Mi., 18.09.2019

Borkenkäfer raffen immer mehr Flächen dahin – dramatische Situation für Waldbesitzer Viele Wälder im Hochstift sind zerstört

Der Haarener Wald: Das Foto zeigt eindrücklich, dass die meisten Fichten bereits abgestorben sind.

Der Haarener Wald: Das Foto zeigt eindrücklich, dass die meisten Fichten bereits abgestorben sind. Foto: Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Von Maike Stahl und Matthias Band

Paderborn (WV). Dürre, Borkenkäfer, Stürme – der Klimawandel hat enorme Auswirkungen auf die Bäume. Nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz müssen in NRW mindestens 20.000 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden. Auch im Kreis Paderborn sind die Schäden überall sichtbar.

Zunächst wütete das verheerende Sturmtief Friederike im Januar 2018 und hinterließ große Lücken im Baumbestand. Dann kam der Hitzesommer, der in diesem Jahr noch übertroffen wurde, und in beiden Sommern verstärkte die lang anhaltende Trockenheit das Problem. Die Folgen werden wohl noch Jahrzehnte zu spüren sein, sagen Förster. Die Schadholz­mengen aus den Jahren 2018 und 2019 belaufen sich landesweit mittlerweile nach Angaben des Landesbetriebs auf fast neun Millionen Kubikmeter, normal sind fünf bis sieben Millionen.

Mehr Borkenkäfer durch Trockenheit

Vor allem die Fichte ist betroffen. »Viele Fichten im Kreis Paderborn sind braun, da sitzt überall der Borkenkäfer drin«, sagt Stefan Befeld, Förster des Landesbetriebs Wald und Holz, der für den Bereich zwischen Büren und Lichtenau zuständig ist. Bis zu viermal im Jahr bekomme der Borkenkäfer Nachwuchs, die Vermehrung wurde durch die Wärme und Trockenheit in den vergangenen Monaten noch verstärkt. Befeld hat unter anderem große Schäden entlang der Egge und an der Aabachtalsperre festgestellt. Im gesamten Kreis Paderborn seien tausende Hektar betroffen. Rund um Brilon sei die Situation noch schlimmer. »Ende Juli ist der Borkenkäfer noch mal extrem stark ausgeflogen. Diese Schäden werden erst jetzt sichtbar«, sagt Befeld.

170 Hektar »katastrophale Flächen«

Im Paderborner Stadtwald kämpfen die Forstmitarbeiter ebenfalls mit den Folgen von Sturm, Trockenheit und Borkenkäfern. »Überall im Stadtwald gibt es katastrophale Flächen«, sagt Toni Wiethaup, Sachgebietsleiter im Amt für Umweltschutz und Grünflächen. Von den 820 Hektar Stadtwald gebe es etwa 170 Hektar Fichtenbestände, die nahezu komplett betroffen seien. »Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Fichte aus dem Wald zu bekommen, das gestaltet sich aber sehr schwierig. Allein schon, weil es derzeit kaum möglich ist, Unternehmer zu bekommen.«

Auch die Laubbäume im Hochstift sind durch die Trockenheit arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele Buchenkronen seien trocken, erläutert Befeld. Die Buche ist die häufigste Laubbaumart in den Wäldern im Hochstift. »Die entscheidende Frage ist jetzt: Wie erholen sich die Bäume im Winter? Wir brauchen auf jeden Fall viel Regen«, sagt Befeld.

Holzernte oft nicht mehr wirtschaftlich

Für die Waldbesitzer sei die Situation zum Teil dramatisch. »Der Holzpreis ist im Keller«, sagt Befeld. Lag der Preis für einen Festmeter Fichte 2018 noch bei 90 bis 100 Euro seien es aktuell 30 bis 50 Euro. Zudem könne so viel Holz gar nicht weiter verarbeitet werden. Die Folge: Die Waldbesitzer bleiben auf ihrem Holz sitzen. Die Holzernte sei oft nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Und auch die Neubepflanzung kostet die Waldbesitzer Geld. »Ein weiteres Problem wird sein, dass der Sägeindustrie in ein paar Jahren Holz fehlen wird. Darüber müssen wir auch nachdenken«, sagt Befeld.

In der Politik ist das Problem offenbar erkannt worden. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat für den 25. September einen Nationalen Waldgipfel angekündigt. Zur Unterstützung der Waldbesitzer hat das Land NRW 6,2 Millionen Euro Sondermittel zur Verfügung gestellt. Für Wiederaufforstungsmaßnahmen sollen in den kommenden zehn Jahren 100 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Arbeiten am Wald der Zukunft

Die Förster machen sich derweil schon Gedanken um die Zukunft und wie sie die Freiflächen wieder bepflanzen können. Befeld und seine Kollegen setzen vor allem auf die robuste Birke, die genügsame Eberesche und die schnellwachsende Zitterpappel. »Diese Bäume dienen sozusagen als Entwicklungshelfer für nachfolgende Baumarten wie Buche oder Douglasie«, erläutert Befeld. Die Pionierbaumarten wirken sich positiv auf die Bodenqualität aus und bremsen störende Pflanzen wie Adlerfarm oder Gras im Wachstum.

Ein paar Jahre später könnten sich dann die anspruchsvolleren und empfindlicheren Wirtschaftsbaumarten im Schutz des Vorwaldes entwickeln. Die Förster setzen auf Mischwälder und dabei außer auf Buche auch auf Kirsche, Walnuss, Eiche, Esskastanie, Elsbeere und Ahorn sowie auf Douglasie, Weiß- und Küstentanne. Befeld: »Wir müssen jetzt auf die nächsten 150 Jahre gucken.«

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