Fr., 11.10.2019

Brandstiftung und Einbruch: 22-Jähriger Paderborner muss 100 Sozialstunden leisten Erst gezecht, dann gezündelt

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Paderborn (WB/upf). Es waren keine Dumme-Jungen-Streiche, sondern wären Verbrechen gewesen – wäre der 22-Jährige nach Erwachsenenstrafrecht behandelt worden: Für eine Reihe von Bränden, die er gelegt hatte, bekam der Paderborner jetzt einen Denkzettel vom Jugendschöffengericht.

Im Januar und Februar vergangenen Jahres hatte der damals 20 Jahre alte Arbeiter offenbar mächtig gezündelt: In der Kleingartenanlage an der Haustenbecker Straße steckte er in ein und derselben Nacht ein Gewächshaus und eine Gartenlaube an ­– beide wurden völlig zerstört, der Sachschaden belief sich damals auf etwa 7000 Euro.

Wesentlich höher war der Schaden, den er verursachte, als er eine Baustelle im Paderquell­gebiet heimsuchte und dort Feuer an einer 100 Quadratmeter großen Kunststoffplane legte, mit der eine Brücke abgedeckt war – 15.000 Euro kostete die Plane, die vernichtet wurde.

Nachts in den Dom geklettert

Besonders dreist zeigte sich der Angeklagte, als er Mitte Februar 2018 über ein Baugerüst nachts in den Dom kletterte, ein Mischpult mitgehen ließ und möglicher­weise ein paar Altarkerzen entzündete – letzteres war nicht Gegenstand des Verfahrens, eine Erinnerung an die Kerzen hatte der 22-Jährige nach eigenen Worten auch nicht.

Was vermutlich dem Alkohol geschuldet sein könnte. Denn den hatte er damals offenbar reichlich genossen, wie vor Gericht deutlich wurde: Er hatte seine Aus­bildung abgeschlossen, aber noch keinen Job gefunden. So habe er auf dem Nachhauseweg von seiner Stammkneipe in der Paderborner Innenstadt nach Mastbruch gelegentlich irgendwelchen seltsamen Eingebungen nach­gegeben.

»Ich bin da einfach dumm gewesen«, gab er reumütig zu. Sein Verteidiger Franz Zacharias gab dem Jugendschöffen­gericht zu bedenken, dass bei den Taten nie Menschen gefährdet gewesen seien – bei dem »Einstieg« in den Paderborner Dom allerhöchstens der Täter selbst: »Auf so einen Gedanken muss man erst mal kommen…«

Durch Zufall geschnappt

Geschnappt wurde der 22-Jährige übrigens durch einen ­Zufall: Als er mit dem im Dom geklauten Mischpult auf dem Heimweg war, kam er an – ohne sein Zutun – brennenden Mülltonnen vorbei und geriet so in den Fokus der Polizei.

Heute hat er einen festen Job in Aussicht, verdient seinen Lebensunterhalt – und hat sich seit ­Februar 2018 nichts mehr zuschulden kommen lassen. Aufgrund von Reifeverzögerungen wendete die Richterin Jugendrecht an und verhängte als Sanktion eine sogenannte Vorbewährung: Wird der 22-Jährige innerhalb der kommenden zwölf Monate noch einmal straffällig, wird für die jetzt verhandelte Sache ein Strafmaß festgelegt.

Hält er durch, bleibt sein Strafregister davon unberührt. 100 Sozialstunden muss er aber auf jeden Fall ableisten.

 

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