Mo., 02.09.2019

Joan Sofron wollte sie nicht auf eigene Kosten entfernen lassen Finke-Fassade ist Geschichte

Vor seinem Haus zeigt Joan Sofron das Buch, das die Entstehung seiner Fassade am Finke-Möbelhaus dokumentiert. Die Arbeit war sein Herzensprojekt.

Vor seinem Haus zeigt Joan Sofron das Buch, das die Entstehung seiner Fassade am Finke-Möbelhaus dokumentiert. Die Arbeit war sein Herzensprojekt. Foto: Oliver Schwabe

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Der Künstler Joan Sofron hat darauf verzichtet, Teile der Fassadengestaltung des ehemaligen Finke-Möbelhauses zu erhalten oder zu verkaufen.

»Mein Freund Wilfried ist gestorben und das Werk jetzt auch«, sagte Sofron am Montag dieser Zeitung. Mit dieser Feststellung will er den Gerüchten in der Stadt ein Ende setzen. »Ich habe keine Ruhe, jeder fragt mich, was mit der Fassade ist«, betonte der 54-Jährige.

Möbelhaus ist heute ein Trümmerfeld

Wilfried Finke hatte, wie mehrfach berichtet, sein Unternehmen an die Kurt-Krieger-Gruppe verkauft, die mit der Marke Möbel Höffner stark auf dem deutschen Markt vertreten ist und expandiert. Finke war im Januar mit 67 Jahren gestorben, sein Möbelhaus ist nur noch ein Trümmerfeld. Er habe Kurt Krieger gebeten, ihm die Fassade zur Verfügung zu stellen und nicht abzureißen, erzählte Sofron am Montag. Krieger habe ihm daraufhin mitgeteilt, er dürfe alles dokumentieren und die Fassade auf seine Kosten entfernen. Allerdings dürften die Abrissarbeiten dadurch nicht behindert und verzögert werden. Wegen des hohen finanziellen und logistischen Aufwandes hat Sofron auf diese Möglichkeit verzichtet. Böse ist er auf den neuen Chef nach eigenen Worten nicht: »Er hat sich sehr fair verhalten.«

Sofron meidet die Baustelle

Leicht gefallen sei ihm der Abschied von seiner Fassade, die dem Möbelhaus ein Alleinstellungsmerkmal verlieh, aber nicht: »Wenn ein Kunstwerk stirbt, stirbt auch ein Stück des Künstlers.« Um die Baustelle macht Sofron einen Bogen: »Ich bin bis heute nicht hingegangen, das tue ich mir nicht an.« Für Teile der Fassade habe es im Paderborner Raum Interessenten gegeben, erläuterte der in Rumänien geborene Künstler, der sechs Monate im Jahr auf Mallorca lebt, aber Paderborn seine Heimat nennt. Auch Kunst sei vergänglich, aber die Entwürfe und die Erinnerung an die Zeit, in der die Fassade entstand, könne ihm niemand mehr nehmen, sagte Sofron.

Gut 15 Jahre lang ein Hingucker

Gut 15 Jahre lang empfing die Haut mit farbig bedruckten Fassadenteilen die Kunden des Möbelhauses am Stadion. Wilfried Finke, der dafür 200.000 Euro ausgab, betonte im Dezember 2003: »Ich bin ganz sicher, dass die Außengestaltung unseres Einrichtungshauses ein wesentlicher Bestandteil des Erfolges sein wird. Ebenso bin ich sicher, dass unser gemeinsames Projekt beispielhaft sein wird für die zukünftige Errichtung von Handelshäusern.« Sofrons Entwurf sei seiner Zeit voraus, habe ihn fasziniert und nicht mehr losgelassen. In der Fassade verarbeitete Sofron neben Drei­ecken Kreise, die an Planeten erinnern. Der Künstler: »Der Kreis ist das Symbol der absoluten Symmetrie und Perfektion.«

Wenn etwas vom Alten im neuen Möbelhaus weiterleben würde, dann würde das Sofron freuen. Er kann sich vorstellen, dass als Reminiszenz an das Finke-Möbelhaus ein paar Teile im Nachfolgergebäude ausgestellt werden. Darüber wolle er mit Kurt Krieger sprechen, kündigte Sofron an. »Das in Paderborn war etwas Einmaliges, unter dem Tod von Wilfried habe ich sehr gelitten.«

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