Sa., 10.08.2019

Helferkreis Wewer kritisiert Bürgermeister Vorwurf: »Rassismus geduldet«

Kurz vor der Eröffnung des »Tags des Handwerks« entstand dieses Foto mit Peter Gödde, Clemens Tönnies, Michael Dreier, Mickel Biere und Erzbischof Hans-Josef Becker.

Kurz vor der Eröffnung des »Tags des Handwerks« entstand dieses Foto mit Peter Gödde, Clemens Tönnies, Michael Dreier, Mickel Biere und Erzbischof Hans-Josef Becker. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB/itz). Die als rassistisch kritisierten Äußerungen von Fleischfabrikant Clemens Tönnies rufen weitere Reaktionen hervor. Der ehrenamtliche Helferkreis Wewer hat einen offenen Brief an den Bürgermeister geschrieben. Michael Dreier wird vorgeworfen, dass er nicht dezidiert genug das Verhalten der Festgesellschaft kritisiert hat.

»Wir engagieren uns seit Jahren ehrenamtlich im Helferkreis Wewer für Flüchtlinge. Da gibt es keinen Platz für Rassismus, und wir erwarten daher vom öffentlichen und politischen Paderborn klare Stellungnahmen, dass Rassismus und dessen stillschweigende Duldung in Paderborn keine Option ist«, heißt es in dem von Dr. Udo Dierk sowie von acht weiteren Ehrenamtlichen unterzeichneten Brief.

Vom Bürgermeister werde erwartet, dass er öffentlich, klar und unmissverständlich nicht nur zu den Äußerungen des Festredners Stellung bezieht. Wie Weweraner kritisieren außerdem, die »völlig unangemessene bzw. ausgebliebene Reaktion« des Publikums beim »Tag des Handwerks«. Die Ehrenamtlichen betonen: »Die Äußerungen von Herrn Tönnies diskreditieren ihn als Person, die Reaktion der Gäste der Kreishandwerkerschaft fällt negativ auf ganz Paderborn zurück.«

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Ich als Bürgermeister und ebenfalls Gast dieser Veranstaltung werde nicht über 1600 Festgäste und deren Reaktion auf die Entgleisung richten.

Michael Dreier

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Zu den Vorwürfen hat nun Bürgermeister Michael Dreier Stellung bezogen. Darin heißt es: »Die Entgleisung von Clemens Tönnies zu den Auswirkungen des Klimawandels und seinen damit verbundenen Schlussfolgerungen zur Geburtenrate in Afrika ist nicht zu akzeptieren und darf nicht toleriert werden. Ein solch unbedachtes Reden ist hier in Paderborn deplatziert und findet keinerlei Akzeptanz. Das habe ich in den letzten Tagen mehrfach sehr deutlich gemacht und dazu stehe ich. In unserer Gesellschaft muss es aber auch möglich sein, sich für eine solche Entgleisung zu entschuldigen und mit dem künftigen Denken und Handeln unter Beweis zu stellen, wie ernst es einem mit einer solchen Entschuldigung ist. Daran wird sich Clemens Tönnies messen lassen müssen. In diesem Zusammenhang ist es mir auch wichtig darauf hinzuweisen, dass ich als Bürgermeister und ebenfalls Gast dieser Veranstaltung nicht über 1600 Festgäste und deren Reaktion auf die Entgleisung richten werde. Das steht mir nicht zu. Paderborn ist eine weltoffene Stadt, in der Integration und ein friedliches Miteinander großgeschrieben werden. Das haben wir insbesondere in der außergewöhnlichen Situation der Flüchtlingskrise mit der gesamten Stadtgesellschaft bewiesen.«

In Paderborn sei das Zusammenleben von 130 Nationen von Normalität und gegenseitiger Achtung geprägt. »Die Stadt hat sich seit langem die Integration von Menschen mit Flüchtlings- oder Migrationshintergrund als ein wichtiges Leitziel auf die Fahnen geschrieben«, betont Dreier.

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