Di., 17.09.2019

Paderborns Bürgermeister soll verhindern, dass die Stadt in schlechtes Licht gesetzt wird Grüne: Werbung ist sexistisch

Diese Werbung, in der eine duschende Dame für das Einheizen der Springbach Höfe steht, finden die Grünen sexistisch.

Diese Werbung, in der eine duschende Dame für das Einheizen der Springbach Höfe steht, finden die Grünen sexistisch.

Paderborn (WB/mai). Was darf Werbung? Mit dieser Frage soll sich der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag auseinandersetzen. Den Paderborner Grünen ist eine Zeitungsannonce von ESW Lokal, einer Tochtergesellschaft von Westfalen Weser Energie (WWE) sauer aufgestoßen. Sie zeigt eine duschende Dame unter dem Titel »Jetzt heizen wir den Springbach Höfen ein!«, die für den Bauherrentag mit Einweihung der Energiezentrale wirbt.

»Diese Darstellung ist offensichtlich nach dem Motto ›Sex sells everything‹ ohne echten Bezug zur beworbenen Veranstaltung ausgewählt worden«, kritisieren die Grünen. »Selbst wenn man mit dem Gedankengang Duschen – warmes Wasser – Energie – Energiezentrale einen Zusammenhangherstellen will, stellt sich die Frage, weshalb aus der Vielzahl sich aufdrängender Bilder zur Nutzung von Wärmeenergie gerade eine duschende Frau ausgewählt wurde«, heißt es in dem von Petra Tebbe, Klaus Schröder und Ralf Pirsig unterzeichneten Antrag.

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Offensichtlich denken weder die Werbeagentur noch die ESW über simple Klischees hinaus.

Petra Tebbe, Klaus Schröder und Ralf Pirsig

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Zielgruppe der Anzeige seien offensichtlich »Bau-Herren«, was nicht nur aus dem Titel der Veranstaltung deutlich werde. Auch die Darstellung der unbekleideten Frau solle offensichtlich vor allem Herren ansprechen. Zudem richteten sich auch die unten dargestellten Programmpunkte (Informationen, Besichtigung der Energiezentrale) dem Text nach zuerst einmal an Bauherren. »Für die Familie werden Spiel und Spaß geboten. Offensichtlich denken weder die Werbeagentur noch die ESW über simple Klischees hinaus«, sagen die Grünen zur Anzeige, die am 28. August auch in dieser Zeitung erschienen ist. Sie vermuten, dass sich von dieser Art »schlechter Werbung« nicht wenige Frauen herabgesetzt fühlten. Die Tochter der Westfalen Weser Energie präsentiere sich damit als »rückständiges Unternehmen«. »Ebenso wird die Stadt Paderborn als größter Anteilseigner der WWE und Unterstützer der Veranstaltung in ein schlechtes Licht gesetzt.« Deshalb solle Bürgermeister Michael Dreier in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der WWE darauf hinwirken, dass diese und ihre Tochtergesellschaften künftig auf sexistische Werbung verzichteten.

Die ESW Lokal weist die Kritik zurück. Die Frau sei bewusst lediglich im Kopf- und Schulterbereich zu sehen. Die Kampagne ziele auf das ab, was die meisten Menschen mit Wärme und warmem Wasser verbänden: Behaglichkeit. Das Foto symbolisiere, wofür das Produkt ESW Lokal stehe: für eine unkomplizierte Wärme- und Warmwasserversorgung, die gut gelaunt genutzt werde. Die Frau sei hier eindeutig nicht auf ihre Weiblichkeit reduziert. Entscheidend für die Auswahl des Bildes sei die Aussage und nicht das Geschlecht der Abgebildeten gewesen. ESW achtet nach eigenen Angaben genau darauf, dass die Richtlinien zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern eingehalten werden.

Kommentar von Maike Stahl

Ich bin gegen sexistische Werbung. Aber in diesem Fall hat sich mir die Brisanz der Anzeige nicht erschlossen. Ich habe mich auch nicht herabgesetzt gefühlt. Und wenn ich an Wärmeenergieversorgung im Haus denke, fällt mir auch vor allem eine schöne heiße Dusche ein. Klar, man hätte auch mal einen Mann zeigen können. Entwürdigend ist das Foto für die Dame aber nicht. Sensibilität ist für ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe absolut unverzichtbar, diese Reaktion aber vielleicht etwas übersensibel.Maike Stahl

Kommentare

Lächerlichkeit

Die Diskussion um das Plakat mit der Darstellung einer duschenden Dame
in einen Zusammenhang mit Sexismus zu bringen entbehrt jeglicher Grundlage
und ist schon als lächerlich zu bezeichnen. Ich kann darin nur die Bereitstellung von
Duschwasser und deren Behaglichkeit erkennen. Hätte man stattdessen einen
duschenden Herrn abgebildet wäre sicherlich der Begriff Frauenfeindlichkeit gefallen.
Sorry die Damen und Herren von den „Grünen“, ich habe Sie bisher geschätzt und gedacht, dass von Ihnen wichtige kommunalpolitische Themen im Stadtrat vertreten werden. Da dieser Eindruck offensichtlich falsch ist sollten Sie sich über zukünftige negative Wahlergebnisse nicht wundern.
Im Übrigen ist der Begriff der „Bauherreneigenschaft“ den bestehenden Baugesetzen
entnommen und kann sowohl eine Einzelperson als auch eine Familie als „Bauherr“
bezeichnen.

Ist das ein Witz?

Wenn es kein Witz ist, schießt da wohl jemand gerade über das Ziel hinaus und erweist der Debatte einen "Bärendienst". Ja, es gibt Sexismus in der Werbung und es wichtig darüber zu reden. Doch wenn man solche lächerlichen Plakate einer Sexismusdebatte unterwirft, schadet man dieser wichtigen Entwicklung, indem man sie ins Lächerliche zieht.
Vielleicht sollte man eher im Rahmen des Gender-Diskurses den Begriff "Bauherr" gesamtgesellschaftlich überarbeiten, was ich berechtigt finde.
Sorry, liebe Grünen, aber das ist ein politischer Rohrkrepierer und oder um es sportlich zu sagen, ein Eigentor.

Eine neue Mode

scheint es zu sein, dass jedesmal, wenn auch nur ein Frauenkopf auftaucht, der Sexismus hervorgekramt wird.
Ich hab ja nun wirklich nichts gegen berechtigte Proteste.
Aber... Menschen sind nun mal ZWEIgeschlechtlich. Das eine davon zu ignorieren und das andere zu favorisieren erscheint mir ein wenig zu fremd und damit befremdlich.
Nicht jede Abbildung oder gar Erwähnung des größeren Teils der menschlichen Bevölkerung dieser Erde ist gewollter oder gar gelebter Sexismus.

3 Kommentare

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