Do., 18.07.2019

Gutachten und Obduktionsbericht im Prozess um erstochenen 33-jährigen Delbrücker vorgestellt Totschlag-Prozess: Opfer stand unter Drogen

Ende November ist in Delbrück die Leiche eines 33-jährigen Mannes auf offener Straße gefunden worden.

Ende November ist in Delbrück die Leiche eines 33-jährigen Mannes auf offener Straße gefunden worden. Foto: Jörn Hannemann

Von Timo Gemmeke

Paderborn/Delbrück (WB). Im Prozess um den im November in Delbrück erstochenen 33-jährigen Mann hat ein Gutachter am Mittwoch erstmals genauer die Beziehung zwischen dem mutmaß­lichen Täter und seinem Opfer geschildert. Außerdem steht fest, dass Drogen in dem Fall eine besondere Rolle gespielt haben – was auch die Tat beeinflusst haben könnte.

Angeklagter berichtet von Verhältnis

Gutachter Bernhard Bätz berichtete am Paderborner Landgericht von einem dreistündigen Gespräch, in dem sich der 28-jährige Angeklagte »außergewöhnlich detailliert« geäußert habe. Im Mittelpunkt habe dabei besonders seine Beziehung zum Opfer und der Verlauf der Tatnacht gestanden. Sein Verhältnis zu dem 33-jährigen Delbrücker sei über Jahre »sehr schlecht gewesen«, habe der Angeklagte gegenüber dem Gutachter geschildert.

Mal sei es um Drogengeschäfte gegangen, mal um Frauen – ausgesprochen und vertragen hätten sich beide aber nie. Bei einer Party Ende 2009 ­habe der 33-Jährige dem Angeklagten Amphetamine ins Getränk gemischt, zwei Jahre später habe er ihn »mit mehreren Freunden packen und auf Heroin setzen wollen«. Bätz: »Es scheint, als empfinde der Angeklagte die Welt als einen bedrohlichen Ort.«

Täter und Opfer im Drogenmilieu unterwegs

Immer wieder dreht es sich in den Schilderungen des Gutachters um Drogen. Der Angeklagte habe zugegeben, lange cannabissüchtig zu sein; mit einer Freundin habe er sich häufig »nur getroffen, um Drogen zu nehmen«. Auch das Opfer soll durchgehend im Milieu unterwegs gewesen sein, der Angeklagte habe ihn mal »Scheiß-Junkie« genannt.

In der Tatnacht sei der 28-Jährige ebenfalls berauscht gewesen, erzählte der Gutachter, mehrere Joints habe er den Tag über geraucht. Das habe ihn allerdings eher müde gemacht, »ganz ruhig und eigentlich nicht auf Stress aus«.

Als er kurz vor Mitternacht mit dem Hund spazieren gegangen sei, habe sich ihm auf dem Weg eine vermummte Person entgegengestellt. Die habe ihn dann grundlos festgehalten und beleidigt. Als der Angeklagte versucht habe, sich loszureißen, sei es zu einer Rangelei gekommen, in der sich der Angeklagte mit der Stahlschnalle seiner Hundeleine gewehrt habe. Als der Vermummte ein Messer gezogen habe, sei es dem 28-Jährigen gelungen, den Stich abzuwehren und das Messer mit beiden Händen gegen den Angreifer zu wenden. Dann habe er »einmal, höchstens zweimal zugestochen«.

33-Jähriger zum Tatzeitpunkt auf hoher Dosis Amphetamin

Gerichtsmediziner Bernd Karger aus Münster berichtete von insgesamt sieben Stich- und Schnittwunden sowie diversen Hämatomen durch stumpfe Gewalt am Körper des Toten. Dass der Angeklagte das Messer in Notwehr gegen den Mann gerichtet habe, sei nicht auszuschließen. »Dafür braucht es aber einen immensen Kraftvorteil«, sagte Karger. Außerdem seien so die Wunden an der Hand des Opfers nicht zu erklären – laut Karger wurden an der Hand des Opfers typische Abwehrverletzungen entdeckt.

Bei der Obduktion stellte sich darüber hinaus heraus, dass auch das Opfer erheblich unter Drogeneinfluss stand; er habe »sehr hohe Amphetaminwerte« gehabt. Bei dieser sehr aufputschenden Substanz, sagte Karger, stünden Menschen »extrem unter Strom« – und würden sich wahrscheinlich auch mit aller Kraft gegen Angriffe wehren.

Der nächste Prozesstag ist laut Richter Eric Schülke in etwa drei Wochen geplant. Dann will die Verteidigung unter anderem mehrere Anträge einbringen.

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