So., 13.10.2019

Begleitbuch zur Ausstellung »Cold Kiss in the Dark« ist fertig Intimer Blick in Drogenszene

22 Suchtkranke gewährten Oliver Kleibrink einen Einblick in ihr von der Droge bestimmtes und gezeichnetes Leben.

22 Suchtkranke gewährten Oliver Kleibrink einen Einblick in ihr von der Droge bestimmtes und gezeichnetes Leben. Foto: Oliver Kleibrink

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Früher hat auch Oliver Kleibrink einen Bogen um suchtkranke Menschen in den dunklen Ecken der City gemacht – einen großen, weil der unauffälliger ist. Vor anderthalb Jahren ist er dann einfach auf sie zugegangen, hat ihnen zugehört und durfte einige auch fotografieren. Diese Bilder erzählen nun die Geschichte der Menschen im Abseits, geben ihnen ein Gesicht und sollen andere vor diesem Schicksal bewahren.

Dr. Richard Böger, Vorstand der Bank für Kirche und Caritas, gratuliert Oliver Kleibrink zur Buchpräsentation. Foto: Uta Kleibrink

Denn zur Eröffnung seiner Ausstellung »Cold Kiss in the Dark« im Raum für Kunst hat Oliver Kleibrink auch das gleichnamige Buch vorgestellt, in dem die eindrucksvollen Fotografien ungeschönt die Tristesse eines Lebens zeigen, das sich vor allem noch um den nächsten Schuss dreht. Er zeigt diejenigen, von denen andere Menschen ihren Blick oftmals lieber abwenden, als sich ihnen zuzuwenden. Kleibrink hat sich ihnen zugewendet. Er hat sie angesehen, ihnen zugehört und ihnen Wertschätzung entgegengebracht. Die spricht auch aus seinen Schwarz-Weiß-Fotografien, die den Betrachter ahnen lassen, welches Schicksal die Protagonisten zu meistern haben.

In seinem Buch erzählt Kleibrink stellvertretend die Geschichte von Alex. Der 38-Jährige war schon mehr als 40 Mal in der Entgiftung, seine Sucht hat ihn bereits mehr als einmal dem Tod nahe gebracht. Oder Holger (53) dessen Leben die Drogen seit 30 Jahren zu einem einzigen Kampf machen. »Mal mehr. Mal weniger«, wie er selbst sagt. Aber er könne seine Erinnerungen nur unter Drogen ertragen. Psychotherapien hätten ihm nicht geholfen, deshalb kämpfe er seinen Kampf nun allein. Markus ist nach einer Haftstrafe und Entzug gerade clean, hat gemerkt, dass ihm ein strukturierter Tagesablauf gut tut. Aber dann geht er doch wieder in die Zentralstation – dort sind die Leute, die er kennt, andere begegnen ihm als Ex-Knacki und Ex-Junkie misstrauisch.

»Die Fotos sollen ihnen helfen, indem sie auf ihre Schicksale aufmerksam machen«, sagt der Diplom-Pädagoge. »Ich habe aber auch ein Schulprojekt entwickelt, denn die Bilder zeigen, wie trostlos so ein Leben ist, das vielleicht auch mal mit ›nur ein bisschen Gras‹ rauchen angefangen hat. Die Bilder hinterlassen Eindruck, daran können wir im Gespräch anknüpfen.« Erste Termine hat er gerade vereinbart und würde sich freuen, wenn weitere Schulen im Hochstift mitmachen.

Oliver Kleibrink ist Mitglied des noch jungen Fotografievereins Cheezze, der das Buch zur Ausstellung herausgegeben hat. Dessen Vorsitzender Tobias Vorwerk, ist von Kleibrinks Projekt überzeugt. »›Cold Kiss in the Dark‹ zeigt, wie gut sich schwierige Themen mit den Mitteln der Fotografie transportieren lassen.« Vorwerk sieht darin eine Chance, die Stadtgesellschaft und das Zusammenleben in Paderborn weiter zu verbessern. »Wir müssen nur anfangen, hinzusehen und zuzuhören«, schreibt er im Vorwort.

Hier gibt es das Begleitbuch

Das Begleitbuch zur Ausstellung »Cold Kiss in the Dark« ist zum Preis von 25 Euro zuzüglich Porto bei Oliver Kleibrink erhältlich (o.kleibrink@web.de) oder für 35 Euro im Buchhandel (ISBN: 9783748103349). Einen Großteil des Erlöses will Kleibrink den Suchtkranken selbst zugute kommen lassen und für Grillnachmittage spenden, die er zusammen mit den Drogenabhängigen auf dem Gelände des Vereins Kim – soziale Arbeit am Busdorfwall 2 organisiert.

Hier ist die Ausstellung zu sehen

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 20. Oktober, im Raum für Kunst, Kamp 21, zu sehen. Geöffnet ist sie bis Freitag von 17 bis 20 Uhr, mit Ausnahme des Samstags. Dann ist von 10 bis 13 und 18 bis 20 Uhr geöffnet. Einige Fotos der Reportage sind zudem bis 9. Dezember in der Schaufenstern der Bank für Kirche und Caritas zu sehen. Außerdem zeigt Kleibrink vom 8. November bis 10. Dezember wöchentlich wechselnde Fotografien im Kim-Café am Busdorfwall.

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