Mi., 07.08.2019

Langzeitarbeitslose in Paderborn bilden sich zu sozialpflegerischen Assistenten fort Betreuung für die Seele

Mohammed Al Sadoon (links), Nicole Fingerhut und Irina Fröhlich (von rechts) haben sich erfolgreich zum sozialpflegerischen Assistenten fortgebildet. Friedhelm Johannhörster und Stefanie Müller sind stolz auf ihre Absolventen.

Mohammed Al Sadoon (links), Nicole Fingerhut und Irina Fröhlich (von rechts) haben sich erfolgreich zum sozialpflegerischen Assistenten fortgebildet. Friedhelm Johannhörster und Stefanie Müller sind stolz auf ihre Absolventen. Foto: Maike Stahl

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Mohamed Al Sadoon war im Irak Lehrer für Mathematik und Physik. Nachdem er vor dem Krieg in seiner Heimat geflüchtet ist, will der 51-Jährige in Deutschland als sozialpflegerischer Assistent beruflich Fuß fassen. Eine entsprechende Weiterbildung hat er beim Institut für Marktwirtschaft (Ima) gerade erfolgreich abgeschlossen.

»Ich habe zwischendurch richtig gekämpft mit der Sprache und war nahe dran aufzugeben, aber das haben die anderen Kursteilnehmer nicht erlaubt«, erzählt er. »Zum Glück!« Denn er habe während des neunmonatigen Projekts mit täglich fünf Unterrichts- beziehungsweise Praktikumsstunden nicht nur viel gelernt, sondern auch eine wichtige Erkenntnis gewonnen. »In diesem Bereich zu arbeiten gefällt mir sehr gut. Ich kann mir gut vorstellen, eine Ausbildung zum Pfleger noch dranzuhängen«, erzählt er.

Auch Irina Fröhlich hat durch das Projekt neue Talente bei sich entdeckt. »Mir ist bei der Arbeit mit dementen Menschen erst klar geworden, wie viel Empathie und Geduld ich habe«, berichtet sie. Die 44-Jährige hat ihr Praktikum im Schrieweshof absolviert. Dort hat sie schnell gemerkt, warum sozialpflegerische Assistenten in Einrichtungen eine wertvolle Ergänzung sein können. »Viele Senioren können sich noch selbst anziehen, brauchen aber Anleitung und viel Zeit, die die Pflegekräfte oft nicht haben. Wir haben mehr Zeit für Herz und Seele.«

20.000 neue Betreuungskräfte benötigt

»Seit dem Pflegestärkungsgesetz haben nicht nur demente Heimbewohner, sondern alle pflegebedürftigen Heimbewohner einen Anspruch auf zusätzliche Betreuung, die über die Pflegekassen abgerechnet wird«, weiß Ima-Geschäftsführer Friedhelm Johannhörster. »Daraus resultiert ein zusätzlicher Bedarf von 20.000 neuen Betreuungskräften nach Paragraf 53c.« Das bedeute, dass der Arbeitsplatz zukunftssicher sei.

Aufgabe der zusätzlichen Betreuungskräfte ist es laut Gesetz, die Pflegebedürftigen zu Alltagsaktivitäten zu motivieren und sie dabei zu betreuen und zu begleiten. »Man gibt viel, aber man kriegt auch viel zurück. Ich hätte dieses Berufsfeld eher für mich entdecken sollen«, sagt Nicole Fingerhut. Die 45-Jährige ist gelernte Friseurin, hat aber schon verschiedene andere Tätigkeiten übernommen und war zuletzt arbeitslos.

»Auf den sozialpflegerischen Assistenten bin ich über meinen Bruder aufmerksam geworden«, erzählt sie. Sie hat im Praktikum mit behinderten Menschen gearbeitet und würde sich am liebsten zur Heilerziehungspädagogin fortbilden. »Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich das als alleinerziehende Mutter schaffe, weil ich gemerkt habe, dass man mehr Zeit fürs Lernen braucht.«

Fünf Absolventen bereits vermittelt

In dem Ima-Projekt »Sozialpflegerischer Assistent« sind solche Schwierigkeiten berücksichtigt. »Das betrifft nicht nur die tägliche Präsenzzeit, sondern auch die Ferien, die so gelegt sind, dass eine etwaige Kinderbetreuung während der Schulferien gesichert ist«, erläutert Johannhörster. Außerdem würden die Schüler durch einen Sozialpädagogen betreut, der individuelle Unterstützung im Alltag gibt. Im gerade beendeten Projekt mit zehn Absolventen, von denen fünf bereits in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden konnten, war das Tutorin Stefanie Müller.

»Viele müssen ihren Alltag ganz neu organisieren. Dabei brauchen sie Unterstützung«, weiß sie. Schließlich müssten die Teilnehmer auch dabei unterstützt werden, sich von Schwierigkeiten nicht unterkriegen zu lassen. »Eigentlich ist jedem klar, dass einem das Lernen nicht mehr so leicht fällt wie mit 15 oder 20 Jahren. Aber wenn das Loch da ist, braucht man Hilfe.« So wie Mohammed Al Sadoon. »Die Unterstützung, die ich hier bekommen habe, auch von den anderen Teilnehmern, war toll«, sagt er.

Das Projekt wird im Oktober 2019 erneut aufgelegt. Interessierte können sich direkt beim IMA melden (Telefon: 05251/12360 oder per E-Mail: Paderborn@ima-wissen.de).

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