Mi., 31.07.2019

Schausteller beklagen Personalprobleme und Veränderungen bei Platzvergaben Sorgen trotz brillantem Libori-Auftakt

Die Schausteller haben den Dreh raus: Am Fahrgeschäft »Spin« vor dem Kasseler Tor haben sie mit den CDU-Abgeordneten Carsten Linnemann, Daniel Sieveke und Bernhard Hoppe-Biermeyer über aktuelle Probleme diskutiert.

Die Schausteller haben den Dreh raus: Am Fahrgeschäft »Spin« vor dem Kasseler Tor haben sie mit den CDU-Abgeordneten Carsten Linnemann, Daniel Sieveke und Bernhard Hoppe-Biermeyer über aktuelle Probleme diskutiert. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Die Schausteller haben Sorgen: Wer soll künftig angesichts fehlender Arbeitskräfte die Fahrgeschäfte auf- und abbauen? Wie lässt sich sicherstellen, dass auch künftig bewährte Betriebe den Zuschlag bei Volksfesten bekommen? Und wann wird endlich der Generalverdacht der Schwarzarbeit gegen Schausteller fallen gelassen?

Wenn die Besitzer von Fahrgeschäften und Kirmesbuden auf Politiker treffen, dann wird Klartext gesprochen. So auch am Dienstag beim 28. Schaustellerfrühstück. Zu dem hatten die CDU-Abgeordneten aus Bund und Land, Carsten Linnemann und Daniel Sieveke, eingeladen. Linnemann erinnerte an den Begründer dieser Veranstaltung: Fritz (Picki) Pepper war im September vergangenen Jahres verstorben. Mit seinem Autoscooter und seiner schonungslosen Art, seine Meinung zu sagen, sei er deutschlandweit bekannt gewesen. »Er war ein Urgestein, wie es heute keine mehr gibt«, fasste Linnemann zusammen.

Warnung vor Punktesystem

Albert Ritter, Präsident der Europäischen Schausteller-Union, des Deutschen Schaustellerbundes und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellerverbände in NRW, warnte Bürgermeister Michael Dreier davor, bei der Vergabe der Libori-Standplätze ein Punktesystem einzuführen, wie es bereits in anderen Städten praktiziert werde. Eine Verschiebung der Kriterien könne dazu führen, dass Libori sein beliebtes Gesicht verliere.

Bei der Auswahl der Stände müsse die Maßgabe gelten: bekannt und bewährt vor Attraktivität. Wer als Schausteller in sein Geschäft investiere und Schulden aufbaue, brauche Planungssicherheit bei den Volksfesten. Bürgermeister Michael Dreier versprach, dass die neue Vergabeordnung in Abstimmung mit den Schaustellern erarbeitet werde, um negativen Entwicklungen vorzubeugen.

Kritik an Klimanotstands-Debatte

Heftige Kritik äußerte Ritter an der Klimanotstands-Debatte. »Wenn Politiker beantragen, Volksfeste vor diesem Hintergrund nicht mehr stattfinden zu lassen, kommt das einem Berufsverbot gleich«, schimpfte der wohl mächtigste Schausteller des Landes. Insbesondere Debatten über die Abschaffung von Feuerwerken seien »reiner Aktionismus«. »Wenn man darüber diskutiert, dann braucht man gesicherte Daten«, stellte er fest. Lasershows verbrauchten Unmengen an Energie – nur hierbei werde der Feinstaub eben an anderer Stelle in Kraftwerken verursacht.

Schausteller unternähmen viel, um ihrer Umweltverpflichtung nachzukommen. Pappteller seien längst der Wurst im Brötchen gewichen. Aber große Schnellrestaurant-Ketten dürften immer noch Unmengen an Müll produzieren, ärgerte er sich über die Ungleichbehandlung.

Schausteller unter Generalverdacht

Ungerecht sei auch, dass Schaustellerbetriebe durch den Zoll weitaus schärfer kontrolliert würden als andere Berufsstände, obwohl es kaum Beanstandungen gebe. »Trotzdem kommt der Zoll mit Pistolentasche zum Kinderkarussell und verschreckt die Eltern. Wir werden wie Schwerverbrecher behandelt. Die Papiere eines Zahnarztes werden hingegen beim Steuerberater geprüft. Wir müssen endlich raus aus dem Schwarzarbeiterkatalog«, forderte Ritter und bekam dabei die Unterstützung des Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann.

Hans-Otto Bröckling, Sprecher der Paderborner Schausteller, erinnerte an den großen Erfolg des »Luna-Parks XXL«. So etwas könne man sich häufiger vorstellen. Er kündigte an, das Thema bei den Kollegen und der Stadt ins Gespräch bringen zu wollen.

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