Mi., 11.09.2019

Architekt Martin Behet spricht über das Projekt Stadtverwaltung Paderborn »Planung war ein echt dickes Brett«

Bei einem Espresso auf dem Marienplatz in Paderborn spricht Architekt Martin Behet über die Chancen, die die Bürgerbeteiligung zum Neubau der Stadtverwaltung bieten wird. »Wir werden aber nicht alle Wünsche erfüllen können«, stellt er klar.

Bei einem Espresso auf dem Marienplatz in Paderborn spricht Architekt Martin Behet über die Chancen, die die Bürgerbeteiligung zum Neubau der Stadtverwaltung bieten wird. »Wir werden aber nicht alle Wünsche erfüllen können«, stellt er klar. Foto: Ingo Schmitz

Paderborn (WB). In wenigen Wochen geht es los: Die Stadt Paderborn wird die Bürgerbeteiligung zum Neubau der Stadtverwaltung durchführen. Der für den Entwurf verantwortliche Architekt Martin Behet hat sich im Gespräch mit WV-Redakteur Ingo Schmitz zur Entstehungsgeschichte des Entwurfs, der Kritik und den Chancen geäußert, die die Bürgerbeteiligung mit sich bringen wird.

Herr Behet, der Entwurf Ihres Büros zum Neubau der Paderborner Stadtverwaltung hat Lob, aber auch viel Kritik bekommen. Wie stehen Sie dazu und wie gehen Sie damit um?

Martin Behet: Zunächst einmal finde ich es gut, dass wir jetzt mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Uns wird es darum gehen, der interessierten Öffentlichkeit das Projekt zu erläutern, Argumente und Ideen zu sammeln und auszuwerten. Bei dem ersten großen Projekt unseres Büros, die Neu- und Umgestaltung des Campus am Augustusplatz der Uni Leipzig, hat es ebenfalls eine Diskussion mit der Öffentlichkeit gegeben. Hier haben wir zum ersten Mal die Erfahrung einer sehr kontroversen Debatte gemacht. Am Ende ist das Projekt besser geworden als vorher. Daher wissen wir damit umzugehen. Trotzdem hat Paderborn für mich eine andere Bedeutung. Hier bin ich aufgewachsen, ich fühle mich als Paderborner. Das ist schon ein tolles Projekt und ich will später durch die Stadt gehen und für mich feststellen können, dass unser Plan aufgegangen ist und alles funktioniert, wie wir uns das gedacht haben.

 

Haben Sie im Vorfeld damit gerechnet, dass Ihr Entwurf so negativ gesehen wird?

Behet: Zunächst einmal muss man festhalten, dass wir auch sehr viel Bestätigung und positiven Zuspruch bekommen haben. Dass auch Kritik kommt, zum Teil sogar heftige, ist normal. Denn, Veränderung tut immer weh. Wir sehen es als Herausforderung, sich nun mit der Kritik auseinander zu setzen.

 

Der Entwurf basiert auf einer Wettbewerbsausschreibung, die von der Stadt Paderborn formuliert worden ist. Wie sehen Sie die Vorgaben, die in dem Auslobungstext gemacht worden sind?

Behet: Grundsätzlich sind wir als Planer davon überzeugt, dass die Wahl für den Standort richtig ist. Denn es ist eine nachhaltige Wahl: Es ist ein eigenes Grundstück vorhanden und das dort stehende Gebäude ist nicht mehr nutzbar. Die Politik hatte hier die Idee eines Marktplatzkonzeptes mit Bürgerservice, Einwohneramt, Kinder-Bibliothek, Tourist-Info und Café. Wir halten die persönlichen Begegnung von Mensch zu Mensch, trotz Digitalisierung, nach wie vor für extrem wichtig. Die Umsetzung im Wettbewerb war dann zunächst mal schwer, ein echt dickes Brett. Wir haben es letztlich geschafft alle öffentlichen Funktionen zusammenhängend unterzubringen, obwohl die Fläche gerade im Erdgeschoss klein ist. Der Aufwand lohnt sich: Die neue Verwaltung ist dazu geeignet, die Innenstadt im Bereich Marienplatz zu stärken und lebendig zu halten. Es wird weiterhin viel Initiative notwendig sein, um die unterschiedlichen Interessen und Maximalvorstellungen zusammen zu führen.

 

Und welchen Einfluss hat nun die Bestandsgarantie für die Bäume und die Mauer am Marienplatz?

Behet: Wir wissen die Klarheit in dieser Aussage von Seiten der Kirchengemeinde zu schätzen. Auch die Frage der Busspur am Marienplatz ist ja ausdiskutiert. Die Vorgaben führen dazu, dass sich die Ausgestaltung der Eingangssituation an Marienplatz gegenüber unserem Wettbewerbsentwurf verändern wird. Die Adressierung in Richtung Marienplatz ist aber weiterhin möglich. Das werden wir nachweisen.

 

Ein wesentlicher Kritikpunkt sind die Ausmaße des Gebäudes...

Behet: Ja. Das werden wir auch noch einmal genauer darstellen. Das Bestandsgebäude hat sechs Geschosse. Daran hat man sich seit Jahren gewöhnt, das fällt kaum noch jemandem auf. Das neue Gebäude ist abgestuft und hat jeweils links und rechts, im Übergang zu den Nachbargebäuden, nur vier Geschosse. Nur in der Mitte sind es sechs. Daher möchte ich die kritisierte »Dominanz« in Frage stellen.

 

Auch die Kosten von 50 Millionen Euro allein für den Neubau sind kritisiert worden. Wo lässt sich etwas sparen?

Behet: Wir gehen davon aus, dass das Budget ausreichend bemessen ist. Grundsätzlich kann man aber wohl sagen, dass auf lange Sicht Eigentum immer günstiger ist als Miete. Und vor allem kann man alles so gestalten, wie man es haben will. Ich empfehle der Stadt möglichst gründlich zu planen. Wenn zu früh ausgeschrieben wird, wird es nur teurer. Wegen der Preissteigerungen am Bau sollte man nach Abschluss der Bürgerbeteiligung die Planung aber zügig wieder aufnehmen.

 

Wie sieht Ihr weiterer Zeitplan aus?

Behet: Wir sind mit Volldampf in den Vorbereitungen und gehen davon aus, dass bis Ende des Jahres ein Ergebnis der Bürgerbeteiligung vorliegt. Wir rechnen zwei Jahre Zeit für die Planung inklusive Abriss des Bestandes und die archäologischen Untersuchungen des Untergrunds. Dabei rechnen wir mit Funden. Danach werden zwei Jahre für das Bauen angesetzt. Von heute an gerechnet sind wir bei einem Zeithorizont von fünf Jahren bis zur Nutzung.

 

Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Bürgerbeteiligung?

Behet: Jeder ist im Rahmen der Bürgerbeteiligung eingeladen, zu allen Punkten seine Meinung zu äußern. Wenngleich klar sein muss, dass am Ende nicht alle Wünsche erfüllt werden können.

So sieht der Entwurf des Münsteraner Architekturbüros Behet, Bondzio und Lin aus, der nun überarbeitet werden soll. Foto:

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