Fr., 02.08.2019

Unternehmer erntet Kritik: »Ein Weltbild, das an die Kolonialzeit erinnert« »Schlicht töricht«: Clemens Tönnies entschuldigt sich für Äußerung über Afrikaner

Clemens Tönnies beim Tag des Handwerks.

Clemens Tönnies beim Tag des Handwerks. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn/Rheda Wiedenbrück (WB/itz/in/dpa). Der Rheda-Wiedenbrücker Unternehmer und Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, Clemens Tönnies (63), hat sich für eine von vielen als rassistisch empfundene Äußerung auf dem Handwerkertag des Paderborner Libori-Festes entschuldigt.

Er bezeichnete seine Aussagen als »schlicht töricht« kündigte an, »das wieder gutzumachen«. Gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Samstagsausgabe) sagte Tönnies: »Ich bin über mich selbst bestürzt, dass mir so etwas passieren konnte. Da hilft kein drum herum reden, da hilft auch keine Verschlimmbesserung, es war schlicht töricht.«

Ihm sei es darum gegangen, »dass wir Europäer uns viel mehr in und für Afrika engagieren müssen, um Afrika richtig nach vorn zu bringen«. Tönnies weiter: »Mein Grundgedanke war, dass wir in Afrika in großem Umfang investieren müssen und damit viel mehr zur Lösung der Klimaprobleme beitragen können als durch Klein-Klein-Maßnahmen in Deutschland. Das habe ich durch meine unbedachten Äußerungen, die ich zutiefst bedaure, leider völlig konterkariert.«

Wörtlich hatte Tönnies als Hauptredner der Veranstaltung zum Thema Klimawandel erklärt: »Wir investieren zwischen 20 und 27 Milliarden Euro, um 0,0016 Prozent Kohlendioxid  bezogen auf den Globus zu verändern. Warum geben wir das Geld nicht unserem Gerd Müller, unserem Entwicklungsminister, und der spendiert jedes Jahr 20 große Kraftwerke nach Afrika? Dann hören die auf, die Bäume zu fällen, hören auf, wenn es dunkel ist – die sind ja dann elektrifiziert – Kinder zu produzieren. Ich bin in Sambia gewesen, da gibt es 14,6 Kinder pro Pärchen. Was machen die, wenn es dunkel ist?«

Zunächst Schweigen

Während der Rede soll nach dem Zitat zunächst Schweigen geherrscht haben – ganz im Gegensatz zum übrigen Verlauf des Vortrags. Kurze Zeit später habe es sogar leisen Applaus gegeben, wird berichtet. Weitaus kritischer waren die Reaktionen anschließend im Internet, die Clemens Tönnies dazu brachten, sich öffentlich zu entschuldigen.

Wörtlich erklärte der Unternehmer am Freitagvormittag: »Ich möchte meine Aussage zum Thema Auswirkungen beim Klimawandel richtigstellen.« Er stehe als Unternehmer für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. »Meine Aussagen zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tun mir leid. Das war in Inhalt und Form unangebracht und falsch.«

Laut Weltbank betrug 2016 die Geburtenrate in Sambia 4,98 Kinder pro Frau.

Entschuldigung auch als Schalke-Präsident

Gleichzeitig äußerte sich Clemens Tönnies zu dem Thema auch auf der Internetseite des FC Schalke 04: »Liebe Schalker, als Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Schalke 04 stehe ich 1.000 prozentig hinter unseren Vereinswerten.« Dazu gehöre der Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung.

»Vor diesem Hintergrund möchte ich mich explizit bei euch, den Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04 für meine Aussage beim Tag des Handwerks entschuldigen. Sie war falsch, unüberlegt und gedankenlos und entsprach in keiner Weise unserem Leitbild. Es tut mir sehr leid.«

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider stellte sich indes hinter Clemens Tönnies. »Ich kenne Clemens Tönnies seit zehn Jahren. Er ist ein Mensch, der zu hundert Prozent die Werte von Schalke 04 vertritt«, sagte Schneider am Freitag am Rande des Trainingslagers des Fußball-Bundesligisten im österreichischen Mittersill. 

Kritik bei Twitter

Bei Twitter sorgten die Äußerungen über »die Afrikaner« für heftige Reaktionen. Der in Bielefelder Cartoonist und Zeichner Ralph Ruthe nannte die Äußerung »rassistische Kackscheiße«.  

Auch Ex-Fußballprofi Hans Sarpei kritisierte Tönnies. »Die Aussagen von Tönnies zeigen ein Weltbild, das an die Kolonialzeit erinnert«, twitterte Sarpei zu seinen fast 500.000 Followern: »Es sind rassistische Bemerkungen, die in keinster Weise mit dem Leitbild des
S04 vereinbar sind. Als Mitglied wünsche ich mir, dass der Ehrenrat klar Position bezieht und über Konsequenzen berät.«Der frühere ghanaische Nationalspieler Sarpei hatte nach Stationen unter anderem in Duisburg, Wolfsburg und Leverkusen von 2010 bis 2012 für den FC Schalke 04 in der Bundesliga gespielt. 

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Kommentare

Im Kern hat Er Recht

Im Kern hat herr Tönnies aber absolut recht. Es ist Fakt dass Afrikas explosionsartiges Bevölkerungswachstum und die damit einhergehende Überbevölkerung der Kern des Problems ist. Wenn man sich die Zahlen, die FAKTEN, die Statistik der Bevölkerungsentwickelung der letzten 30 Jahre in SÄMTLICHEN afrikanischen Staaten mal anschaut kommt man da nicht drumherum. Diese Zahlen korellieren auch mit der "Armutsentwickelung" in Afrika, mit dem Hunger und der Migrationsflut nach Europa.

Aber Fakten darf man heute ja nicht mehr aussprechen, "die Wahrheit ist rassistisch", genau wie bei Trump und Baltimore. Dieses Jahrhundert wird in die Geschichte eingehen als das "Orwellianische Jahrhundert", das "Jahrhundert von 1984".

Tönnies

Wenn Tatsachen und Hilfsangebote für Afrika schon als Rassismus ausgelegt werden, sollte man sich um diesen Kontinent keine Sorgen mehr machen. Es ist doch unbestreitbar, dass sich die Bevölkerung Afrikas alle dreißig Jahre verdoppelt. Die Erde wird diesen Zuwachs in den nächsten dreißig Jahren nicht mehr ertragen können.

2 Kommentare

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