Do., 18.07.2019

Freier mehrfach erpresst – auch ehemaliger Lebensgefährte geht in Haft Prostituierte muss ins Gefängnis

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Von Lukas Brekenkamp

Paderborn (WB). Als das Urteil vor dem Paderborner Landgericht verlesen wurde, vergrub die 28-Jährige ihr Gesicht in ihren zier­lichen Händen. Die Prostituierte aus Paderborn wirkte fassungslos, blickte immer wieder zu Angehörigen ins Publikum. Sie muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis – wegen Erpressung und räuberischer Erpressung in mehreren Fällen. Ein Mitangeklagter erhielt eine zweijährige Gefängnisstrafe.

Rückblick: Die Paderbornerin bot über eine Internet-Seite ihre sexuellen Dienste an. Einer ihrer Kunden war ein 52-Jähriger aus Mühlheim. Der wurde jedoch mehrfach von der Prostituierten und zum Teil ihrem damaligen Lebenspartner erpresst und bedroht – das sieht das Gericht als erwiesen an.

Immer wieder forderte das Duo ihn zu Zahlungen auf. Für offene Rechnungen, wie es in einer Einlassung der mehrfach vorbestraften Prostituierten hieß.

Geld für Sex-Nachrichten, gescheiterte Treffen oder Sonderleistungen

Demnach forderte sie Geld für Sex-Nachrichten, gescheiterte Treffen oder Sonderleistungen. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, drohte sie dem Freier mit einem Araber-Clan oder der Veröffentlichung von Fotos des 52-Jährigen beim Drogenkonsum.

Konkret sollte der Mann der 28-Jährigen in mehreren Fällen zwischen 350 und 2000 Euro zahlen. In einem Fall hat die Prostituierte den 52-Jährigen sogar soweit gebracht, ihrem mitangeklagten Ex-Lebensgefährten (26) seinen BMW zu überlassen.

Auch der vorbestrafte Ex-Partner drohte dem 52-Jährigen massiv mit Gewalt. »Er hatte richtig Schiss«, sagte ein Ermittler am letzten Verhandlungstag aus.

Waren die Forderungen berechtigt?

Etwas anders stellte es die Prostituierte in der Einlassung, die durch ihre Anwälte verlesen wurde, dar: Ihrer Auslegung nach sei die Stimmung bei verschiedenen Treffen locker gewesen – auch bei den Treffen, bei denen Geld gefordert wurde.

Das Verhältnis zu dem Opfer beschrieb sie anfangs als gut, später sei der Kunde jedoch schwierig geworden. Er habe immer mehr Sonderwünsche gefordert – die er jedoch nicht angemessen bezahlte. Zentraler Bestandteil der Verhandlung war also die Frage, ob die Forderungen berechtigt waren.

»Das waren sie nicht«, hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft sah Parallelen in den unterschiedlichen Fällen: »Es ist die gleiche Vorgehensweise, Geld zu verlangen, auf das kein Anspruch bestand.«

Als konkretes Beispiel nannte die Staatsanwaltschaft den Austausch von Sex-Nachrichten, welche die Prostituierte dem 52-Jährigen später in Rechnung stellte – sowie ein per Textnachrichten vereinbartes Treffen, das letztendlich doch scheiterte, für das die 28-Jährige Geld verlangte. »In diesen Kreisen ist bekannt, dass durch das hin- und herschreiben von Nachrichten kein Anspruch auf Geld besteht.«

Höhere Haftstrafe wegen eines weiteren Verfahrens droht

Zwar kein Geld gefordert, aber trotzdem gewissen Nachdruck verliehen, hat die Prostituierte in einem weiteren Fall: Einem ehemaligen Freier hat sie eine Schwangerschaft vorgetäuscht. Zwei unbekannte Mittäter haben den Mann im Laufe des Treffens bedroht. Der Mann konnte jedoch fliehen.

»Wir haben eine erhebliche kriminelle und planvolle Vorgehensweise«, betonte der Staatsanwalt.

Dass sich die Frau unter Tränen entschuldigte, war für das Gericht unerheblich. Für das Duo könnte es nicht nur bei der Haftstrafe in Höhe von zwei Jahren und neun Monaten beziehungsweise zwei Jahren bleiben: Das Gericht hat einen Anklagepunkt abgetrennt, bei dem das Duo einen Freier in einem Hotel festgehalten und 10.000 Euro gefordert haben sollen.

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