So., 28.07.2019

Erzbischof Hans-Josef Becker schlägt kritische Töne an »Kirche muss sich öffnen«

Tausende Zuschauer haben am Sonntagmorgen die Prozession mit dem Liboriusschrein durch die Innenstadt verfolgt. Die Predigt hielt Erzbischof Hans-Josef Becker.

Tausende Zuschauer haben am Sonntagmorgen die Prozession mit dem Liboriusschrein durch die Innenstadt verfolgt. Die Predigt hielt Erzbischof Hans-Josef Becker. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB/itz). Mahnende Worte hat Erzbischof Hans-Josef Becker am Sonntag im Pontifikalamt anlässlich des Libori-Festes den Zuhörern mit auf den Weg gegeben. Kirche müsse sich auf die Welt einlassen und sich der Zukunft öffnen, sagte das Oberhaupt des Erzbistums Paderborn.

Schon am Samstag ging Erzbischof Becker bei der Eröffnung der Libori-Feierlichkeiten mit Erhebung der Reliquien des Heiligen Liborius auf das diesjährige Leitwort ein. Es lautet: »Im Himmel und auf Erden«. Libori sei ein Fest, so Becker, bei dem sich Himmel und Erde berührten. Die Menschen machten an Libori die Erfahrung, dass das Leben schön sei und alle Menschen zusammen gehören: in Frieden, Musik und Gebet. Der Erzbischof bekam für seine Ansprache im Hohen Dom Beifall.

In seiner Predigt am Sonntag schlug Erzbischof Hans-Josef Becker äußerst kritische Töne an. »Unsere Freude stößt auf Skepsis, Ängste und Zweifel – nicht zuletzt wegen verspielten Vertrauens in unserer Kirche seit dem Libori-Fest vor einem Jahr.« Er warnte jedoch davor, »in das allgemeine Gejammer über die schlechten Zeiten einzustimmen und das, was da ist, pauschal mies zu machen«. Becker erinnerte die Christen an ihre Aufgabe, durch Christus das »Licht der Welt« zu sein. Vielen falle das aber immer schwerer.

Kirche dürfe nicht gesundschrumpfen

»Wir wollen ehrlich miteinander umgehen. Wir wissen, wie es in Wirklichkeit mit der Kirche in unserem Land aussieht, wie sich Enttäuschung und Resignation ausbreiten. Für viele hat das Wort Kirche einen faden Beigeschmack. Wer sieht ›Licht‹, wenn er an den Weg, an den als Synodalen Weg bezeichneten Prozess der Kirche in Deutschland denkt, wie ihn die Bischöfe formuliert haben? Viele sehen eher schwarz«, fasste Becker die Gemütslage vieler Katholiken zusammen.

In dieser Situation müsse sich die Kirche in Deutschland offen der Zukunft stellen, appellierte der Erzbischof. Er warnte davor, angesichts der Skandale der vergangenen Jahre, dass sich die Kirche gesundschrumpfen könne und am Ende alles bleiben könne wie bisher. Vielmehr müsse die Kirche sich auf die Welt einlassen und sich drängenden Fragen öffnen. Kirche sollte da sein, »wo heute Fragen aufbrechen und Entscheidungen anfallen«, betonte Becker. Diese Aufgabe sei nur miteinander zu lösen: synodal und gemeinsam.

Im Anschluss an das Pontifikalamt fand die traditionelle Prozession unter Beteiligung tausender Menschen statt. Der heutige Montag wird den Frauen gewidmet. Das Pontifikalamt beginnt 11 Uhr.

Kommentare

Solange die Kirche sich in jede populistische und gesellschaftspolitische und Angelegenheit einmischt, geht das Schrumpfen weiter. Das ist so sicher wie das "Amen" in der Kirche. Und das ist auch gut so.

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