Mit Benteler und Bosch kündigen weitere Zulieferer Personalabbau an
Die Autokrise zieht Kreise

Paderborn (WB). Der Umbruch in der Autoindustrie führt bei immer mehr Zulieferern zu Stellenstreichungen. Am Dienstag erklärte der Benteler-Konzern mit Hauptstandort Paderborn auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage, die Personalkosten senken zu wollen. Auch Branchenriese Bosch kündigte einen spürbaren Personalabbau an.

Mittwoch, 07.08.2019, 06:15 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 07:42 Uhr
Der Benteler-Konzern beschäftigt in der Autosparte mit Hauptstandort Paderborn weltweit 26.000 Mitarbeiter in 70 Werken. Angesichts der Branchenlage soll nun Personal abgebaut werden. Foto: dpa
Der Benteler-Konzern beschäftigt in der Autosparte mit Hauptstandort Paderborn weltweit 26.000 Mitarbeiter in 70 Werken. Angesichts der Branchenlage soll nun Personal abgebaut werden. Foto: dpa

Die Folgen des Diesel-Abgasskandals, der Umstieg auf Elektromobilität und Auswirkungen der Handelskonflikte vor allem im Wachstumsmarkt China hinterlassen bei den Autobauern inzwischen sichtbare Spuren. »Die gesamte Automobilindustrie verzeichnet in den vergangenen Monaten Volumenrückgänge. Diese Entwicklung betrifft auch unsere Division Automotive«, erklärt Benteler-Pressesprecherin Birgit Held. Angesichts der Entwicklung hat der Konzern seine Strategie angepasst. Die Konzentration gilt künftig stärker  dem Kerngeschäft . Und Gewinn geht vor Umsatz um jeden Preis. »Wir legen unseren Fokus auf ausgewogenes Wachstum und erhöhte Profitabilität«, erklärte Konzernchef Ralf Göttel im März.

26.000 Mitarbeiter weltweit, 7000 in OWL

»Ziel ist es, unsere Kosten zu senken, um ausreichend finanzielle Mittel für Investitionen in Zukunftsthemen zur Verfügung zu haben«, sagt Held. »Dazu gehört auch, unsere Personalkosten zu senken. Unser Ziel ist, mögliche Veränderungen sozialverträglich zu gestalten. Das heißt zum Beispiel Altersteilzeit, flexible Arbeitszeiten, natürliche Fluktuation.« Die Anzahl der betroffenen Stellen und Mitarbeiter »hängt von der weiteren Entwicklung des Marktes ab und lässt sich derzeit nicht vorhersagen«. Benteler zählt im Automobilbereich weltweit 26.000 Mitarbeiter. Auch die meisten der 7000 Beschäftigten des Konzerns in OWL sind der Sparte zugeordnet.

Den Umfang der Stellenstreichungen  beim weltgrößten Autozulieferer Bosch mit 410.000 Mitarbeitern bezifferte auch dessen Chef Volkmar Denner gestern nicht. Vor allem die sinkende Nachfrage nach Dieselfahrzeugen werde aber zu einem spürbaren Personalabbau führen. Denner: »Wenn wir bei einem Dieseleinspritzsystem zehn Mitarbeiter beschäftigen, sind es bei einem Benzinsystem drei und bei einem Elektrofahrzeug nur noch einer.« Der Diesel bleibe wichtig.

Automarkt entwickelt sich sehr schwach

Der Automarkt entwickele sich derzeit aber sehr schwach, »deutlich schwächer, als wir alle noch vor einem Jahr gedacht haben«, sagte Denner. Es handele sich nicht um eine kurzfristige Delle, die schnell wieder aufgeholt werden könne. »Wir gehen in unserer Planung davon aus, dass die Automobilproduktion in den kommenden Jahren stagnieren wird, anders als in der Vergangenheit, als es fast immer aufwärts ging.«

Zuvor hatte die Schaeffler -Gruppe Stellenstreichungen angekündigt –  unter anderem im Werk in Steinhagen stehen 200 von 420 Jobs auf der Kippe. Kurzarbeit und Werksferien sollen weitere Entlassungen vermeiden.  Im Bielefelder Gestamp-Werk mit 1400 Mitarbeitern droht Kurzarbeit. Der Scheinwerferhersteller Hella will im Lippstädter Stammwerk 200 von 1100 Stellen streichen. Der ZF-Konzern mit Standorten in OWL erwartet einen Umsatzrückgang in Milliardenhöhe.  Der Reifendrahthersteller Gustav Wolf kündigte am Dienstag den Abbau von 24 seiner 200 Stellen in Gütersloh an.

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