manchmal, wenn sich ihre Männer abends zu einer Sitzung verabschieden. »Meist war schon eine am Vorabend«, erzählt Tatjana Lutter. Ob Sitzung der Kompanie, des Bataillons oder des inneren Bataillons: Da verliere man als Frau leicht den Überblick. »Und man weiß ja auch, wie sie wieder zurück kommen«, sagt Tatjana Lutter mit einem Lachen. Wobei: Das mit dem Alkoholkonsum habe in den vergangenen Jahren drastisch nachgelassen. Je höher das Amt und die Verantwortung, desto weniger werde getrunken, bestätigen alle vier.

Hat der Schützenvirus denn eigentlich schon die nachfolgende Generation angesteckt? Klarer Fall im Hause Disselnmeyer: »Feiern tun beide Kinder gerne. Aber weder unser Sohn, noch unsere Tochter sind aktiv.«

Der Sohn trägt erstmals die grüne Joppe

Auch im Haus des Oberst ist das nicht viel anders. Juliane Spieker berichtet: »Unsere beiden Töchter haben keine Ambitionen. Auf die Frage des Vaters, ob sie mal in den Hofstaat möchten, winken sie ab. Aber unser Sohn Julius ist jetzt 18 und trägt in diesem Jahr erstmals die grüne Joppe.«

Die Hauptmanns-Frauen und Juliane Spieker haben im Jahresverlauf verschiedene Pflichttermine: Beim Lichtmessball und beim Zapfenstreich sind sie auf jeden Fall mit dabei. Für die Kommunikation der Damen untereinander gibt es eine Whatsapp-Gruppe, in der Termine und Treffpunkte abgesprochen werden. »Wir verabreden uns, damit wir nicht allein hingehen müssen«, berichtet Tatjana Lutter. Und warum marschieren sie nicht mit? »Im Frauenchor singen ja auch keine Männer«, entgegnet sie schlagfertig.

Keine Einladung zum Schützenfrühstück

Etwas unzufrieden sind die Damen jedoch darüber, dass sie beim berühmt-berüchtigten Schützenfrühstück des PBSV ausgeschlossen sind. Frauen sind nur dann willkommen, wenn sie als Ehrengäste eingeladen sind. Alle anderen bleiben außen vor – leider, wie die Damen feststellen, denn die Stimmung ist bekanntlich bestens. Manche Redebeiträge haben sie schon mal im Vorfeld gehört, denn: Ihre Männer probieren die Wirkung der Ansprachen an ihren »besseren Hälften« aus.

Das Schönste am Schützenfest? Da haben alle Damen ihre eigenen Vorlieben. Für die einen ist es tatsächlich der Festumzug am Sonntag oder die vorherige Schützenmesse, für die anderen sind es das Feuerwerk oder die Nachfeier. Aber in diesem Punkt sind sich dann alle wieder einig: »Ohne die Frauen geht es nicht!« Aber eben nicht als »schmückendes Beiwerk«, wie sie schon mal gern bezeichnet werden, sondern als wichtige Stützen für ihre Männer.

Kommentare

Sogar als Mann imponiert das als antiquiertes Frauenbild

Kommt es nur mir so vor?
- Anrede Frau Oberst?
- man hat nett und freundlich zu sein
- die Hemden zu bügeln
- ist von bestimmten Zeremonien ausgeschlossen

Und dies ist nur ein Teil des Ganzen. Hört sich für mich nicht nach 2019 an.

1 Kommentare

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