Di., 17.09.2019

Antrag von CDU, SPD, Grüne und FDP – Landrat zieht Bilanz zu Klimaschutz Kreis Paderborn soll bis 2030 CO2-neutral sein

Die renaturierte Altenau in Atteln ist ein Bespiel für den gelungenen Gewässerschutz. Aber auch der Naturschutz gewinnt eine immer ­größere Bedeutung: Derzeit sind 12.000 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Die renaturierte Altenau in Atteln ist ein Bespiel für den gelungenen Gewässerschutz. Aber auch der Naturschutz gewinnt eine immer ­größere Bedeutung: Derzeit sind 12.000 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Foto: Hanne Hagelgans

Von Bernhard Liedmann

Paderborn (WB). Der Kreis Paderborn will für seinen Zuständigkeitsbereich bis zum Jahr 2030 die CO-Neutralität erreichen. Dies ist das gemeinsame Ziel eines fraktionsübergreifenden Antrages, der am Montag im Kreistag von CDU, SPD, Bündnisgrünen und FDP auf den Weg gebracht wurde. Künftig sollen auch alle politischen Entscheidungen, die einen »signifikanten Einfluss« auf den Ausstoß von Treibhausgasen haben, auf Klimaneutralität hin geprüft werden.

Die Beratung des gemeinsamen Antrages nahm die Kreisverwaltung mit Landrat Manfred Müller an der Spitze zum Anlass, eine Zwischenbilanz des Klimaschutzkonzeptes zu ziehen, das bereits im Jahr 2011 beschlossen und dessen Fortschreibung vor knapp einem Jahr verabschiedet wurde. Der Landrat stellte unter Schwerpunkten Erreichtes und weitere Ziele im Bereich des Klimaschutzes folgendes vor.

Regenerative Energien

Die derzeit 515 Windräder im Kreis Paderborn erzeugen 2.187 ­Gigawattstunden Strom. Foto: Besim Mazhiqi

Bereits jetzt belaufe sich der Stromertrag bei den erneuerbaren Energien auf 108 Prozent des eigenen Stromverbrauchs, so die Bilanz. Die Masse trage die Windenergie bei, die mit derzeit 515 Anlagen einen Ertrag von etwa 2000 Gigawattstunden produziere. Weitere 29 Anlagen seien bereits genehmigt. Doch auch die anderen Energieerzeugungsformen hätten einen hohen Stellenwert, sagt Müller. Biogasanlagen produzierten 169 Gigawattstunden und die Photovoltaik 220 Gigawattstunden. Unterm Strich würden somit 1,4 Millionen Tonnen CO 2 eingespart. Seit langem setze der Kreis Paderborn auch auf den Einkauf von grünem Strom. Spätestens seit 2017 beziehe man für alle Kreis-Stromabnahmestellen nur noch grünen Strom. Um den Ausbau dieser regenerativen Stromerzeugung weiter auszubauen, bevorzuge man in der anstehenden Ausschreibung Grünstrom aus Neuanlagen, die maximal sechs Jahre alt sind, um den Ausbau von regenerativer Stromerzeugung zu fördern.

ÖPNV

3,7 Millionen Kilometer fahren die Züge pro Jahr im Bereich des Nahverkehrsverbundes. Foto: Besim Mazhiqi

Der Anteil des Nahverkehrs von Bus und Bahn am Gesamtverkehr sei im ländlichen Raum mit elf Prozent gering. Demgegenüber betrage der KFZ-Anteil 56 Prozent. Dennoch sieht der Kreis hier ein ausbaufähiges Potential. So sei allein im Bereich des Nahverkehrsverbundes Paderborn/Höxter die gesamte Verkehrsleistung von 2010 mit 3,1 Millionen gefahrenen Schienenkilometern auf 3,7 Millionen Kilometer im Jahr 2020 gestiegen. Dies mache ein Plus von 17,3 Prozent aus. Weitere Steigerungen könnten beispielsweise durch Maßnahmen wie einen Stundentakt nach Kassel erreicht werden. Vorzeigeobjekt sei beispielsweise die Sennebahn mit einer Fahrgaststeigerung um 160 Prozent innerhalb von nur sieben Jahren. Aber auch beim Bus habe man beim NPH deutlich zugelegt: Bei den gefahrenen Wegstrecken ohne den Padersprinter für die Stadt Paderborn sei es ein Plus von knapp 14 Prozent in den Jahren 2013 bis 2019. Derzeit legten die öffentlichen Busse in den Kreisen Paderborn und Höxter jährlich mehr als 15 Millionen Kilometer zurück. Auch hier wolle man nachlegen, so der Landrat. Anzudenken seien Taktverdichtungen oder auch die Einführung von Schnellbuslinien im westfälischen Raum. Überlegt wird derzeit auch für die Schiene, beispielsweise Akku-Loks auf der nicht elektrifizierten Sennebahn einzusetzen.

