Fr., 19.07.2019

Mondlandung nur inszeniert? Kurator der Ausstellung im HNF hält das für absurd »Sowjetunion hörte Funkverkehr ab«

Michael Mikolajczak sitzt im Nachbau des Moon Rovers, mit dem Besucher virtuell über den Mond fahren können.    

Michael Mikolajczak sitzt im Nachbau des Moon Rovers, mit dem Besucher virtuell über den Mond fahren können.    

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Im Foyer des HNF ist das Original einer Karte vom Mond zu sehen. Sie war mit an Bord der Apollo-12-Mission, die am 19. November 1969 auf dem Erdtrabanten landete. Die Karte steht symbolisch für den Aufbruch des Menschen ins All.

Im dritten Obergeschoss können die Besucher gleich zu Beginn zehn Gramm Mondgestein berühren. Es stammt von einem Meteoriten und wurde in der marokkanischen Wüste entdeckt. Die Astronauten der NASA brachten ihrerseits Mondgestein mit zurück nach Hause. Es gibt also genügend Beweise dafür, dass der Mensch nicht nur 1969 auf dem Mond war. Zwölf Astronauten gelangten bisher dorthin.

Angesichts der »Beweislast« hat der Kurator der Ausstellung »Aufbruch ins All«, Michael Mikolajczak, kein Verständnis für die Verschwörungstheorie, wonach 1969 alles nur im Fernsehstudio inszeniert worden sei und dazu gedient habe, einen nationalen Triumph der USA in der Raumfahrt vorzugaukeln. »Unter den acht Milliarden Menschen sind ein paar Unentwegte, die diese Verschwörungstheorie verbreiten«, sagt er.

Technik war lange geheime Verschlusssache

Dafür, dass die Theorie damals aufgekommen ist, hat Mikolajczak eine plausible Erklärung: »In den 40er, 50er und 60er Jahren war Technik hinter Verschluss. Nur das Militär, die Atombehörden und die NASA hatten sie, und über diese Technik wurde nicht öffentlich gesprochen. Weil die Leute nicht wussten, was technisch möglich war, konnte die Meinung entstehen, dass so etwas wie die Mondlandung gar nicht gehen konnte.« Angefangen beim PC sei Technik erst ab den 1970er Jahren privat geworden.

Mit Verschwörungstheorie noch einen draufgesetzt?

Jahrhundertereignisse überforderten einige Menschen, andere wiederum nutzten die große Aufmerksamkeit, um in Form einer Verschwörungstheorie noch einen draufzusetzen, mutmaßt Mikolajczak. Ihren Planeten zu verlassen, sei für die Menschheit über Jahrtausende unvorstellbar gewesen, erinnert er an die Bedeutung der Mondlandung als Zeitenwende. Den Erfolg der Mission können Wissenschaftler vielfach belegen. »Der Funkverkehr der Amerikaner wurde vom größten Gegner, der Sowjetunion, abgehört«, nennt der Kurator der Ausstellung ein Argument. Die Russen hätten zugegeben, dass die Amerikaner auf dem Mond waren.

Die Behauptung, alles sei als Medienshow inszeniert worden, hält er deshalb schon für absurd, weil dann die Regierung oder die NASA bei den etwa 400.000 an den Apollo-Missionen beteiligten Männern und Frauen hätten sicherstellen müssen, dass sie den Mund halten. Dass bei so vielen Beteiligten keiner etwas ausgeplaudert hätte, kann sich Mikolajczak nicht vorstellen. Zudem habe für den Fall, dass die Mission scheitert, ein fertiger Nachruf auf die drei Astronauten in der Schublade gelegen.

Auch das Argument der Verschwörungstheoretiker, in der Schwerelosigkeit habe sich die US-Flagge nicht bewegen dürfen, sei längst entkräftet. »Als die Flagge in den Boden des Mondes gestoßen wurde, gab es einen Widerstand. Die Aluminiumleiste in der Flagge bewegte sich«, erklärt Mikolajczak. Außerdem habe Neil Armstrong mit seinem Anzug die Flagge berührt.

Kurator: »Glaube oft stärker als die Wissenschaft«

Dass auf den Bildern von der Mondlandung keine Sterne zu sehen sind, habe damit zu tun, dass die damaligen Kameras nicht leistungsstark genug waren, um sie zu zeigen. Und dass der Schatten der Astronauten fehlt, könne damit erklärt werden, dass sowohl die Mondoberfläche als auch die Sonne extrem hell seien. »Der Glaube ist oft stärker als die Wissenschaft«, bedauert Mikolajczak, aber für die Macher der Ausstellung sei von vornherein klar gewesen: »Hätten wir gedacht, an der Verschwörungstheorie könnte etwas dran sein, hätten wir als HNF die Ausstellung nie gemacht.« Männer wie Bill Kaysing hält er für Selbstdarsteller. Kaysing hatte in einem 1976 erschienenen Buch behauptet, die NASA sei damals technisch gar nicht in der Lage gewesen, Astronauten zum Mond zu schicken.

Die Mondlandung ist nur ein Bestandteil der Schau im HNF. Es geht um weitere Meilensteine der Raumfahrt und um die Zukunft, in der es um den Mars geht. Der Kurator ordnet die Mondlandung so ein: »Sie war sicher ein Jahrhundertereignis. Aber dass wir mit der ISS dauerhaft einen Außenposten im Weltraum haben, dass sich dort Menschen dauerhaft aufhalten und forschen, das ist eine außerordentliche Leistung.«

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