Sa., 21.09.2019

Lehrerkind Bastian Bielendorfer füllt die Paderhalle Leidensgeschichten zum Lachen

Bastian Bielendorfer hat in Paderborn die Paderhalle mit 650 Zuschauern gefüllt. Seine Art, die skurrilen Geschichten aus seinem Leben zum Besten zu geben, kommt beim Publikum an.

Bastian Bielendorfer hat in Paderborn die Paderhalle mit 650 Zuschauern gefüllt. Seine Art, die skurrilen Geschichten aus seinem Leben zum Besten zu geben, kommt beim Publikum an. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Vor knapp drei Jahren stand Bastian Bielendorfer noch vor der Paderhalle und rief: »Lasst mich hier rein!« Damals durfte er »nur« in der Kulturwerkstatt auftreten. Jetzt hat er es tatsächlich auf seine Traumbühne geschafft und das Publikum damit mehr als vervierfacht.

Vor 650 Zuschauern hat der 35-jährige verheiratete Lehrersohn mit Mops und Psychologiestudium seine »lustigen, aber wahren« Geschichten aus dem Leben erzählt. Das gelang ihm ziemlich gut: Selten ist in der Paderhalle so viel gelacht worden, wie an diesem Freitagabend. Im Fokus seiner skurrilen Lach- und Sachgeschichten: Er selbst und seine Familie.

Auch einige »Friedhofsblonde« befanden sich unter dem überwiegend jungen Publikum, wie der Künstler zufrieden feststellte. Auch Lehrer waren da: Die haben es bei Bastian Bielendorfer naturgemäß besonders schwer. Kein Wunder: Er habe als Kind eines Pädagogen-Ehepaares viel erleiden müssen, gestand er und gab tiefe Einblicke in die seelischen Abgründe seines Vaters, der stets darauf aus gewesen sei, seinen Sohn fies zu foppen und hereinzulegen. Dies sei ihm auch stets gelungen.

Name unspannend wie das Äußere des Künstlers

Der Name Bastian Bielendorfer klingt genauso unspannend, wie der Künstler aussieht. Doch wenn der 35-Jährige zu erzählen beginnt, dann kleben ihm die Zuschauer an den Lippen und warten hungrig auf die Anekdoten, die im Hirn den Lachreiz reflexartig auslösen. Und diesen Reiz trifft Bielendorfer ziemlich oft. Das Besondere dabei ist, dass viele Pointen leider vorhersehbar sind. Trotzdem schafft es Bielendorfer die Geschichten so elegant zu verpacken und zu erzählen, dass sich die Zuschauer bestens unterhalten fühlen.

Der gebürtige Gladbecker gestand am Freitagabend, dass er seinen Auftritt in der Paderborner Kulturwerkstatt im Dezember 2016 nie vergessen werde. Das habe vor allem an einem älteren Herrn gelegen, der ihn in der Pause gefragt habe, wann er denn endlich mit der Klarinette spielen werde. Tatsächlich habe sich der Mann geduldig das Comedy-Programm angesehen, obwohl er sich im falschen Veranstaltungsraum befunden habe. Sachen gibt’s...

Zu Gast bei Günther Jauch

Zum gefühlt 100. Mal erzählte Bielendorfer dann auch seine »Wer wird Millionär«-Story, durch die er bekannt geworden ist. In Günther Jauchs Ratesendung habe er im Jahr 2010 32.000 Euro gewonnen. Viel interessanter sei aber der Zwischenfall mit seinem Vater als Telefonjoker gewesen. Der habe bei der 8000-Euro-Frage nicht nur im ersten Anlauf das Klingeln des Telefons ignoriert, sondern dann auch noch vor einem Millionenpublikum über seinen Sohn hergezogen: Wenn der ihn schon für die 8000-Euro-Frage anrufen müsse, könne der nur adoptiert sein, habe der Vater erklärt und nach der richtigen Antwort grußlos aufgelegt. Daraufhin habe der verdutzte Jauch noch mehr über die Familie wissen wollen. Nach der Ausstrahlung der Sendung habe sich ein Buchverlag gemeldet. Bielendorfer schrieb sein Leben als Lehrerkind nieder – der Anfang seiner Comedykarriere war gemacht.

Programm als Selbsttherapie

Seitdem erzählt der Comedian – vermutlich als seine Form der Selbsttherapie – die teils unglaublichen Geschichten. Wie zum Beispiel die vom Friedhof: Als sein Opa – ein Chemiker – beerdigt worden sei, habe der kleine Bastian mit dem Einverständnis seines Vaters vor dem offenen Grab einen Böller gezündet, den sein Großvater zu Lebzeiten gebaut hatte. Die Katastrophe nahm ihren Lauf... Auch die Geschichten über seine betagte Oma, die immer im richtigen Moment den richtigen Spruch auf den Lippen habe, sorgten für vergnügliche Unterhaltung.

Bielendorfer erzählt seine gut strukturierten Geschichten im munteren Plauderton und voller Selbstironie. Das gefällt, und die Zeit vergeht wie im Flug. Er hat nicht das geringste Problem, zwei Stunden lang allein Unterhaltung zu bieten. Die Lacherfolge wären ihm aber auch dann sicher, wenn er sprachlich weniger oft in den Fäkalbereich abrutschen würde.

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