Sa., 07.09.2019

Bundesfest: 95 Majestäten treten im Wettkampf an Mit Adrenalin zum Bundeskönig

Eine ruhige Hand und die richtige Portion Glück: Nicht mehr, aber auch nicht weniger braucht es auf dem Weg zum Bundes- oder Diözesankönig.

Eine ruhige Hand und die richtige Portion Glück: Nicht mehr, aber auch nicht weniger braucht es auf dem Weg zum Bundes- oder Diözesankönig. Foto: Jörn Hannemann

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Höchste Anspannung herrscht seit Samstag, 9 Uhr, auf dem Schießstand in Paderborn-Elsen. Hier findet anlässlich des 77. Bundesfestes des Bundes der Hitstorischen Deutschen Schützenbruderschaften das Bundeskönigsschießen statt. 95 Majestäten treten an – aber nur einer kann es werden. Erst um 17 Uhr wird bei der Proklamation am Brunnentheater von Schloß Neuhaus der Name des neuen Bundeskönigs bekannt gegeben.

Unter der grünen Joppe und der grünen Mütze rinnt der Schweiß. Ingo Taphorn, Schützen-, Bezirks- und Landesbezirkskönig aus Kellerhöhe bei Cloppenburg, legt sein hochmodernes Gewehr an. Nur drei Schüsse hat er, um zu beweisen, dass er der König der Könige im Bund ist. »Ich habe zwar keine Wettkampferfahrung, habe aber in den vergangenen Wochen viel geübt. Das allein wird aber nicht reichen. Es braucht auch eine große Portion Glück dazu«, stellt der Mann aus dem hohen Norden fest. Seine Schützen haben ihm geraten: »Nerven behalten und cool bleiben.« Ob es geklappt hat, wird sich noch zeigen.

Bundesschießmeister Hans-Dirk Coppeneur kennt das Flattern der Nerven der zahlreichen Könige nur zu gut. Jahr für Jahr spielen sich beim Bundesfest kleine Dramen ab, wenn Majestäten den Sieg und damit die Bundeskönigswürde zu sehr wollen. »Der beste Tipp ist: Man darf es nicht wollen, man muss es einfach werden.« Wer zu verkrampft und mit zu hohem Druck an die Sache herangehe, der könne schnell scheitern. »Da kann man noch so ein guter Sportschütze sein«, stellt Coppeneuer fest.

Beste Voraussetzungen

Die technischen Voraussetzungen am Schießstand Elsen seien hervorragend, berichtet der Bundesschießmeister. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Bundesfeste wird auf eine elektronische Schusserfassung gesetzt. Die Pappscheiben sind damit Geschichte. Stattdessen messen Sensoren die Schussbahn der Kugel aus und stellen diese anschließend gestochen scharf in einer Grafik da, die anschließend ausgedruckt wird. »Das ist Hightech«, ist Hans-Dirk Coppeneur begeistert.

Geschossen wird mit Kleinkaliber-Gewehren, Kaliber 22. Die Position heißt »angestrichen«: Die freie Hand umfasst eine Stange, das Gewehr wird auf der Handwurzel abgelegt. »Diese Haltung kommt traditionell aus dem Jagdbereich und ist leicht verkrampft«, erklärt der Schießmeister.

In den ersten fünf Minuten haben die Schützen die Möglichkeit, so viele Schüsse abzugeben, wie sie wollen. Danach folgen weitere fünf Minuten, in denen dann die drei Wertungsschüsse abgegeben werden. Das Besondere: Keiner der Schützen sieht sein Ergebnis. Das bleibt, bis nach der abschließenden Auswertung, strengstens Geheim. Die Urkunden werden in einem extra angefertigten Metallkoffer verschlossen, der dann zur Proklamation vom Bundesschießmeister vorgefahren wird. Auf dem Brunnentheater im Schlosspark von Schloß Neuhaus werden dann die sechs neuen Diözesankönige sowie der Gesamtsieger – der neue Bundeskönig – präsentiert.

16 Frauen treten gegen 79 Männer an

Unter den 95 Teilnehmern des Wettkampfs befinden sich 16 Frauen. Die Chancen stehen somit nicht schlecht, dass zum ersten Mal in der Geschichte des Bundes eine Königin die Regentschaft übernimmt.

Auftakt zum Bundesfest war am Freitagabend der Große Zapfenstreich.

Im Ansschluss ging es mit der Party im Festzelt weiter. Die Emsperlen und vor allem die Formation Voxxclub brachten die Stimmung auf den Siedepunkt.

An diesem Samstag geht das Programm wie folgt weiter: 16 Uhr Fahnenschwenken am Brunnentheater, 17 Uhr Proklamation am Brunnentheater, 18 Uhr Empfang der Stadt Paderborn im Spiegelsaal des Schlosses, 20 Uhr Festball im Festzelt.

An diesem Sonntag sieht das Programm wie folgt aus: 10 Uhr Festhochamt, 11.45 bis 15.30 Uhr Festumzug vom Sportplatz Merschweg bis zum Schlosspark, 16 Uhr Kölsche Schnüss Band im Festzelt.

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