Mi., 18.09.2019

Anreiz für Senioren in den Kreisen Paderborn und Höxter Wer den Führerschein abgibt, fährt kostenlos Bus und Bahn

Sie wollen älteren Menschen in den Kreisen Paderborn und Höxter einen Anreiz zum Führerscheinverzicht geben: (von links) Dieter Honervogt, Klaus Schumacher, Udo Wiemann, René Möller, Ulrich Conradi und Manfred Müller.

Sie wollen älteren Menschen in den Kreisen Paderborn und Höxter einen Anreiz zum Führerscheinverzicht geben: (von links) Dieter Honervogt, Klaus Schumacher, Udo Wiemann, René Möller, Ulrich Conradi und Manfred Müller. Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Ältere Menschen, die in den Kreisen Paderborn und Höxter ihren Führerschein abgeben, erhalten jetzt einen Anreiz. Sechs Monate lang dürfen sie Bahn und Bus im Hochstift kostenlos nutzen. Das Angebot startet im Oktober und läuft als Pilotprojekt zunächst für drei Jahre. Der Kreis Lippe hat damit bereits gute Erfahrungen gesammelt.

Dort gibt es das Angebot, den Führerschein gegen ein drei Monate lang kostenloses ÖPNV-Ticket zurückzugeben, bereits seit mehr als 20 Jahren. Im Jahr 2018 haben 154 Menschen davon Gebrauch gemacht.

Trotzdem rechnet der Nahverkehrsbund Paderborn Höxter (NPH) zunächst noch nicht mit dem ganz großen Ansturm. »Mobilität ist ein ganz wichtiges Thema im Alter, und die Hemmschwelle, den Führerschein wirklich abzugeben, sehr groß«, sagt NPH-Geschäftsführer Udo Wiemann. »Aber wenn wir vielleicht 60 bis 100 Menschen mit dem Anreiz dazu motivieren können, diesen Schritt zu gehen, haben wir schon einiges erreicht.«

»Man muss nur die Barriere im Kopf überwinden«

Davon, dass sie ihn nicht bereuen werden, sind auch Landrat Manfred Müller (Paderborn) und Kreisdirektor Klaus Schumacher (Höxter) überzeugt. »Man muss nur die Barriere im Kopf überwinden, dann geht es auch ohne Auto, auch in einem Landkreis wie Höxter«, ist Schumacher überzeugt. Er könne sich durchaus vorstellen, im Ruhestand auf das Auto zu verzichten. »Bisher haben wir noch sehr wenig freiwillige Führerscheinrückgaben. Wir müssen deutlich machen, wie gut unser Angebot ist«, ergänzt Müller.

Wer überlegt, sich aus Alters- oder Gesundheitsgründen von seinem Führerschein zu trennen, braucht gar nicht viel zu tun. Bei dem Straßenverkehrsamt, wo der Führerschein abgegeben werden muss, liegen Faltblätter mit den Informationen und dem Bestellschein für das sechs Monate kostenlose 60plus-Abo. Dieser wird vor Ort direkt abgestempelt und kann beim Kundencenter abgegeben werden. Das Abo gilt dann vom 1. Tag des Folgemonats an. »Es muss auch niemand daran denken zu kündigen, denn das Frei-Abo endet nach sechs Monaten automatisch. Wir schicken lediglich eine Erinnerung mit dem Angebot, es danach kostenpflichtig zu buchen«, sagt Wiemann.

Projekt wird circa 50.000 Euro kosten

Wie teuer das 60plus-Abo wird, hängt vom Gültigkeitsbereich ab. Für einen Ortsbereich im Hochstift werden monatlich 29,90 Euro fällig, für das Hochstift 42 Euro und für das Netz Westfalen, das vom Sauerland bis an die niederländische Grenze und von Dortmund bis Niedersachsen reicht, sind es 88,90 Euro pro Monat.

Die Finanzierung der Freiabos teilen der Nahverkehrsverbund, die Stadt Paderborn und die Verkehrswacht mit einem kleineren Betrag unter sich auf. Udo Wiemann rechnet mit Kosten von 50.000 Euro für das auf zunächst drei Jahre befristete Projekt. »Ich erhoffe mir, gerade im Zuge der aktuellen Klimadebatte, für solche Projekte auch Rückenwind vom Bund«, sagt Landrat Müller.

Intention des Projektes ist laut Udo Wiemann ausdrücklich nicht das Thema Verkehrssicherheit. »Es ist definitiv nicht so, dass Senioren verhaltensauffällig im Straßenverkehr agieren oder besonders viele Unfälle verursachen, da sie in der Regel sehr vorsichtig unterwegs sind.« Das bestätigt René Möller von der Verkehrswacht. »Dieses Projekt ist aber ein schöner Mosaikstein, für diejenigen, die selbst zu der Erkenntnis kommen, dass sie sich nicht mehr so sicher fühlen und mobil bleiben wollen.« Denn wenn man bedenke, was ein Auto im Monat koste, könne das ÖPNV-Angebot um einige Taxifahrten ergänzt werden, ohne die Haushaltskasse stärker zu belasten.

Weitere Informationen zu den Angeboten gibt es hier (lippemobil) und hier (fahr-mit).

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