Mi., 11.09.2019

Wer hat Angst vor Virginia Woolf? – Premiere am Theater Paderborn am 14. September Bittere Abgründe einer Ehe

Das Stück »Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« mit (von links) Herbert Schäfer, Josephine Mayer und Tim Tölke hat am Samstag Premiere am Theater Paderborn.

Das Stück »Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« mit (von links) Herbert Schäfer, Josephine Mayer und Tim Tölke hat am Samstag Premiere am Theater Paderborn. Foto: Viehoff/Theater Paderborn

Von Sonja Möller

Paderborn (WB). Mit seiner bitteren Ehe-Satire »Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« gelang Edward Albee 1960 der Durchbruch in Amerika. Die Mutter aller Ehekriegs-Stücke hat am Samstag, 14. September, um 19.30 Uhr Premiere im Großen Haus des Theaters Paderborn.

Der 1928 in Washington geborene Edward Albee schildert darin einen erbitterten Ehekrieg zwischen Martha und George, der sich im Rausch von sehr viel Alkohol entwickelt. Die beiden haben bei Bekannten schon ordentlich getrunken und lassen die Nacht zuhause mit Georges neuem Kollegen und dessen Ehefrau »ausklingen«. Enthemmt durch mehr und mehr Alkohol präsentieren George und Martha ihren Gästen die tiefen Wunden, die sie sich gegenseitig in langen Ehejahren zugefügt haben. Er fühlt sich von seiner Ehefrau vor den unerwarteten Gästen vorgeführt und setzt zum Rückschlag an. Die beiden ziehen dadurch das deutliche jüngere Paar in einen Strudel von Verachtung, Sadismus und wechselseitiger Abhängigkeit.

Große Lust an boshaften Auseinandersetzungen

»Ich habe wahnsinnig große Lust an boshaften Auseinandersetzungen. Das gucken wir doch alle gerne im Fernsehen«, sagt Regisseurin Ulrike Maack, die zum zweiten Mal am Theater Paderborn inszeniert. Im März hatte das Stück »Ab jetzt« Premiere.

Bei der Besetzung von Albees Stück finden sich neue und alte Gesichter: Tim Tölke als festes Paderborner Ensemble-Mitglied spielt den jungen Kollegen Nick, dessen Ehefrau von Pornpailin Distakul verkörpert wird. Für sie ist es das erste Engagement überhaupt nach ihrem Abschluss an der Schauspielschule in Hamburg.

Für die Rolle der Martha kehrt Josephine Mayer als Gastschauspielerin nach Paderborn zurück. Ihren Gatten George spielt Herbert Schäfer aus München, der zuletzt 2017 am Mainfrankentheater Würzburg in Shakespeares »Was ihr wollt« gespielt hat.

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Das Stück hat mehrere Ebenen, die nicht jeder verstehen muss und auch nicht jeder verstehen kann.

Regisseurin Ulrike Maack

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Übrigens hat Edward Albee das ältere Paar nach dem amerikanischen Vorzeigeehepaar George Washington und seiner Frau benannt. »Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« ist eine Generationenproduktion von erfahrenen bis jungen Darstellern. »Thema ist der Krieg in der Ehe. Es gibt sehr viel Alkohol, sehr viel schmutzige Wäsche und unangenehme Geheimnisse«, erzählt Dramaturg Daniel Thierjung. Es werde die Fassade des bürgerlichen Traums dekonstruiert: »Mit großer sprachlicher Virtuosität und einem großen Schuss schwarzem Humor«, betont Thierjung.

Es geht auch um Illusion und Wirklichkeit

Doch als reine Komödie will Regisseurin Ulrike Maack Albees Stück nicht verstanden wissen: »Das würde auf die falsche Fährte führen. Das Stück hat mehrere Ebenen, die nicht jeder verstehen muss und auch nicht jeder verstehen kann«, erläutert sie. Es gehe nicht nur um schmutzige Wäsche, die gewaschen werde, sondern auch um Illusion und Wirklichkeit. Ein Thema ist der von George und Martha gemeinsam erfundene Sohn, der eine zwischenmenschliche Wirklichkeit herstellt. Grundvoraussetzung für diese Interaktion ist eine Koalition zwischen George und Martha.

Beide Paare sind kinderlos und stehen laut Maack für eine Unfruchtbarkeit von Gesellschaften, die nur auf das Haben konzentriert sind. Der Regisseurin gefällt die Haltung des Autors: »Lass uns die Dinge anschauen, wie sie sind, und ihnen mit Humor begegnen.«

Stück 1966 mit Elizabeth Taylor und Richard Burton verfilmt

Sie betont: »Es muss keinen Lärm machen, um verstanden zu werden. So arbeitet ich gerne. Albee war ein grandioser Schreiber. Seine Stücke entziehen sich dem leichten Zugriff.« Für die Kostüme verantwortlich zeichnet Irmgard Kersting. Das Bühnenbild gestaltet Eylien König.

Die bittere Ehe-Satire »Wer hat Angst vor Virginia Woolf« brachte Edward Albee einen kräftigen Karriereschub, der ihn 1962 auf einen Schlag zum unumstrittenen Star am amerikanischen Theaterhimmel machte. Es wurde 1966 mit Elizabeth Taylor und Richard Burton verfilmt.

Albees Weltkarriere als Dramatiker begann allerdings 1959 in Berlin. Dort wurde sein Stück »Die Zoogeschichte« am Schillertheater aufgeführt, nachdem es von amerikanischen Bühnen abgelehnt worden war.

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