Do., 18.07.2019

Ausstellung in der Paderborner Kaiserpfalz erinnert an mittelalterliche Siedlungen Jahrhundertelang vergessen

Martin Kroker, Michael Pavlicic, Sveva Gai, Till Lodemann, Sarah Coesfeld und Dietrich Honervogt (von links).

Martin Kroker, Michael Pavlicic, Sveva Gai, Till Lodemann, Sarah Coesfeld und Dietrich Honervogt (von links). Foto: Jörn Hannemann

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Schon im Mittelalter sorgte man sich um seine Habe. »Die Menschen haben damals ihre Häuser abgeschlossen«, sagte am Donnerstag der Wissenschaftliche Volontär der Paderborner Stadtarchäologie, Till Lodemann. Deshalb sind in der Ausstellung »Lost Places – vergessene Siedlungen im Paderborner Osten« mehrere Schlüssel zu sehen.

Die Ausstellung selbst wird bis zum 1. Dezember im Foyer des Museums in der Kaiserpfalz präsentiert. Sie kostet nichts extra, sondern ist im Eintrittspreis des Museums (4,50 Euro) inbegriffen. Etwa 100 Funde, darunter Keramik, Kämme und Schmuck, zeugen vom Leben vor etwa 1000 Jahren.

Größte Flächengrabung in Paderborn

Archäologen entdeckten diese Spuren auf dem Gelände des heutigen Windparks Benhausen-Süd und vor allem im neuen Wohnviertel »Springbach Höfe«. Dort fand von September 2017 bis November 2018 die größte Flächengrabung in Paderborn statt – und das sogar bei minus 10 Grad, weil die Stadt den Bereich möglichst schnell als Baugebiet freigeben wollte. Auf einem Areal von 13 Hektar wurde eine Siedlung freigelegt, erinnerte sich Stadtarchäologin Sveva Gai. Viel Keramik sei zum Vorschein gekommen.

Pfostenlöcher und Umrisse von Gruben deuteten auf etwa vier Gehöfte hin, die zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert bewohnt waren, dann aber aufgegeben wurden. »Dafür könnte die Anziehungskraft der Stadt Paderborn gesorgt haben«, sagte der Leiter des Museums in der Kaiserpfalz, Martin Kroker, am Donnerstag.

Hellweg war die Verkehrsader des Mittelalters

Krieg, Plünderung, wirtschaftliche Not und Klimaveränderungen bringen Menschen ebenfalls dazu, wegzuziehen. Dafür gebe es bei den beiden einstigen Siedlungen im Paderborner Osten aber keine Hinweise, erläuterte Kroker. Die Siedlung im Bereich »Springbach Höfe« lag am Hellweg, der Autobahn des Mittelalters. »Wir haben eine außergewöhnlich hohe Zahl von Sporen gefunden«, sagte Till Lodemann. Darunter sei auch ein teilweise mit Silber und Gold verziertes Pferdegeschirr. Die Experten vermuten, dass es von einem Durchreisenden oder dem Verwalter der Siedlung stammt. Auch Siedlungsspuren und Werkzeuge aus der Jungsteinzeit vor mehr als 6000 Jahren traten zutage.

Die Siedlung auf dem Gelände des Windparks Benhausen-Süd, die vom 9. bis zum frühen 12. Jahrhundert bestand, war offenbar ein mittelalterliches Gewerbegebiet, wo Eisen verarbeitet wurde.

Honervogt: »Wir haben gleichzeitig viel gewonnen«

Weil sich der Beginn der Bebauung für die »Springbach Höfe« verzögerte, »haben wir eineinhalb Jahre verloren, aber gleichzeitig viel gewonnen«, sagte Paderborns stellvertretender Bürgermeister Dietrich Honervogt. Im Gegensatz zu früher werde Archäologie nicht mehr so sehr als Hindernis gesehen und stattdessen als sinnvoll erachtet: »Es hat sich das Bewusstsein durchgesetzt, dass solche Funde Teil unserer Geschichte sind.« Deshalb sollten sie auch ausgestellt werden.

Der Vizepräsident der Landschaftsversammlung des LWL, Michael Pavlicic, fordert, dass die Stelle für die Stadtarchäologie auf Dauer etabliert wird. »Die Befristung muss raus.« Pavlicic ist sich sicher: »Wir werden in Paderborn weiter große Funde machen.« Bei der Kooperation mit dem LWL bezahlt die Stadt Paderborn die Stelle bisher immer nur befristet.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6788581?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F