Radwege

Zur Mobilität gehört auch das Rad, das derzeit einen Anteil von etwa 13 Prozent am gesamten Verkehrsaufkommen hat und damit anteilsmäßig Bahn und Bus bei der Nutzung überholt. In den Radwegebau wurden im Kreisgebiet von 2015 bis 2020 7,6 Millionen Euro investiert mit einem Eigenanteil des Kreises von mehr als 3,8 Millionen Euro. Geplant sind in den kommenden Jahren Investitionen in Höhe von gut 4,2 Millionen Euro.

Gewässerschutz

Über den Wasserverband Obere Lippe sind in den Gewässer- und damit natürlich auch Naturschutz ebenfalls enorme Investitionssummen geflossen. Landrat Manfred Müller legte dar, dass allein in den vergangenen fünf Jahren 6,5 Millionen Euro in 17 Renaturierungsmaßnahmen geflossen seien. Damit habe man etwa 55 Hektar Gewässerauen renaturiert. Für die kommenden drei Jahre seien weitere sieben Maßnahmen geplant mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Millionen Euro. Damit würden weitere 59 Hektar Gewässerauen renaturiert. All diese Maßnahmen würden das Klein­klima verbessern und beim Erhalt von Mooren auch die CO 2 -Speicherung dauerhaft sichern.

Naturschutz

Auch mit öffentlichkeitswirksamen Kampagnen wie »der Kreis Paderborn blüht und summt« will der Kreis den Klimaschutz weiter vorantreiben. Im Bild zur Kampagneneröffnung (von links): Landrat Manfred Müller, Rudolf Salmen, Karsten Schnell und Martin ­Hübner Foto: Dietmar Kemper

Den hohen Stellenwert des Naturschutzes verdeutlichte die Kreisspitze auch an der Entwicklung von Flächengrößen beim Naturschutz. Habe es im Jahr 1999 noch 4900 Hektar Naturschutzgebiet im Kreis Paderborn gegeben, seien es im laufenden Jahr bereits 12.000 Hektar. Hinzu kämen 52.200 Hektar Landschaftsschutzgebiete. Der Kreis Paderborn habe derzeit auch 300 Naturdenkmale explizit ausgewiesen.

Gebäudeinvestitionen

Für seine eigenen Liegenschaften zieht der Kreis Paderborn unter dem Stichwort Energieeffizienz und Klimaschutz auch eine positive Bilanz: Die Modernisierungen in den vergangenen zehn Jahren beispielsweise allein an drei kleineren Einrichtungen wie dem Kolleg in Büren, dem Gregor-Mendel-Berufskolleg oder der Kreisfeuerwehrzentrale in Büren hätten bereits mehr als 100 Tonnen CO 2 eingespart. Beim kreiseigenen Abfall- und Entsorgungsbetrieb AVE mit der Kombination von betriebseigener Windkraft oder Photovoltaik nebst Nutzung von Deponiegas komme man auf eine Einsparung von 8200 Tonnen CO 2 . Energieeffizienz und Klimafreundlichkeit stehe natürlich auch beim Neubau des Kreishauses und dem geplanten Neubau des Kreisbauhofes oben an mit Photovoltaikanlagen, eine Holzhackschnitzelheizung beim Bauhof und dem Ausbau der E-Mobilität bei der Verwaltung selbst.

Weitere Maßnahmen

Flankierend zu solchen Schwerpunkten unternahm der Kreis auch zahlreiche Einzel-Maßnahmen zum Klimaschutz. So führe man seit 2015 den Wettbewerb Ökoprofit durch mit dem Ziel der Energieeinsparung bei Unternehmen, Betrieben oder anderen Institutionen. Insgesamt seien dabei allein in den vergangenen drei Jahren zusammen 3,5 Millionen Kilowattstunden eingespart worden und damit etwa 4400 Tonnen CO 2 . Auch für die Beteiligten habe dies einen Kosteneinspareffekt von 657.000 Euro gehabt.

Bestandteil des gemeinsamen Antrages der Fraktionen im Kreistag ist nicht nur das Bekenntnis, dass man sich die Klimaschutzziele von Paris zu eigen macht und den Anstieg der Klimaerwärmung auf nicht mehr als 1,5 Grad begrenzen sowie die CO 2 -Neutralität im eigenen Bereich bis 2030 erreichen will. So soll neben der Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes dem Kreistag alle zwei Jahre ein Bericht über den Stand vorgelegt werden.

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