Sa., 20.07.2019

Unplugged-Band BeJones will nicht den Spaß verlieren und löst sich auf Herzensprojekt soll nicht ausbluten

Hinter diesen unscheinbaren Mauern probt die Band BeJones für ihre Auftritte von Kiel bis zur Mainschleife. Zum Jahresende lösen (von links) Peter Scholle, Ludger Bonato, Manuel Wille und Florian Wille die Band auf.

Hinter diesen unscheinbaren Mauern probt die Band BeJones für ihre Auftritte von Kiel bis zur Mainschleife. Zum Jahresende lösen (von links) Peter Scholle, Ludger Bonato, Manuel Wille und Florian Wille die Band auf. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Paderborn (WB). Wenn BeJones die Bühne betritt, ist klar: Jetzt gibt es handgemachte Unpluggedmusik vom Feinsten. Mit ihren gecoverten Songs aus 40 Jahren Rock und Pop macht die Paderborner Band auf Stadt- und Kneipenfestivals einfach gute Laune. Wer die Herzblut-Musiker noch mal live erleben möchte, muss sich allerdings beeilen: BeJones löst sich Ende des Jahres auf.

Die Ankündigung auf ihrer Facebook-Seite kam überraschend: »Ende des Jahres wird für uns Schluss sein. Bevor es zu einem Job verkommt, hören wir lieber auf.« Was es damit auf sich hat, haben die vier Musiker Peter Scholle (54), Ludger Bonato (55), Manuel Wille (32) und Florian Wille (34) im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt.

Für die Vier ist BeJones eine Herzensangelegenheit. Sie stecken viel von sich selbst in jeden Song. »Einfach nur die Top 40 eins zu eins nachzuspielen, das ist nicht unser Ding«, sagt Florian Wille. Und genau dieses Herzblut für die Musik macht das besondere Flair der Band aus. Und dieses Gefühl möchten sie nicht verlieren: »Wir haben uns in letzter Zeit ein bisschen tot gespielt. Es gab Auftritte, bei denen wir das BeJones-Gefühl nicht mehr so rübergebracht haben wie sonst«, erzählt Peter Scholle.

Auftritte sollen kein Job werden

Nach fast 14 Jahren auf Bühnen in ganz Deutschland habe sich ein bisschen die Routine eingeschlichen. »Wir möchten aber nicht, dass die Auftritte zu einem Job verkommen. Deswegen haben wir uns entschieden, einen sauberen Schnitt zu machen und das Kapitel BeJones zu schließen«, schildert Manuel Wille.

Los ging’s 2006. Damals wollte Autor Peter Scholle eigentlich nur seine Gedichtlesungen mit Live-Musik aufpeppen und holte sich die befreundeten Musiker Ludger Bonato und Manuel Wille dazu. Die drei spielten fortan zwischen den Gedichten Akustiksongs. Scholle: »Das kam so gut an, dass die Leute uns ohne die Lesung buchen wollten, nur als Band.« Die ersten Stücke übten die drei dann im Wohnzimmer ein.

Als Agenturen für Stadtfeste und Kneipenfestivals auf die Band aufmerksam wurden und irgendwann neben Unplugged-Musik auch Rocksongs einstudiert wurden, zogen sie in einen Probenraum um und kreierten Programme für Honky-Tonk-Kneipenfestivals in ganz Deutschland: von Kiel bis Braunschweig, von Norderney bis Volkach an der Mainschleife.

»Wir stehen für handgemachte Musik mit Herz und Seele«

Gespielt werden nur Lieder, die die Bandmitglieder selbst mögen. »Wir legen unsere ganze Leidenschaft in die Songs«, erzählt Peter Scholle. Fast jedes Stück ist dreistimmig mit eigenen musikalischen Interpretationen. Es ist immer eine Sängerin dabei. Viele Jahre war das Jessy Stirnberg.

Genau diese Mischung kommt beim Publikum an. »Wir stehen für handgemachte Musik mit Herz und Seele«, erzählt Ludger Bonato. Das sprach sich sogar bis zur Insel Norderney herum: Ein Hotelier buchte BeJones viele Jahre für Auftritte auch über Silvester und Neujahr. »Das hat jedes Mal unheimlich viel Spaß gemacht. Wir haben dort an sechs verschiedenen Locations gespielt, das war schon toll«, erzählt Manuel Wille.

Das Ambiente der Insel prägte die Band. Bonato: »Wir sind zum Beispiel beim Fünf-Gänge-Menü nur mit Gitarren durch die Reihen gegangen und haben gespielt. Das ist dann wirklich live.« Zum Dank hat die Band dem Hotelier ein eigenes »Norderney-Lied« komponiert. Auch für die Landesgartenschau 2017 sind die Musiker selbst kreativ geworden und haben den offiziellen Eröffnungssong »Bad Lippspringe das bist du« geschrieben. Florian Wille: »Die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war unsere erste Kundin, die eine CD von uns gekauft hat.«

Zweimal in der Justizvollzugsanstalt Detmold aufgetreten

Zweimal sind die gebürtigen Bad Lippspringer auch in der Justizvollzugsanstalt Detmold aufgetreten. In der dortigen Turnhalle waren Tische und Stühle aufgebaut und sie spielten zwei Stunden für die Insassen. »Es war toll, die Begeisterung unter den Häftlingen zu sehen. Anfangs waren einige erst noch skeptisch, aber am Ende war es einfach ein tolles Konzert«, erzählt Manuel Wille. Diese Erfahrung möchte die Band nicht mehr missen.

Bevor BeJones im Dezember aufhört, wollen die Mitglieder die letzten Auftritte noch mal voll auskosten. Nächstes Wochenende spielen sie in Holzminden, Ende August in Dresden und am 29. November am Mallinckrodthof in Borchen. »Eine Woche später geben wir unser Abschiedskonzert in der Kulte in Paderborn«, erzählt Peter Scholle. Am 6. Dezember tauchen sie in der Kulturwerkstatt Paderborn noch einmal ein in den besonderen Spirit von BeJones. Los geht’s um 20 Uhr.

»Erstmal den Kopf freikriegen«

Wie es dann weitergeht? »Das ist völlig offen. Erstmal den Kopf freikriegen«, sagt Manuel Wille. Das sehen die anderen genauso. Peter Scholle will wieder Lesungen mit Musik geben und auf längere Sicht eine Rockband gründen. Aber konkret ist noch nichts.

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