Mi., 17.07.2019

Stadt geht bei Wettbewerb »Smart Cities« leer aus Barker-Kaserne: Paderborn entgehen Millionen Fördergelder

54 Hektar ist das Areal der Barker-Kaserne groß. Die Briten wollen die Kaserne am 7. November freigeben.

54 Hektar ist das Areal der Barker-Kaserne groß. Die Briten wollen die Kaserne am 7. November freigeben. Foto: Jörn Hannemann

Von Matthias Band

Paderborn (WB). Die Planungen für das »Stadtviertel der Zukunft« auf dem Gelände der Barker-Kaserne stehen offenbar unter keinem guten Stern. Nachdem bekannt wurde, dass die Bundeswehr prüft, den Standort von den Briten zu übernehmen, ging Paderborn nun auch noch beim Wettbewerb »Smart Cities« leer aus. Der Stadt entgehen dadurch 16 Millionen Euro Fördergelder.

Bei dem Wettbewerb, bei dem der Bund über zehn Jahre in vier Staffeln 50 Modellprojekte mit 750 Millionen Euro fördern will, wurden in der Kategorie Großstädte Solingen, Ulm und Wolfsburg ausgewählt. Das gab Innenminister Horst Seeehofer (CSU) bekannt. Für die erste Staffel standen gut 150 Millionen Euro bereit.

Stadt Paderborn wollte zusätzlich 8,5 Millionen Euro investieren

Die Stadt Paderborn hatte nach eigenen Angaben im Zuge ihrer Bewerbung mit einem Fördervolumen von 16 Millionen Euro gerechnet. Zusätzlich hätte die Stadt das Projekt auf dem 54 Hektar großen Areal an der Driburger Straße mit einem Eigenanteil von etwa 8,5 Millionen Euro gefördert. »Die Bewerbung sah die Entwicklung eines Stadtentwicklungskonzeptes mit digitalem Schwerpunkt vor. Ideen zur integrierten Stadtentwicklung (Integration von Wohnen und Arbeiten, Fragen der sozialen Stadtentwicklung, Bildung, Kultur und Sport sowie neue Formen der Mobilität) sollten – ausgehend von den Potenzialen der Digitalisierung – entwickelt und umgesetzt werden. Das Areal Barker bietet dafür ein räumlich begrenztes Testfeld«, schreibt die Stadt auf Anfrage dieser Zeitung.

Geplant sei zudem gewesen, die Öffentlichkeit einzubinden, die sogenannte digitale Teilhabe, digitale Kompetenzen und lebenslanges Lernen sowie die dauerhafte Funktionsfähigkeit der technischen Infrastruktur zu sichern. Die Stadt Paderborn will sich aber erneut bewerben und setzt auf Geld im Zuge der zweiten Staffel.

Das Projekt »Smart City« ist unabhängig von einem weiteren Leuchtturmprojekt für die künftige Entwicklung des Barker-Areals zu sehen: dem sogenannten Akzelerator OWL, der innovative Gründungen beschleunigen soll. Für dieses Pionierprojekt der Universität Paderborn steht unter anderem im Zuge der Regionale 2022 eine millionenschwere Förderung in Aussicht. Das geplante Gebäude müsste allerdings noch 2022 bezogen werden. Universität, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und die Stadt arbeiten deshalb bereits daran, das Gründerzentrum möglich zu machen. Auch Erweiterungsflächen für den Technologiepark und Wohnungen sind an der Driburger Straße geplant.

Bundeswehr will 12.000 zusätzliche Soldaten einstellen

Wegen der Hiobsbotschaft mit der militärischen Weiternutzung der Barker-Kaserne, die die Briten am 7. November freigeben wollen, steht nun auch dieses Projekt ebenso wie die »Smart City« vor dem Aus. Der Rat der Stadt hatte deswegen, wie berichtet, bereits eine Erklärung auf den Weg gebracht, in der die Bedeutung der zivilen Nutzung der Barker-Kaserne für die Stadtentwicklung hervorgehoben wird. Für eine militärische Nutzung stünden der Bundeswehr die Normandy- und Athlone-Kaserne mit 250 Hektar am Stadtrand in Sennelager zur Verfügung, betont der Stadtrat.

Die Bundeswehr, die noch vor der Stadt Zugriffsrechte auf die Kasernen hat, prüft derzeit im Rahmen der angekündigten »Trendwende Personal, Material, Finanzen«, in deren Zuge bis 2024 12.000 zusätzliche Soldaten eingestellt und untergebracht werden sollen, eine Nachnutzung mehrerer britischer Kasernen. Noch sei offen, welche das sein sollen.

Modellprojekte »Smart Cities«

Die ersten Städte der »Modellprojekte Smart Cities« stehen fest: In der Kategorie »Großstädte« wurden vom Bundesinnenministerium Solingen, Ulm und Wolfsburg ausgewählt, in der Kategorie »Mittlere Städte« waren es Cottbus, Gera und Kaiserslautern. Den Zuschlag in der Kategorie »Kleinstädte und Landgemeinden« erhielten Grevesmühlen, Haßfurt, Süderbrarup und Zwönitz.

Innenminister Horst See­hofer (CSU) erklärte: »In der Stadt trifft die Digitalisierung auf das Leben der Menschen und verändert unseren Alltag – wir kaufen zunehmend in Online-Shops statt in Geschäften, teilen Fahrzeuge und sind mit dem Smartphone ganz anders unterwegs.« Für die daraus resultierenden Chancen und Herausforderungen brauche es zukunftsfähige Konzepte. »Genau hier setzen die Modellprojekte Smart Cities an.«

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6785271?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F